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Nach der Trainerentlassung von Heiko Herrlich soll VfL-Idol Dariusz Wosz die Bochumer vor dem sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte retten. Selbst musste er als Spieler im VfL-Dress drei Mal den Gang in die 2. Bundesliga antreten - als Chefcoach will er das unbedingt vermeiden.

Wie er seine Mannschaft für die Partie in München einstellen will und welche Perspektiven er für den Club sieht, hat Dariusz Wosz im Interview verraten.

Frage: Dariusz Wosz, plötzlich sind Sie Cheftrainer beim VfL Bochum. Hat Sie diese Entwicklung selbst verwundert?

Dariusz Wosz: Ich war schon sehr überrascht, dass auf einmal alles so schnell ging. Aber ich bin immer bereit. Natürlich weiß ich um unsere Probleme. Aber ich habe nicht eine Sekunde gezögert, Ja zu sagen zu dieser Aufgabe.

Frage: Welchen Eindruck hatten Sie in den letzten Wochen vom Verhältnis zwischen den Spielern und Trainer Heiko Herrlich?

Wosz: Im Training war alles wunderbar. Aber an den Wochenenden hat man dann im Spiel gesehen, dass sie nicht so gut drauf waren. Der Trainer hat alles versucht. Aber jetzt müssen die Spieler für den Verein alles geben. Die Jungs müssen das jetzt auch wollen. Und es geht hier nicht um einzelne Spieler, oder um Wosz oder um Ernst, sondern um den VfL Bochum.

Frage: Hat die Mannschaft das Zeug, in der Bundesliga zu bleiben?

Wosz: Es ist eine gute Mannschaft, auch wenn man das in den letzten Wochen nicht so gesehen hat. Wir haben das drauf, nicht abzusteigen!

Frage: Was wollen Sie jetzt auch mit Blick auf das nächste Spiel ändern?

Wosz: Wir müssen wieder Lockerheit hineinbekommen. Lockerheit und Konzentration. Und wir werden am Torabschluss arbeiten, denn so oft werden wir am Samstag in München nicht die Chance dazu bekommen. Aber sonst gehen wir dieses Spiel an, wie ich es früher selbst mit jedem Spiel auch gemacht habe. Da passiert nichts Großartiges.

Frage: Der VfL spielt ausgerechnet beim Tabellenführer FC Bayern. Ist das nicht eine schier übermächtige Aufgabe?

Wosz: Wir haben nichts zu verlieren! Natürlich wissen wir auch, dass beim FC Bayern nach dem Einzug ins Champions-League-Finale große Euphorie herrscht. Aber wir werden uns in München nicht verstecken. Wir wollen auch dort erfrischenden Fußball nach vorne zeigen. Und darum werden wir auch mit zwei Spitzen antreten.

Frage: Sie setzen also auch in München auf offensiven Fußball?

Wosz: Wir wollen etwas erreichen, und darum werden wir nach vorne spielen. Vielleicht wird es nicht gerade Pressing sein, aber wir wollen den FC Bayern vor Probleme stellen.

Frage: Wie wollen Sie den Spielern nach zehn sieglosen Spielen das nötige Selbstvertrauen für so eine Spielweise vermitteln?

Wosz: Wir müssen die Blockade in den Köpfen lösen. Die Spieler haben jetzt eine Riesenchance, den Fans etwas zurückzugeben. Und es gibt doch für einen Fußballer nichts Schöneres, als vor einem ausverkauften Haus in der Bundesliga zu spielen.

Frage: Mit Maltritz, Sestak und Pfertzel sind gleich drei Spieler vorbelastet und würden bei einer weiteren Gelben Karte in der vielleicht entscheidenden Partie gegen Hannover 96 am letzten Spieltag fehlen. Wollen Sie diese Spieler in München schonen?

Wosz: Nein, sie werden wohl spielen. Und wenn man sie extra noch darauf hinweist, dass sie ja keine Gelbe Karte kassieren dürfen, passiert meistens gerade dann etwas. Die Jungs sollen Fußball spielen und sich keine Gedanken machen.

Frage: Die Vorbereitungszeit von zwei Tagen ist extrem kurz. Wollen Sie die Mannschaft trotzdem noch mit einer gründlichen Analyse auf den Gegner einstellen?

Wosz: Wer nicht weiß, wie die Bayern spielen, der ist fehl am Platze. Vielleicht gucken wir uns noch einmal ein paar Standards an, aber das ist alles nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass wir eine echte Mannschaft auf dem Platz haben. Richtig vorbereiten werden wir uns dann auf Hannover.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte