Köln – Wie sich der Fußball seit der Premierensaison der Bundesliga verändert hat, wird einem schlagartig bewusst, wenn man sich Fernsehbilder der damaligen Partien anschaut. Aber das Spiel ist nicht nur schneller, sondern auch viel internationaler geworden. Während 1963/64 lediglich fünf ausländische Profis bei den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga unter Vertrag standen, sind es in dieser Spielzeit in Bundesliga und 2. Bundesliga insgesamt 381 Profis aus dem Ausland.

Knapp zwölf Prozent dieser Spieler kommen aus Österreich. Die Alpenrepublik stellt mit 46 Akteuren die größte Fraktion in den 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga. Es folgen Frankreich (35), die Schweiz (29) sowie die Niederlande und Brasilien (jeweils 16). Nimmt man nur die Teams der Bundesliga, steht Frankreich mit 30 Profis ganz an der Spitze.

Diese Entwicklung war zunächst lange nicht abzusehen. In den Anfangsjahren der Bundesliga durften für jeden Club nur zwei ausländische Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen. 1993 wurde die Zahl dann auf drei erhöht. Die Trainer mussten deshalb bei jeder Auswechslung äußerst aufmerksam sein, denn es durften grundsätzlich mehr ausländische Spieler im Kader sein – nur eben nicht gleichzeitig auf dem Platz.

Der erste, der sich bei der Zahl seiner ausländischen Spieler verzählte, war 1977 ausgerechnet Trainerlegende Hennes Weisweiler. Der damalige Kölner Trainer nahm im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt Herbert Neumann vom Platz und brachte dafür mit dem Belgier Roger van Gool den dritten Spieler einer anderen Nation. Da die Kölner die Partie aber ohnehin mit 0:4 verloren, legte die Eintracht im Anschluss keinen Protest gegen die Spielwertung ein.

Zum ersten Mal Punkte kostete ein falscher Wechsel 1993 – und wieder war Frankfurt beteiligt. SGE-Coach Horst Heese schickte den Slowaken Marek Penska als vierten ausländischen Spieler aufs Feld. Heese bemerkte seinen Fehler kurze Zeit später und nahm Penska nach vier Minuten wieder vom Feld. Es nutzte aber nichts. Aus dem 5:2-Auswärtserfolg in Uerdingen wurde am grünen Tisch eine 0:2-Niederlage. Kleines Trostpflaster für die Eintracht: Anthony Yeboah wurde der Viererpack, den er in der Grotenburg erzielte, dennoch in der Torjägerliste gutgeschrieben. Am Ende wurde Frankfurt zwar nicht Meister, Yeboah aber mit 20 Toren Torschützenkönig.

Video: Bundesliga-Stars aus dem Ausland

Der entscheidende Einschnitt folgte dann im Dezember 1995. Der ehemalige belgische Mittelfeldspieler Jean-Marc Bosman setzte vor dem europäischen Gerichthof die freie Arbeitsplatzwahl für Fußballprofis innerhalb der EU durch. Als Konsequenz durften die Bundesliga-Clubs beliebig viele Spieler aus der Europäischen Union sowie den der UEFA angebundenen Verbänden einsetzen. Zur Saison 2006/07 fiel dann auch die Begrenzung für Fußballer außerhalb von Europa.

Gerade in der Offensive setzten Spieler aus der ganzen Welt in der Bundesliga Maßstäbe. 16 Akteure aus dem Ausland krönten sich in der Geschichte der Bundesliga zum Torschützenkönig. Der erste war in der Saison 1989/90 der Norweger Jörn Andersen in Diensten von Eintracht Frankfurt. In dieser Liste der illustren Angreifer um Yeboah, Elber, Lewandowski und Aubameyang fehlt mit Claudio Pizarro ausgerechnet der mit 191 Treffern bislang erfolgreichste ausländische Torjäger der Bundesliga-Geschichte. Allerdings könnte der 39-Jährige dieses Versäumnis in dieser Saison noch nachholen. Angesichts des Rückstandes auf Pierre-Emerick Aubameyang und Robert Lewandowski ist das für den treffsicheren Routinier aber keine leichte Aufgabe.