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Bayern-Trainer Hansi Flick: In eineinhalb Jahren zur Legende

Als Hansi Flick vor nicht einmal anderthalb Jahren - zunächst als Interimslösung - Trainer des FC Bayern München wurde, konnte niemand ahnen, dass sich der 56-Jährige binnen kurzer Zeit zu einem Trainer-Denkmal coachen würde. In der langen Erfolgsgeschichte des Rekordmeisters gibt es sogar nur einen Trainer, der bezogen auf die Siegquote noch erfolgreicher war.

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Es war im Sommer 1990, als Hansi Flick bei seinem ersten Abschied vom FC Bayern München ein für damalige Verhältnisse sicher großzügig bemessenes Präsent von Uli Hoeneß überreicht bekam: Ein überdimensionaler Gutschein, handschriftlich verfasst, berechtigte den damals 28-Jährigen nebst Gattin zu einem Flug von Köln nach München, inklusive Nachmittags-Training mit seinen Ex-Mannschaftskameraden und einem zünftigen Biergartenbesuch. Als Spieler der Bayern hatte Flick in den Achtzigern schließlich seinen Anteil an nicht weniger als vier deutschen Meisterschaften gehabt.

Ob Flick, der damals zum 1. FC Köln wechselte, jenen Gutschein auch wirklich eingelöst hat, ist nicht überliefert. Fest steht nur, dass er knapp 20 Jahre später das Training der Bayern selbst leiten sollte.

Am 3. November 2019 löste er als amtierender Co-Trainer den scheidenden Niko Kovac ab, zunächst als Interimslösung bis Weihnachten, so war es vereinbart.

Hansi Flick bekommt nach Ende seiner Spielerkarriere bei Bayern einen Gutschein überreicht - IMAGO / Fred Joch

Flick: "Ich bin begeistert von diesem Team"

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Bei den Ergebnissen, die Flick in der Zwischenzeit einfuhr, gab es aber keine Alternative: Sein Vertrag wurde zunächst bis Saisonende und im Frühjahr 2020 schließlich langfristig verlängert. Flick, der zuvor als Cheftrainer maximal in der Regionalliga gecoacht hatte (zwischen 2000 und 2005 bei der aufstrebenden TSG 1899 Hoffenheim), verstand auf Anhieb die Sprache der Spieler.

Routiniers wie Thomas Müller oder Jerome Boateng, die unter Kovac zwischenzeitlich aufs Abstellgleis geraten waren, machte Flick wieder zu zentralen Bestandteilen der Mannschaft. Beide kannte er noch bestens aus gemeinsamen Zeiten beim DFB, wo er als Co-Trainer von Joachim Löw 2014 mit vielen Bayern-Stars gemeinsam in Rio den WM-Pokal in den Nachthimmel strecken durfte.

Und dennoch gelang es Flick auch, aufstrebende Talente zu fördern: Jamal Musiala legte unter Flick zuletzt ein kometenhaften Aufstieg vom Bundesliga-Debütanten zum Nationalspieler hin. "Ich bin begeistert von dieser Mannschaft und diesem Team", schwärmte der Coach noch in diesen Tagen.

Aus dem Triple 2019/20 wurde am Ende das Sextuple - DFL/Getty Images/Matthias Hangst

Drei Tore pro Spiel - Flicks Fußball ist Spektakel

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Gleichwohl verstand es Flick aber auch, einen äußerst attraktiven Offensivfußball zu spielen: In seiner bisherigen Bundesliga-Bilanz kommt er auf fast drei Tore pro Spiel - die beste Quote aller Cheftrainer in der Bundesliga-Geschichte. Bei dieser Vielzahl an Treffern war es dann auch egal, dass Welttorhüter Manuel Neuer etwas öfter hinter sich greifen musste, als er es zuvor gewohnt war. Flicks Fußball stand und steht noch immer für Spektakel.

Es stimmten aber nicht nur die Ergebnisse, auch die Titel flogen dem FC Bayern plötzlich zu wie selten zuvor: Das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League gewann die Flick-Elf binnen weniger Wochen im Sommer 2020. Später folgten noch der DFL-Supercup und der UEFA-Supercup. Mit dem Gewinn der Klub-WM machte Flick schließlich als zweiter Trainer überhaupt, nach Pep Guardiola, das "Sextuple" perfekt.

Und kein Geringerer als Pep Guardiola ist es auch, mit dem sich Flick historisch auf Augenhöhe befindet: Mit einer Siegquote von 79 Prozent gibt es in der Geschichte der Bundesliga nur noch den Spanier, der als Chef-Trainer minimal erfolgreicher war (80 Prozent).

Doch nun neigt sich die Ära Flick dem Ende zu. Nach der Partie gegen den VfL Wolfsburg hatte Flick verkündet, seinen noch bis 2023 laufenden Vertrag im Sommer auflösen zu wollen. Bis dahin dürfte aber noch Titel Nummer sieben hinzukommen: Bei einem Vorsprung von aktuell zehn Punkten brauchen die Bayern "nur" noch einen Sieg am 31. Spieltag in Mainz. Es wäre das Sahnehäubchen auf eine relativ kurze, aber extrem erfolgreiche Zeit als Bayern-Trainer.

Karol Herrmann