München - Acht Jahre schnürte der ehemalige Abwehrspieler Abelardo für den FC Barcelona die Fußballschuhe - sieben davon gemeinsam mit einem genialen Mittelfeldstrategen namens Pep Guardiola.

Im Interview mit bundesliga.de - Teil 5 des großen Guardiola-Spezial - erinnert sich der 43-Jährige aber nicht nur an die ersten gemeinsamen Tage im Trainingslager, sondern spricht auch über den späteren Meistercoach und Titelsammler sowie den Menschen dahinter.

bundesliga.de: Vorab: Soll ich Sie Herr Fernandez oder Abelardo nennen? Ihren Nachnahmen kennen ja viele kaum...

Abelardo Fernandez: Ich bitte Sie! Nennen Sie mich so, wie jeder mich kennt: Abelardo. Ich habe ja zum Glück einen recht seltenen Vornamen der aus Asturien stammt, deswegen erinnern sich zum Glück noch einige, wenn sie meinen Namen hören. Es gibt nicht viele Fußballer mit diesem Vornamen!

bundesliga.de: Sie sind seit über 20 Jahren mit Pep Guardiola eng befreundet. Wann sind Sie sich zum ersten Mal im Leben begegnet?

Abelardo: Das kann ich Ihnen genau sagen. Das war 1991 im Trainingslager der U21. Ich spielte damals noch bei Sporting Gijon, er beim FC Barcelona. Von Beginn an stimmte die Chemie zwischen uns, wir haben uns sehr gut verstanden. Als ich dann selber 1994 nach Barcelona gewechselt bin, hat sich die Freundschaft dann vertieft. Wir waren ja praktisch jeden Tag zusammen.

bundesliga.de: Sie waren ja sogar Nachbarn.

Abelardo: Sehr weit haben wir aber nicht voneinander gelebt, etwa 300 bis 400 Meter entfernt. Ich lebte im Stadtteil Sarria, wo das alte Stadion von Espanyol Barcelona beheimatet war. Er lebte an der Grenze zum Vorort Pedralbes, insgesamt aber nicht weit weg vom Nou Camp .

bundesliga.de: Mittlerweile sind Sie Trainer der B-Mannschaft von Sporting Gijon. Wann haben Sie Guardiola zum letzten Mal gesehen?

Abelardo: Das ist leider schon etwas länger her. Das war im März letzten Jahres. Da war ich Co-Trainer unter Javier Clemente bei Gijon. Wir spielten im Nou Camp, verloren auch mit 1:3, aber es war trotzdem ein schönes Wiedersehen mit Pep.

bundesliga.de: Zwei Monate später folgte dann der Rückzug Guardiolas bei Barcelona. Wussten Sie davon?

Abelardo: Das hat - glaube ich - nur er selbst gewusst . Er war schon immer sehr ambitioniert. Er hat ja auch als Spieler später noch woanders gespielt. Dass er auch als Coach mal was anderes machen wollte, ist ja nichts Besonderes im Trainergeschäft, auch wenn Du die meiste Zeit vielleicht einem Club sehr eng verbunden bist.

bundesliga.de: Jetzt hält er sich seit fast einem Jahr in New York auf. Haben Sie seitdem Kontakt zu ihm?

Abelardo: Ja, aber leider nicht persönlich. Wir halten Kontakt über SMS. Wenn er zurück in Europa ist, hoffe ich, dass wir uns wiedersehen. Ich kenne ja die Allianz Arena überhaupt noch nicht. Ich habe ja noch im alten Olympiastadion gespielt, da kann ich mich sehr gut erinnern. Aber er wird in den ersten Wochen und Monaten sicherlich sehr viel um die Ohren haben.

bundesliga.de: Sie haben jahrelang in der Abwehr gespielt, Guardiola als Sechser vor Ihnen. War er damals wirklich - wie viele sagen - der etwas andere Fußballer?

Abelardo: Er hatte Führungsqualitäten, er war ja auch der Kapitän der Mannschaft . Er hat sich auch außerhalb des Platzes immer sehr gerne und sehr lange über Fußball unterhalten. Aber ganz ehrlich: Ich habe ihn damals noch nicht als Trainer gesehen. Ich glaube, da macht man sich auch keine großen Gedanken darüber. Aber schauen Sie, heute bin ich selber Trainer geworden, das hätte ich damals auch nicht gedacht.

bundesliga.de: Was schätzen Sie an Pep Guardiola am meisten?

Abelardo: Er ist ein ganz normaler, einfacher Typ der auch sehr gesellig sein kann. Wir haben uns immer wieder getroffen, sind gemeinsam ins Restaurant oder abends weggegangen. Er ist sehr familiär, verheiratet und hat drei Kinder. Er ist ein hochintelligenter Typ, der immer versucht, das Maximum rauszuholen.

bundesliga.de: So wie Sie Pep kennen - was glauben Sie, kann er beim FC Bayern bewirken?

Abelardo: Ich denke, er wird sich erstmal ein persönliches Bild vom Kader verschaffen und alle Spieler genau analysieren. Er weiß natürlich auch, dass es schwer wird, diese Wahnsinnssaison von Jupp Heynckes zu toppen. Er weiß aber auch, dass er, wie damals in Barcelona, über einen Riesenkader und tolle Bedingungen verfügt, um die anvisierten Ziele in Angriff zu nehmen. Hätte er irgendwelche Zweifel gehabt, hätte er die neue Aufgabe mit Sicherheit nicht angenommen.

bundesliga.de: Warum denken Sie, hat er sich für Bayern entschieden? Es wurde ja unter anderem auch der Name Manchester City kolpotiert...

Abelardo: Es gibt viele Parallelen zwischen Barcelona und Bayern. Beide sind historische Vereine mit einer großen Geschichte, er weiß dass es einen guten Nachwuchs gibt. Wenn ich mich recht erinnere, kommen ja Spieler wie Philipp Lahm, Holger Badstuber, Thomas Müller oder Bastian Schweinsteiger aus dem B-Team. Das gefällt ihm. Außerdem ist München eine schöne Stadt, in der es nach Fußball riecht. Als das Interesse von Bayern da war, glaube ich nicht, dass er sich groß mit anderen Sachen beschäftigt hat.

bundesliga.de: Das erste Jahr von Guardiola bei Barca war revolutionär. Als erste Amtshandlung wurden "heilige Kühe" wie Samuel Eto'o, Deco oder Ronaldinho "geschlachtet". Könnten Sie sich vorstellen, dass er bei Bayern vielleicht ebenfalls dem einen oder anderen bekannten Spieler mitteilt, dass er nicht mehr mit ihm plant?

Abelardo: Das weiß ich nicht. Er wird sich den Kader ansschauen und dann Entscheidungen treffen. Zu- und Abgänge gehören zum Geschäft. Das wird bei Bayern auch nicht viel anders sein als bei jedem anderen Verein. Trotzdem: Für mich ist es ein Riesenkader, nicht umsonst sind sie Champions-League-Sieger.

bundesliga.de: Guardiola ist der erste spanische Trainer in der Bundesliga. Würde es Sie auch mal reizen, in Deutschland zu arbeiten?

Abelardo: Warum nicht? Auf jeden Fall. Ich habe ja noch Vertrag bei Gijon, aber im Leben verändert sich alles so schnell, das wäre schön wenn man irgendwann mal eine solche Erfahrung erleben könnte. Die Bundesliga ist sehr attraktiv, hat ihr Image in den letzten Jahren unglaublich verbessert. Wenn ich die vollen Stadien sehe, kriege ich Gänsehaut, aber auch fußballerisch hat die Bundesliga enorm zugelegt. Und dieses Gesamtpaket hat Pep sicherlich auch überzeugt

Das Gespräch führte Miguel Gutierrez

Abelardo Fernandez Antuna, kurz Abelardo, begann seine Karriere bei seinem Heimatverein Sporting Gijon. Von 1994 bis 2002 spielte er beim FC Barcelona an der Seite von Pep Guardiola, mit dem er 1992 die olympische Goldmedaille gewann und dreimal spanischer Meister wurde. Der Innenverteidiger lief 178 Mal für die Katalanen in der Primera Division auf (elf Treffer), sowie 54 Mal für die spanische Nationalelf (drei Tore). Heute ist der 43-Jährige Trainer der zweiten Mannschaft bei Gijon.


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