Wofsburg - Bas Dost ist beim VfL Wolfsburg der Mann der Stunde und scheint in der rückrunde förmlich zu explodieren. Neun Treffer in – wettbewerbsübergreifend – fünf Spielen sprechen eine deutliche Sprache.

Im großen Interview mit bundesliga.de spricht Dost darüber, wie er auch in schwierigen Zeiten den Glauben an sich selbst nie verloren hat, über den schwierigen Schritt aus der Eredivisie in die Bundesliga und über die bevorstehende Partie gegen Hertha BSC.

bundesliga.de: Bas Dost, ob in der Bundesliga oder in der Europa League - Sie treffen beinahe wie Sie wollen. Gegen Lissabon hätten Sie sogar noch einen dritten Treffer erzielen können; überwiegt die Freude über den Sieg und die beiden Tore, oder ärgert man sich sogar, weil es „nur“ zwei waren?

Bas Dost: Nein, überhaupt nicht. Ich hatte drei Chancen und habe zweimal getroffen. Natürlich wäre ein drittes Tor schön gewesen. Aber es kann nicht alles gelingen.

"Das ist auch ein wenig Entschädigung"

bundesliga.de: Aktuell erleben Sie die sportlich beste und damit wohl auch glücklichste Zeit, seit Sie in Deutschland sind; empfindet man das nach langwieriger Verletzung und Wochen auf der Tribüne als eine Art Erlösung?

Dost: Es ist auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl und auch ein wenig Entschädigung für die Zeiten, in denen es nicht lief. Ich hatte eine schwierige Phase, aber ich habe immer an mich und meine Fähigkeiten geglaubt. Das ist jetzt alles vergessen. Wichtig ist, dass ich mich gut fühle und der Mannschaft mit meinen Toren helfen kann.

bundesliga.de: War Ihnen immer klar, dass dieser Augenblick kommen würde, oder gab es Momente purer Verzweiflung?

Dost: Natürlich gab es Momente, in denen ich mich gefragt habe, warum passiert das so? Aber ich habe versucht, mich durch andere Dinge abzulenken, und immer darauf hingearbeitet, bereit zu sein, wenn meine Chance kommen wird. Deswegen ist es im Augenblick umso schöner.

bundesliga.de: Wären Sie heute immer noch in Wolfsburg, wenn der VfL Ivica Olic nicht an den HSV abgegeben hätte?

Dost: Ja, klar! Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich habe schon zum Ende der Hinrunde und auch in der Vorbereitung gemerkt, dass ich auf einem guten Weg bin, und war zuversichtlich, dass meine Zeit kommen wird.

"Ein Stürmer wird an Toren gemessen"

bundesliga.de: Ein Defensiv-Spieler kann sich nach einer Einwechslung in kürzester Zeit mit ein paar gelungenen Tacklings Selbstvertrauen holen, während einem Stürmer nur Tore helfen; spielt die Psyche bei einem Stürmer eine entscheidendere Rolle?

Dost: Natürlich bekommst Du mehr und mehr Selbstvertrauen, wenn Du Tore machst. Ein Stürmer wird nun mal in erster Linie an seinen Treffern gemessen.

bundesliga.de: Bas Dost und der VfL Wolfsburg – ist das jetzt endlich die große Liebe auf den zweiten oder gar dritten Blick?

Dost: Ich bin sehr glücklich hier beim VfL Wolfsburg, und ich bin sicher, dass noch mehr geht. Ich möchte noch viele Tore für den VfL schießen.

bundesliga.de: Mit Luuk de Jong und Ihnen wechselten 2012 die beiden besten Stürmer der Eredivisie in die Bundesliga. De Jong konnte sich nicht durchsetzen, Sie haben eine harte Zeit hinter sich; ist das Niveau hier trotz vieler Topspieler, die aus der Eredivisie hervorgegangen sind und hervorgehen, so viel höher?

Dost: Ja, auf jeden Fall. Das Niveau in der Bundesliga ist im Vergleich viel höher. Das fängt bei der Fitness an, und es gibt insgesamt bessere Spieler hier.

"Wir denken noch oft an Junior"

bundesliga.de: Haben Sie sich mit de Jong, der mittlerweile wieder in Holland spielt, ausgetauscht?

Dost: Nein, seitdem haben wir nicht gesprochen. Aber natürlich haben wir uns in der Vergangenheit über unsere Situation unterhalten.

bundesliga.de: Nicht nur für Sie persönlich, sondern für den VfL per se läuft es hervorragend, trotz der belastenden Situation durch den Tod von Junior Malanda; ist die Mannschaft zusammengerückt?

Dost: Das war eine schwere Zeit und wir denken auch jetzt noch oft an Junior. Ich glaube, dass wir das zusammen sehr gut gemacht haben.

bundesliga.de: Am Sonntag empfängt der VfL die Berliner Hertha, die in einer tiefen Krise steckt; ist – wie der Volksmund sagt - ein angeschlagener Gegner besonders gefährlich, oder lügt die Tabelle nicht, wenn man 17. ist?

Dost: Wir sollten einfach auf uns schauen und an die letzten Leistungen in der Bundesliga anknüpfen. Egal ob gegen den Tabellen-Ersten oder gegen den Tabellen-Letzten: In der Bundesliga muss man gegen jeden Gegner hochkonzentriert sein und immer hundert Prozent bringen.

bundesliga.de: Werden Sie sich vorher mit Ihren Landsleuten Roy Beerens und John Heitinga austauschen?

Dost: Vor dem Spiel nicht. Aber danach werden wir sicher reden. Schließlich habe ich mit Roy Beerens auch zusammengespielt. 

Das Interview führte Andreas Kötter