Sie haben sich in Hoffenheim mittlerweile daran gewöhnt, als kleines gallisches Dorf bezeichnet zu werden, das sich gegen die Übermächtigen Mannschaften der Bundesliga behauptet.

Tapfer hauten die Gallier jeden Legionär aus den Sandalen, hielten ganze Bataillone in Schach und ließen das ganze römische Imperium rätseln, was das Geheimnis der Gallier ist. Irgendwann eroberten Asterix, Obelix und Co. dann schließlich Rom. Ein grandioser Triumph.

Aufsteiger - Herbstmeister - Platz 7 - Mittelmaß

Kein schlechter Vergleich also, doch Hoffenheims Erfolgsgeschichte war kein Zeichentrickfilm, sondern Realität, in der bekanntlich nicht alles positiv endet. Das mussten die Aufsteiger von Trainer Ralf Rangnick erkennen, als sie sich am Ende der abgelaufenen Saison auf Platz 7 der Tabelle wiederfanden. Für einen Bundesliga-Neuling immer noch eine beachtliche Leistung, jedenfalls wenn man die Hinrunde ignoriert, die Hoffenheim als Herbstmeister abschloss.

Der Start in die neue Saison gelang auch nicht wirklich. Ein Punkt aus zwei Spielen, nur ein Tor und Tabellenplatz 14 nach dem 2. Spieltag. Mit Bayern München und Bayer Leverkusen waren die Gegner sicherlich nicht die leichtesten.

Als der Spielplan herauskam, sagte Rangnick: "Der Auftakt könne kaum schwerer sein." Der Trainer behielt recht. Am Freitag kommt mit Tabellenführer FC Schalke 04 gleich der nächste dicke Brocken in die Rhein-Neckar-Arena.

Chancenverwertung fiel enorm ab

Die Gründe für die (vergleichsweise) enttäuschende Rückrunde 2008/09 waren schnell gefunden: Torjäger Vedad Ibisevic zog sich in der Winterpause ein Kreuzbandriss zu, der ihn die komplette Rückrunde verpassen ließ. Mit 18 Toren in 17 Spielen sowie sechs Assists war der Bosnier der Aktivposten schlechthin. Generell glänzte die Hoffenheimer Offensive mit Demba Ba, Chinedu Obasi, Carlos Eduardo und Sejad Salihovic durch Torgefahr.

Doch der Ausfall von Ibisevic machte sich in der Rückrunde bemerkbar: Waren es in der Hinserie noch beeindruckende 42 Tore, trafen die Kraichgauer danach nur noch 21 Mal ins gegnerische Gehäuse. Die Chancenverwertung fiel von 18,7 auf 10,7 Prozent. Nach elf Siegen in der Hinrunde waren es in der Rückrunde nur noch deren vier. Chinedu Obasi zum Beispiel erzielte in der Rückserie kein einziges Tor.

Kein gelunger Saisonstart

Es schien, als hätten die Gegner das Rezept der Hoffenheimer entdeckt und sich darauf eingestellt. Das junge Überraschungsteam rannte von nun an gegen sehr defensiv eingestellte Mannschaften an und fand zu selten die entscheidende Lücke. Und es wurde deutlich, wie sehr Hoffenheim von Ibisevic und seinen Toren abhängig war. Der Zaubertrank hatte an Wirkung verloren.

Fest steht: Vedad Ibisevic ist nach überstandener Verletzung wieder da, allerdings noch nicht in Topform. Sturmkollege Demba Ba hat den Großteil der Vorbereitung verpasst, fehlte gegen die Bayern und wurde gegen Bayer nur eingewechselt.

Die Mannschaft der Vorsaison konnte größtenteils gehalten werden, mit Maicosuel wurde eine zusätzliche Offensivkraft geholt. Josip Simunic von Hertha BSC soll außerdem mit seiner Erfahrung die Abwehr organisieren.

Angriff bisher wenig gefährlich

Im Heimspiel gegen den FCB zeigten die Kraichgauer eine gute Leistung, die nach Vorarbeit von Ibisevic durch das Tor von Obasi belohnt wurde. Im Auswärtsspiel in Leverkusen zeigte sich die Offensive von Hoffenheim jedoch wenig gefährlich.

Rangnick resümierte nach dem Spiel: "Wir haben nichts von dem gezeigt, was wir können. Wir halten auch körperlich nicht dagegen. Wir kommen nicht einmal in die Nähe des Gegenspielers."

Außenverteidiger Andreas Beck hat nach mehreren U-21-Spielen noch einen Rückstand, auch Andreas Ibertsberger ist nach einer Verletzung aus dem Vorjahr noch nicht in Bestform.

"Das reicht so nicht"

Über den Sturm sagt Rangnick: "Bei Maicosuel wird es noch eine Weile dauern. Aber von Obasi muss mehr kommen. Er hat in 90 Minuten nicht ein Mal aufs Tor geschossen. Das reicht so nicht."

Das kleine tapfere Fußball-Dorf braucht keinen geheimnisvollen Zaubertrank, sondern einfach nur etwas Zeit, bis alle Leistungsträger wieder ihre Form erreichen. bundesliga.de präsentiert die Daten zum Hoffenheimer Saisonstart im Überblick:

  • Hoffenheims Saisonauftakt war eher schleppend: Ein Punkt und ein Tor aus zwei Spielen.

  • Neun ungeblockte Torschüsse gaben die Hoffenheimer an den ersten zwei Spieltagen ab und damit die wenigsten in der Liga. Nur drei davon kamen aufs Tor (Schussgenauigkeit 33,3 Prozent).

  • Die Chancenverwertung beläuft sich nach zwei Spielen auf 11,1 Prozent (Ein Tor bei neun ungeblockten Schüssen).

  • 24 versuchte Dribblings - nur drei Clubs haben weniger - wovon immerhin 13 erfolgreich waren.


Barnabas Szöcs