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Leverkusen - Der FC Bayern München steht zum sechsten Mal in Folge im Halbfinale des DFB-Pokals. In einem hochdramatischen, packenden Spiel setzte sich der Rekordpokalgewinner nach torlosen 120 Minuten im Elfmeterschießen mit 5:3 gegen Gastgeber Bayer 04 Leverkusen durch. Nach dem Krimi vom Punkt spricht Bayern-Kapitän Philipp Lahm über die Stimmung innerhalb der Mannschaft und blickt schon voraus auf das Halbfinale gegen Borussia Dortmund.

Frage: Philipp Lahm, Glückwunsch zum Erreichen des Pokal-Halbfinales. Der FC Bayern empfängt dort Borussia Dortmund. Wie bewerten Sie das Los?

Philipp Lahm: Das Schönste an der Auslosung ist, dass wir ein Heimspiel haben. Dann kann man zuhause bleiben und in der Allianz-Arena spielen.

Frage: Was für ein Spiel dürfen wir erwarten?

Lahm: Das werden wir sehen. Es liegen noch gefühlte sechs, sieben Spiele dazwischen. Wir haben am Wochenende gesehen, dass wir auch in Dortmund bestehen können. Wir werden sicher in ein paar Wochen besser spielen müssen als am letzten Wochenende.

"Wir hatten fünf sehr gute Schützen"

Frage: Ist das Spiel gegen Dortmund so etwas wie das vorweg genommene Finale?

Lahm: Nein, da würde man auch dem VfL Wolfsburg als Tabellenzweiten in der Bundesliga nicht gerecht werden. Man muss es eh nehmen, wie es kommt. Wir wollen das Spiel natürlich wie jedes Spiel gewinnen. Meistens sind wir auch der Favorit.

Frage: War der FC Bayern am Ende eines hart umkämpften Pokalspiels in Leverkusen der glückliche Gewinner oder hat sich die Mannschaft das Glück auch erarbeitet?

Lahm: Ein Elfmeterschießen ist immer auch eine Glückssache. Wir hatten fünf sehr gute Schützen. Manuel Neuer hat einen Schuss gehalten. Dann ist man eine Runde weiter.

"Man sieht, die Mannschaft will"

Frage: Gibt dann so ein Erfolg gegen eine gute Leverkusener Mannschaft der Truppe noch einmal einen zusätzlichen Kick?

Lahm: Das hat man schon am Wochenende gesehen, wie sich die Mannschaft gefreut hat. Es ist immer etwas Besonderes, in Dortmund zu gewinnen, erst recht in der Konstellation, wie sie jetzt war. Man sieht, die Mannschaft will. Es gibt Gründe dafür, dass fußballerisch nicht alles so funktioniert. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir zusammenhalten und auch mal ein Spiel im Elfmeterschießen gewinnen.

Frage:Thiago hat nach einem Jahr Verletzungspause gegen Dortmund sein Comeback gefeiert und nun den letzten Elfmeter verwandelt. Das ist eine schöne Geschichte. Wer hat die Reihenfolge der Schützen bestimmt?

Lahm: Erst einmal entscheidet jeder Spieler, ob er schießt oder nicht. Wer die Reihenfolge festlegt, weiß ich gar nicht.

Frage: Sie haben sich vor dem Elfmeterschießen mit dem Trainer unterhalten. Haben Sie sich da noch einmal ausgetauscht und Tips gegeben?

Lahm: Nein. Der Trainer weiß ganz genau, was er machen muss.

Frage: Es sah so aus, als habe Pep Guardiola das Elfmeterschießen ganz tiefenentspannt verfolgt. Täuschte der Eindruck?

Lahm: (lacht) Da sollten Sie mal den Puls des Trainers messen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er tiefenentspannt war. Wir standen auch ganz relaxed da. Und unsere Schützen sind ganz relaxed zum Elfmeterpunkt gegangen und haben den Ball einfach reingehauen. Im Ernst: Man muss erst einmal fünf Schützen finden. Ich bin aber mit einem sehr guten Gefühl ins Elfmeterschießen gegangen, weil wir einen überragenden Torhüter haben. Aber auch von unseren fünf Schützen wusste ich, dass sie sehr gut schießen können. Glück gehört trotzdem auch immer dazu.

"Wichtig, dass die Mannschaft zusammenrückt"

Frage: Wie hoch war denn Ihr Puls beim Elfmeterschießen?

Lahm: Angespannt ist man immer, man will ja eine Runde weiterkommen. Der Pokal ist etwas Besonderes. Ich habe zum Glück schon einige Male erleben dürfen, in Berlin beim Pokalfinale auflaufen zu dürfen. Da wollen wir wieder hin.

Frage: Was nehmen Sie mit aus dem Pokalspiel?

Lahm: Es war schön, dass die Mannschaft so zusammengehalten hat. Das braucht man in den entscheidenden Wochen. Wir müssen uns als Mannschaft gegenseitig unterstützen und uns helfen auf dem Platz und auch außerhalb. Das tut die Mannschaft, das hat sie immer getan. Jetzt es ist umso wichtiger, weil wir viele Leistungsträger haben, die in den wichtigen Spielen ausfallen. Dann ist es wichtig, dass die Mannschaft zusammenrückt, egal wer spielt und wer reinkommt. Jeder muss seine Leistung abrufen.

Frage: Auch in Leverkusen musste mit Medhi Benatia wieder ein Spieler verletzungsbedingt raus. Wie viele Ausfälle kann der Kader des FC Bayern noch kompensieren?

Lahm: Die Frage ist, wie lange so etwas gut geht. Viele Spieler haben schon viele Minuten hinter sich, einige wie Thiago, Holger Badstuber oder ich kommen gerade nach Verletzungen wieder. Man sieht wie gesagt, dass die Mannschaft zusammenhält und kein Problem im Kopf hat. Alle wollen arbeiten und für die Mannschaft alles geben. Wir müssen weiter arbeiten und unsere Spiele gewinnen. Und das werden wir auch tun.

Frage: Wie stecken Sie selbst die ersten Spiele nach Ihrer langen Verletzungspause weg?

Lahm: Ich fühle mich absolut in Ordnung. Ich habe keine Probleme.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski