Mainz - Benedikt Höwedes war genervt davon, schon wieder eine Niederlage kommentieren zu müssen. Nach dem 0:2 beim 1. FSV Mainz 05 am Freitagabend ist der FC Schalke 04 nun schon seit sechs Spielen ohne Sieg - und wenn der Mannschaft in den königsblauen Trikots nicht schnell die Trendwende gelingt, verspielt sie nach der Champions-League auch noch die Teilnahme an der Europa-League.

"Wir müssen uns Sorgen machen", gibt Schalkes Kapitän Höwedes zu: "Es wäre leichtfertig zu glauben, wir schaffen die Europa-League auf jeden Fall."

In Mainz zeigte sich derzeit Schalke größtes Manko: Die Mannschaft macht zu wenig aus ihren Möglichkeiten. Bis zu den beiden "ärgerlichen" (Höwedes) Gegentoren jeweils nach Eckbällen (28.; 31.) beherrschten die Schalker das Spiel und kombinierten sich immer wieder vor das Tor des Gegners. Aber im Abschluss versagten die Nerven, oder der überragende Mainzer Torwart Loris Karius parierte.

Höwedes beklagt mangelnde Chancenverwertung

"Wenn man oben mitspielen will, dann muss man die Chancen verwerten. Wir hatten gefühlt ja fünf hundertprozentige Chancen in den ersten 25 Minuten", klagte Höwedes. Doch weder Huntelaar (4.), noch Matip (5.), Farfan (8.) und Sane konnten ihre hochkarätigen Möglichkeiten zur Führung nutzen. Und nach den beiden Gegentoren war der Spielfluss der "geschockten"(Höwedes) Schalker unterbrochen. Die Mainzer kämpften sich ins Spiel, und retteten den Sieg mit einer konzentrierten Verteidigungs-Leistung über die Ziellinie. S04-Trainer Roberto Di Matteo brachte die Misere seines Teams mit einer unumstößlichen Wahrheit des Fußballs auf den Punkt (weitere Stimmen zum Spiel): "Wir müssen vor dem Tor effektiver sein, Tore entscheiden die Spiele."

Di Matteo sieht ein mentales Problem

Der Negativlauf zehrt nicht nur an den Nerven der Fans, die die Mannschaft mit Pfiffen und Schmähgesängen in die Kabinen schickten. In der Mannschaft fehlten nach den jüngsten Rückschlägen "Ruhe und Vertrauen", erklärte Di Matteo. Das erklärt auch, dass seine Mannschaft nach den Gegentoren "die Ruhe verloren" habe, so der Trainer: "Das ist auch eine Kopfsache." Auch der gute Torwart Ralf Fährmann hatte erkannt, dass seine Kollegen nach den beiden schnell hintereinander gefallenen Toren, "mit einem Rucksack" herumgelaufen seien: "Wir strotzen im Moment nicht gerade vor Selbstvertrauen – woher soll es auch kommen."

Vor allem die verlorene Treffsicherheit des in der Vorrunde noch so starken Sturmduos Eric Maxim Choupo-Moting und Klaas Jan Huntelaar macht Sorgen. Choupo-Moting fehlt nach der Teilnahme am Africa Cup mit Kamerun im Januar noch immer die Frische und Huntelaar hat seine Kälte vor dem Tor eingebüßt, der Niederländer ist in der Liga schon 1187 Minuten ohne Treffer.

Unangenehmes Restprogramm

Ohne eine Steigerung der ganzen Mannschaft wird es für die Schalker ganz eng im Rennen um einen internationalen Startplatz. Die kommenden Gegner kämpfen mit aller Kraft um den Klassenerhalt. Die Gelsenkirchner empfangen ja noch Stuttgart und Paderborn und müssen noch nach Köln und Hamburg reisen (Infografik: Das Restprogramm der Europa-Kandidaten).

"Die Aufgaben sind nicht einfach", weiß Benedikt Höwedes: "Die Gegner wollen nicht absteigen." Der trainingsfreie Samstag wurde erst einmal gestrichen. Wie die von Manager Horst Heldt geforderte Trendwende gelingen soll, erklärte Torwart Fährmann: "Wenn wir spielerisch nicht glänzen können, dann müssen wir läuferisch und kämpferisch noch mehr geben." Allerdings hilft das auch nichts, wenn man aus vielen Chancen keine Tore macht.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter