Leverkusen - Dass einer der Bender-Zwillinge am Ende der Saison die Meisterschale in die Höhe strecken wird, ist so gut wie sicher. Sven hat mit Tabellenführer Borussia Dortmund zwar weiter alle Trümpfe in der Hand, doch ausgerechnet Lars in Diensten von Bayer Leverkusen hat dem Titelrennen wieder ein wenig Spannung eingehaucht.

Mit seinem Siegtreffer gegen den FC St. Pauli hat der einige Minuten ältere der beiden Brüder dafür gesorgt, dass Dortmunds Vorsprung vor Verfolger Leverkusen auf fünf Punkte geschmolzen ist.

Spieler stapeln offiziell tief

Obwohl der Abstand auf den Dritten Hannover mit acht Punkten inzwischen größer ist als auf Platz 1, üben sich zumindest die Spieler der "Werkself" weiterhin in vornehmer Zurückhaltung.

"Es war enorm wichtig das Spiel heute nach einem Rückstand noch zu gewinnen", sagt Lars Bender, der neun Minuten nach seiner Einwechslung für den Siegtreffer sorgte. "Wir wollen aber erst einmal Platz 2 sichern - und was dann noch nach oben geht, werden wir sehen", so der 21-Jährige, der auch in der heißen Phase der Saison in ständigem Kontakt mit seinem Bruder steht.

Richtungsweisendes Spiel in München

Leverkusen ist seit dem 21. Spieltag ungeschlagen und konnte durch zuletzt fünf Siege in Folge den Rückstand auf den BVB von zwölf auf fünf Punkte verringern.

Ob Bayer tatsächlich noch einmal ernsthaft ins Titelrennen eingreifen kann, dürfte sich im nächsten Spiel entscheiden, wenn die Mannschaft beim FC Bayern, dem künftigen Arbeitgeber von Trainer Jupp Heynckes, antreten muss. "Wenn wir in München gewinnen, können wir noch einmal darüber reden", sagte Stürmer Stefan Kießling, der mit seinem sechsten Saisontor für den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich gegen St. Pauli gesorgt hatte. Trotz der kuriosen Trainerkonstellation sei es für seine Mannschaft kein besonderes Spiel.

Heynckes: "Ich brenne nur für Bayer 04"

Auch Jupp Heynckes beschäftigt sich offiziell noch nicht mit seinem künftigen Verein. "Ich brenne weiterhin nur für Bayer 04 und ich weiß, dass meine Mannschaft hungrig auf Erfolg ist. Es ist nie einfach dort, denn die Bayern haben 18 Superspieler. Aber wir haben eine Supermoral", so der 65-Jährige, der offenbar insgeheim die Titelhoffnung noch nicht aufgegeben hat: "Alles ist möglich. Meiner Mannschaft ist alles zuzutrauen. Wir müssen jedoch alle fünf Spiele gewinnen, wenn noch etwas passieren soll."

Bayer reist als bestes Rückrundenteam (28 Punkte) und mit fünf Siegen in Folge selbstbewusst zu den angeschlagenen Bayern, die nach der Trennung von Trainer Louis van Gaal alles daran setzen müssen, um ihre Saison zumindest mit dem 3. Platz noch halbwegs zu retten. "Wir fahren nach München, um dort zu gewinnen", so Heynckes. Sollte dies gelingen, droht seinem künftigen Verein kommende Saison nur die Europa League.

Viel Qualität von der Bank

Besonders bemerkenswert am aktuellen Lauf von Bayer Leverkusen ist die Tatsache, dass die "Werkself" derzeit - im Gegensatz zu früheren Jahren - in der Endphase der Saison kaum Schwächen offenbart. "Uns zeichnet in dieser Spielzeit aus, dass wir nicht nur elf, sondern 16 bis 18 Stammspieler haben", so Heynckes, der gegen St. Pauli in Bender, Eren Derdiyok und Gonzalo Castro praktisch den Sieg eingewechselt hat. "Es ist wichtig, dass bei uns auch die Spieler, die von der Bank kommen, Spiele entscheiden können", sagt Derdyok, der mit seinem Team nun doch noch einmal ernsthaft auf Dortmund-Jagd gehen will.

Leverkusens Bender-Zwilling Lars dürfte es nur recht sein. "Wenn am Ende mehr als Platz 2 herausspringt, werden wir uns nicht dagegen wehren."

Aus Leverkusen berichtet Markus Hoffmann