Leverkusen – Der Siegeszug von Bayer 04 Leverkusen hält an. Die Werkself baute mit dem 2:0-Heimerfolg gegen Bayern München (Spielbericht) seine beeindruckende Serie auf nun zehn Spiele ohne Niederlage aus. Damit gehen die Rheinländer gut gerüstet ins Nachbarschaftsduell gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Samstag.

Nach dem der FC Bayern die beste Torchance des Spiels in Person von Mario Götze in der ersten Halbzeit vergeben hatte, schlug die Stunde von Hakan Calhanoglu. Freistoß für Bayer Leverkusen, Entfernung 25 Meter, nicht ganz zentral. Die optimale Ausgangssituation für den Kunstschützen.

Kein Mittel gegen Calhanoglus Freistöße

Manuel Neuer hatte seine Mauer nach rechts gestellt und sich dann in seiner linken Ecke postiert. Und obwohl inzwischen eigentlich die ganze Bundesliga weiß, dass der Türke seine verwandelten Freistöße immer in die gleiche Ecke schießt (aus Sicht des Schützen in die linke), findet sie kein Mittel dagegen. Selbst ein Manuel Neuer nicht. Hakan Calhanoglu also lief an, lupfte den Ball irgendwie durch und über die Mauer, der Torwart kam zu spät. 1:0 für Leverkusen.

"Ich wollte unbedingt auch gegen Manuel Neuer ein Freistoßtor machen. Das war mein Ziel", meinte Calhanoglu hinterher selbstbewusst. "Es freut mich umso mehr, dass ich gegen den besten Torwart auf der Welt getroffen habe." Das Tor war der Türöffner für Bayer 04, danach hatte sie das durchaus komplizierte Spiel gegen die nicht in Bestbesetzung angetretenen Münchener im Griff.

"Mich interessiert nicht, mit welcher Aufstellung der FC Bayern gespielt hat. Dadurch wurde das Spiel sogar noch schwieriger für uns, weil man normalerweise gegen die Bayern in einer Außenseiterrolle ist. Jetzt wurden wir in die Favoritenrolle gedrückt", sagte Bayer-Trainer Roger Schmidt nach der Partie. "Mit dieser Situation mental umzugehen, sich auf das Spiel zu fokussieren und so zu spielen, wie wir heute gespielt haben, ist eine bemerkenswerte Leistung."

Mit breiter Brust ins Duell um Platz 3

Damit reist Bayer Leverkusen nun mit breiter Brust zum möglicherweise vorentscheidenden Spiel um Platz 3 am nächsten Samstag nach Mönchengladbach. Acht Siege und zwei Unentschieden holte die Werkself aus den letzten zehn Partien, sieben Mal blieb sie dabei ohne Gegentor, 15 Mal hielt Bernd Leno in dieser Saison bereits seinen Kasten sauber, Vereinsrekord.

"Wir sind in guter Verfassung, aber die Gladbacher sind auch in einer Topverfassung. Die haben auch fast alles gewonnen. Das wird ein spannendes Spiel", freute sich Bayer-Kapitän Simon Rolfes auf das rheinische Derby. "Es ist in dieser Saison noch alles drin, vielleicht sogar noch der Kampf um Platz 2. Dafür müssen wir nächste Woche gewinnen."

Die Vorzeichen in Mönchengladbach stehen nicht schlecht, ist Leverkusen im Borussia-Park doch seit sagenhaften 22 Bundesliga-Spielen bei sechs Siegen und 16 Remis unbesiegt. 1989 gab es die letzte Niederlage dort, die halbe Leverkusener Mannschaft war damals noch nicht einmal geboren. So auch Julian Brandt, der gegen die Bayern seinen 19. Geburtstag feierte und nach überragender Vorarbeit von Karim Bellarabi das 2:0 markierte.

"Hatte ein bisschen Angst runterzufallen"

Danach musste der Youngster auf den Zaun, um sich von den Fans feiern zu lassen. "Das war aufregend. Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich runterfalle. Aber sonst war es echt super", strahlte Julian Brandt. "Das Tor gegen Hannover vor zwei Wochen war eine Befreiung." Seitdem läuft es beim Teenager, dem im dritten Spiel in Folge ein Tor gelang.

"Jetzt geht es in Mönchengladbach um die Wurst", so Brandt weiter. "Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen." Leverkusen hat es in der eigenen Hand, sich Platz 3 zu sichern und den Qualifikationsspielen zur Champions League aus dem Weg zu gehen. In Mönchengladbach werden die Weichen gestellt. Es wird ein weiteres Highlight in dieser großartigen Saison.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski