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Dortmund - Nach über einem Jahr kehrt Thiago Alcantara im Spiel des FC Bayern bei Borussia Dortmund (Spielbericht) auf den Platz zurück. Als er vom Platz kam, hatte der Spanier Tränen in den Augen. In der Kabine wurde er von der gesamten Mannschaft mit "Thiago, Thiago"-Rufen gefeiert. Als er wieder Worte fand, sprach er über sein Comeback und die schwere Zeit davor.

Frage: Thiago, wie fühlen Sie sich im Moment?

Thiago: Es gibt eine Menge Sachen, die ich grade sagen möchte. Nicht nur über das, was auf dem Feld passiert ist. Ich muss vor allem meinem Team danken. Sie waren immer für mich da in diesem Jahr. Bastian Schweinsteiger hat mich oft angerufen und mir geholfen. Es war ein sehr emotionaler Moment, heute. Wir sind beide wieder zurückgekommen und ich hatte ein sehr hartes Jahr, aber jetzt sind wir beide wieder fit.

"Fußball ist mehr als ein Spiel, es ist mein Leben"

Frage: Sie hatten Tränen in den Augen, als sie den Platz verlassen haben.

Thiago: Klar, das ist unser Leben, der Fußball. Für viele Leute ist es nur ein Spiel. Aber sie können an den Fans sehen, wie viel es bedeuten kann und wie emotional sie sind. Für sie und für uns ist Fußball mehr als ein Spiel, es ist wirklich unser Leben.

Frage: Wie war es, als Sie in die Umkleidekabine kamen und die Teamkameraden ihren Namen gerufen haben?

Thiago: Das war ein großer Augenblick für mich. Sie haben mir das ganze Jahr alle Unterstützung zukommen lassen. Ich muss mich bei ihnen, aber auch beim ganzen Club, dem Trainerteam und allen Helfern bedanken.

Frage: Wie weit sind Sie jetzt schon? Fit genug für 30 Minuten? Oder eine Halbzeit?

Thiago: Das ist mir eigentlich egal, wie lange ich spiele. Ob das eine Minute, fünf oder 120 sind. Ich möchte einfach nur der Mannschaft helfen. Egal, wie lange.

Frage: Aber sind Sie schon fit für mehr?

Thiago: Nein, ganz bestimmt nicht. Nach 10 Minuten war ich schon ein bisschen müde (lacht). Aber das Spiel heute hat mich schon weitergebracht und ich hoffe, dass ich jetzt von Spiel zu Spiel immer etwas mehr spielen kann.

"Ich musste Monate zählen"

Frage: Genießen Sie das Fußballspielen jetzt noch mehr als vor den Verletzungen?

Thiago: Das hat sich nicht verändert. Wenn man auf dem Platz steht, genießt man das immer. Man ist jedes Mal voll konzentriert. Aber der Wert der Minuten auf dem Feld ist nach einem so schwierigen Jahr natürlich schon ein wenig gestiegen. Es ist schon ein ganz besonderer Moment.

Frage: Haben Sie die Tage bis zu ihrem Comeback gezählt?

Thiago: Es war sehr schwierig für mich, denn ich konnte keine Tage zählen, ich musste Monaten zählen. Klar arbeitet man trotzdem von Tag zu Tag. Aber für mich war jeder Tag wie ein Finale. Ich habe täglich darum gekämpft zurückzukehren und jetzt genieße ich erstmal, dass ich für einen Moment nicht mehr kämpfen muss.

Frage: Ihr letztes Spiel war vor über einem Jahr. Erinnern Sie sich noch daran?

Thiago: Klar. Es war ein Heimspiel gegen Hoffenheim. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben, aber heute bestimmt die Freude alles.

Frage: Welche Ziele haben Sie diese Saison noch? Erstmal selbst fit werden? Oder Titel gewinnen?

Thiago: Die Ziele sind immer dieselben. Wenn ich spielen kann, will ich der Mannschaft helfen Titel zu gewinnen. So lange ich auf dem Platz alles tun kann, geht es nur darum Spiele zu gewinnen, Titel zu holen und die Zeit mit meinem Mannschaftskameraden zu genießen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte