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Hoffenheim - Kevin Volland sagt, er freue sich riesig auf die U21-Europameisterschaft im Sommer in Tschechien, bei der Deutschland in der Vorrunde auf die Teams des Gastgebers, Serbien und Dänemark trifft.

An diesem Freitag in Paderborn gegen Italien und am kommenden Montag in Middlesbrough gegen England stehen die beiden letzten Tests für die Auswahl von U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch vor der heißen Vorbereitungsphase zur Europameisterschaft im Mai an. Kevin Volland hat zwar schon drei A-Länderspiele absolviert, aber als Kapitän spielt der Stürmer der TSG Hoffenheim gerne in der U21. Volland erklärt im Gespräch mit bundesliga.de sein Verhältnis zu U21-Trainer Hrubesch, was er bei der A-Mannschaft dazugelernt hat und welche Ziele er mit der TSG 1899 Hoffenheim erreichen will.

bundesliga.de: Herr Volland, Sie haben bereits drei Mal in der A-Nationalmannschaft gespielt. Bedeutet die Nominierung für die U21-Testspiele für Sie eine Zurückstufung?

Kevin Volland: Nein, auf keinen Fall. Natürlich ist die A-Nationalmannschaft immer ein Ziel und es ist immer etwas extrem Besonderes, dort dabei zu sein. Aber ich bin vor der Saison als Kapitän der U21 mit Trainer Horst Hrubesch in die Qualifikation gestartet, wir haben diese erfolgreich bestritten und nun stehe ich vor meiner letzten U21-EM. Und da ist es natürlich wichtig, dass alle Spieler in dieser Phase noch einmal zusammen sind.

"Sind die Mannschaft mit der höchsten Qualität"

bundesliga.de: Diese EM ist ein großes Ziel von Ihnen...

Volland: Ja, klar, auf dieses Turnier im Sommer in Tschechien freue ich mich riesig. Es ist auch ein guter Abschluss meiner Zeit in den Junioren-Auswahlmannschaften des DFB.

bundesliga.de: Deutschland geht nicht als Außenseiter in dieses Turnier, oder?

Volland:(lacht) Wir haben natürlich eine große Auswahl von sehr guten Spielern. Deutschland wird ja grundsätzlich als Favorit gehandelt. Es sollte auch unser Anspruch sein, ins Finale zu kommen. Mit Spanien und einigen anderen haben sich ein paar große Fußball-Nationen nicht für die Endrunde qualifiziert. Aber das ist vielleicht auch ein bisschen das Gefährliche. Ich denke, gerade im U21-Bereich haben viele Länder gute Spieler, da ist kein Spiel ein Selbstläufer. Serbien und Dänemark sind auch gute Mannschaften, vor denen wir Respekt haben müssen. Nichtsdestotrotz sind wir dennoch die Mannschaft mit der höchsten Qualität.

bundesliga.de: Wo liegen denn die Stärken der aktuellen U21-Mannschaft?

Volland: Wir haben durchgehend starke Qualität auf jeder Position und eine hervorragend besetzte Bank. Und wir sind eine Mannschaft mit einem gewachsenen Teamgeist. Es ist ja nicht so einfach, wenn man sich nur alle paar Monate sieht, ein Team zu werden. Aber das ist uns im Laufe der Qualifikation gelungen. Wir sind viel enger zusammengerückt. Mir persönlich macht es unheimlich viel Spaß in dieser Mannschaft zu spielen, weil man super Pässe bekommt als Stürmer, wir haben eine hohe Qualität im Offensivbereich.

bundesliga.de: Hat Horst Hrubesch Sie eigentlich als Kapitän bestimmt?

Volland: Nein, das wurde in einer Wahl entschieden, jeder Spieler hat einen Zettel abgegeben. Nach der Auszählung war ich dann Kapitän.

"Übernehme gerne Verantwortung"

bundesliga.de: Wie war das dann? Hatten Sie auch ein bisschen Bammel vor der Aufgabe?

Volland: Nein, es war vor allem ein schönes Gefühl. Ich bin einer der gerne Verantwortung übernimmt, vor allem auf dem Platz. In der Kabine bin ich eher ein Spaßvogel, aber auf dem Platz gebe ich alles für die Mannschaft. Kapitän zu sein, ist eine neue Herausforderung für mich, die mich weiter prägen wird, was den Umgang mit der Mannschaft oder dem Trainer angeht.

bundesliga.de: Stehen Sie auch in den Pausen zwischen den Spielen mit Horst Hrubesch in Kontakt?

Volland: Ja, wir haben gerade vor zehn Tagen telefoniert und uns ausgetauscht und zum Beispiel auch über Verletzungen von Spielern gesprochen, zum Beispiel die von Jonas Hofmann vom 1. FSV Mainz 05.

bundesliga.de: Sie sind A-Nationalspieler, empfinden Sie es als Druck, diesen neuen Status in jedem Spiel beweisen zu müssen?

Volland: Das ist eher Motivation, nicht Druck für mich. Ich will nach jedem Spiel sagen können: Ich habe alles gegeben, eine gute Leistung gebracht und wir haben das Spiel gewonnen. Aber ich will in meiner Rolle auch in schwierigen Phasen Verantwortung übernehmen. Wenn ein Spiel so dahinplätschert, will ich schon durch eine gute Aktion neue Impulse setzen, damit man merkt, wir sind noch am Leben.

bundesliga.de: Was haben Sie in der Zeit mit der A-Nationalmannschaft gelernt, was Sie so bisher noch nicht in Ihrem Spiel gesehen haben?

Volland: Das Niveau ist einfach brutal hoch, dort spielen die derzeit besten Spieler der Welt. Es ist normal, dass man da ein bisschen Zeit braucht. Man merkt einfach, es geht noch einen Tick schneller zu. Das Direktspiel auf ganz engem Raum, ist noch mehr gefragt. In engen Räumen noch bessere Lösungen zu finden, ist eine Sache, an der ich noch arbeiten muss.

"Wir haben noch Steigerungspotenzial"

bundesliga.de: Bei Ihnen war zuletzt eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber der Vorrunde in den Bundesligaspielen mit der TSG Hoffenheim zu beobachten. Gibt es dafür bestimmte Gründe?

Volland: Ich habe seit längerer Zeit endlich mal wieder keine Verletzungen, die ich mitschleppen muss, so wie letzten Sommer meine Rückenbeschwerden, die jetzt weg sind. Es ist das Wichtigste, dass man beschwerdefrei ist, dann kann man Vollgas geben. Es geht jetzt in die entscheidende Saisonphase und da wird natürlich auch von mir erwartet, dass ich vorangehe mit Leistung auf dem Platz - und das will ich gerne tun.

bundesliga.de: Sie haben zuletzt öffentlich immer wieder gesagt, die Mannschaft müsse jetzt endlich einmal eine Serie starten, um vielleicht doch noch in die Europa-League-Plätze vorzustoßen. Wollten Sie bewusst wachrütteln?

Volland: Ja, wir sind ja alle ehrgeizig und wollen das Maximum rausholen. Es wäre doch eine Riesensache für den Verein und uns Spieler, wenn wir am Ende den 6. Platz in der Tabelle schaffen würden. Dieses Ziel wollen wir gemeinsam erreichen.

bundesliga.de: Hoffenheim spielt eine durchwachsene Rückrunde. Wäre es zu frech zu behaupten, die Chance für die TSG auf die Europa League ist nur noch da, weil die Teams weiter vorne in der Tabelle nicht weggezogen sind?

Volland: Das würde ich nicht sagen, alle Spiele sind einfach wahnsinnig eng. Man sieht jedes Wochenende, wie stark die Bundesliga ist. Außer Bayern und vielleicht Wolfsburg in dieser Saison, kann jeder gegen jeden gewinnen. Die Bundesliga ist sehr ausgeglichen. Wenn man die Spiele nicht immer einhundertprozentig angeht, verliert man sie. Den anderen Mannschaften geht es aber ja auch nicht anders als uns. Uns ist dennoch bewusst, dass wir uns noch steigern müssen. Und das ist ja das Positive: Wir haben noch Steigerungspotenzial.

"Habe mir vorgenommen, egoistischer zu sein"

bundesliga.de: Könnten die aufkommenden Gerüchte um mögliche Wechsel, beispielsweise von Roberto Firmino oder auch von Ihnen, nicht Unruhe in der entscheidenden Meisterschaftsphase bringen?

Volland: Es ist normal, wenn man gute Leistungen bringt, dass dann Spekulationen aufkommen, so ist das Geschäft. Aber das war ja letztes Jahr die ganze Rückrunde nicht anders und Firmino und ich haben damals unsere Verträge verlängert und die Mannschaft hat das auch nicht belastet. Wir sind als Team gut und das ist jedem von uns bewusst.

bundesliga.de: Sie haben in der Vorrunde nur zwei Tore gemacht, in der Rückrunde schon vier. Wie haben Sie die Torflaute erlebt?

Volland: Klar wäre es schön gewesen, ein paar Tore mehr gemacht zu haben. Aber für mich steht der Teamgedanke über allem. Wir wollen gewinnen, egal wer die Tore schießt - so denke ich. Deswegen habe ich mir nicht einen so großen Kopf gemacht in der Vorrunde. Ich denke, bei Stürmern kommen Phasen ohne Torerfolge immer wieder vor, das ist normal. Ich habe trotzdem natürlich auch extrem hart gearbeitet.

bundesliga.de: Was haben Sie da speziell trainiert?

Volland: Ich habe weniger an den körperlichen Voraussetzungen gearbeitet, aber eben viele Torabschlüsse trainiert, um Sicherheit zu bekommen. Und ich habe mir vorgenommen, egoistischer zu sein. Das heißt konkret, nach einer Eins-gegen-Eins-Situation nicht sofort den Kopf hochzunehmen und nicht gleich den Pass zu suchen, sondern den Abschluss oder das Dribbling.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Runde mit der TSG bisher, läuft es so, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Volland: In der Hinrunde haben wir zu Beginn richtig gut verteidigt und dann leider ein, zwei Spiele verloren, die wir hätten gewinnen können. In der Rückrunde haben wir die ersten drei Spiele zwar verloren, aber von den letzten sieben auch vier gewonnen und nur in Schalke verloren, das ist ja auch nicht schlecht, oder? Andererseits wäre es schon schöner, wenn wir in den ersten drei Spielen der Rückrunde ein paar Punkte mitgenommen hätten. Nichtsdestotrotz haben wir noch immer eine gute Ausgangsposition, von der aus wir angreifen können.

Das Interview führte Tobias Schächter