Berlin – Bei Twitter ist es oft eine Kunst, große Zusammenhänge in wenigen Worten zu bündeln. Hertha BSC reichten am Samstagabend nach dem überzeugenden 2:1-Erfolg gegen Bayer 04 Leverkusen 140 Zeichen locker aus, um die Gefühle in der Hauptstadt in die Welt zu schicken: "Herrlich, herrlich, herrlich! Drei ganz herrliche Punkte!"

Auf leisen Sohlen haben sich die Berliner, in den letzten Wochen in der Spitzengruppe der Bundesliga festgesetzt. Seit dem sechsten Spieltag steht das Team von Trainer Pal Dardai permanent auf einem der ersten sechs Plätze (zur interaktiven Tabelle). Durch den Sieg gegen Leverkusen hat die Hertha nun schon 26 Punkte auf dem Konto – so viele waren es nach 15 Spieltagen zuletzt in der Saison 2008/09, als der Club am Ende der Spielzeit Vierter wurde.

Den vierten Tabellenplatz belegen die Berliner auch jetzt wieder, was vor allem daran liegt, dass die Hertha gegen die "kleineren" Mannschaften fast keine Punkte abgibt. Die fünf Niederlagen, die zu Buche stehen, gab es gegen den FC Bayern München, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, den VfL Wolfsburg und den FC Schalke 04 – genau die anderen fünf Topteams, mit denen die Berliner im oberen Drittel des Klassements stehen.

Keine Angst vor "dreckigen Siegen"

Gegen die schlechter platzierten Clubs ist die Bilanz derweil nahezu makellos. 26 von 30 möglichen Punkten (acht Siege und zwei Remis) holten die Hauptstädter aus zahn Partien. Damit sind sie gegen diese Mannschaften mit 2,6 Punkten pro Partie ähnlich erfolgreich wie Tabellenführer Bayern München (2,7 Punkte pro Partie). Vor den viel zitierten "dreckigen Siegen" scheuen die Berliner dabei nicht zurück: Fünf der acht Erfolge fuhr das Team mit einem Tor Differenz ein, bei der Hälfte der Siege gab es weniger Torschüsse ab als der Gegner.

Basis für diese Erfolge ist die geordnete Defensive. In den 30 Bundesliga-Spielen unter Pal Dardai, einst selbst ein zweikampfstarker Mittelfeldspieler, kassierte Berlin nur 32 Gegentore – ligaweit der zweitbeste Wert innerhalb dieses Zeitraums. Die Mannschaft hat allerdings längst bewiesen, dass sie mehr als eine funktionierende Abwehr im Repertoire hat. Bayer 04 Leverkusen bearbeiteten die Berliner mit frühem Pressing.

Erst gepresst, dann Geduld bewiesen

"Wir wollten nach vorne verteidigen und sehr aggressiv spielen, um den Gegner zu überraschen. Das hat gut geklappt", analysierte Dardai zufrieden die aufgegangene Taktik, aus der das frühe 1:0 von Vladimir Darida resultierte. Später bewies sein Team in Überzahl und nach dem Ausgleich dann Geduld, ließ den Ball gut durch die eigenen Reihen laufen und schlug schließlich nach einer Ecke eiskalt zu. John Anthony Brooks sorgte per Kopf für den ersten Sieg gegen Bayer 04 seit acht Spielen.

"Es war ein sehr schöner Tag", bilanzierte Dardai schlussendlich und entließ seine Spieler zu diversen Weihnachtsfeiern der Hertha-Fanclubs, denen Team und Verantwortliche einen Besuch abstatteten. Das schönste Geschenk hatten die Berliner Spieler ihren Fans da schon durch den Sieg und den Sprung auf Platz vier gemacht. Die Berliner Herrlichkeit kennt dieser Tage keine Grenzen.

Stefan Schinken

Impressionen: Hertha-Spieler besuchen ihre Fans