Köln – Jetzt hört er also wirklich auf. Eigentlich war schon im Januar 2016 alles klar: Clemens Fritz verkündete während der Wintervorbereitung, dass er zum Saisonende seine Karriere nach zehn Jahren bei Werder Bremen beenden werde. Es folgte eine schwache Werder-Rückrunde, in der Bremen dem Abstieg entgegentrudelte. Mitten in der heißen Phase im Abstiegskampf erklärte der ehemalige Nationalspieler den Rücktritt vom Rücktritt. Die Begründung, die Fritz für seinen Entschluss lieferte, sagt viel über den Profi aus, der im schnelllebigen Fußballgeschäft elf Jahre die Werder-Raute auf dem Trikot trug.

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"Ich kann nach so einer Saison den Verein nicht verlassen", sagte Fritz damals und ergänzte: "Wenn wir mit diesem Team nicht drin bleiben, werde ich die Konsequenzen mittragen." Die unerwartete Vertragsverlängerung setzte bei Werder noch einmal viele Kräfte frei. Es folgte ein richtungsweisendes Duell gegen den VfB Stuttgart, in dem der SVW angetrieben von Captain Fritz und der "greenwhitewonderwall" seine beste Saisonleistung zeigte. Am Ende stand ein rauschhaftes 6:2 und zwei Spieltage später der Last-Minute-Klassenerhalt gegen Eintracht Frankfurt.

Wechsel zum Titelkandidaten Werder

Als der gebürtige Erfurter 2006 nach Stationen beim VfB Leipzig, Rot-Weiß Erfurt, dem Karlsruher SC und Bayer Leverkusen an die Weser wechselte, hatte er sicherlich nicht damit gerechnet, dass er zehn Jahre später den Nichtabstieg wie einen Titel feiern würde. Werder spielte zum zweiten Mal in Folge in der Champions League und galt als der größte Herausforderer des FC Bayern München.

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Der ablösefreie Rechtsverteidiger brauchte in Bremen keine große Anlaufzeit und schnappte sich auf Anhieb einen Stammplatz. 32 Bundesliga-Spiele absolvierte er in seiner ersten Spielzeit und kreuzte in der Champion League unter anderem mit Ronaldinho vom FC Barcelona die Klingen. Und vor dem FC Bayern landete Werder im Titelrennen damals auch. Deutscher Meister wurde allerdings der VfB Stuttgart.

Pokalsieger mit dem SV Werder

Seine Leistungen führten ihn bis in die Nationalelf, mit der er 2008 Vize-Europameister wurde. Fritz hat die großen Werder-Zeiten mit Siegen gegen Real Madrid oder dem FC Chelsea noch erlebt. Er holte mit Werder 2009 den DFB-Pokal und stand im Finale des UEFA-Cups. Seitdem ist viel passiert und aus dem Titelkandidaten wurde ein Team, das in den vergangenen Jahren häufig gegen den Abstieg kämpfte. Als Kapitän marschierte Fritz immer vorneweg und war einer der Garanten, dass das Abstiegsgespenst immer wieder vertrieben werden konnte. Insgesamt 288 Mal lief er in der Bundesliga für Werder auf.

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Unter Alexander Nouri hat sich Werder wieder zu einem Kandidaten für die Europa League entwickelt. Das Team wirkt so gefestigt wie lange nicht. Die Mannschaft hat wieder eine deutlich bessere Perspektive und der Kapitän spürt, dass er das Ruder nun einem jüngeren überlassen kann.

"Es war mir eine besondere Ehre"

Einerseits ist da eine hartnäckige Sprunggelenksverletzung, die ihn daran zweifeln lässt, dass er sein altes Niveau noch einmal erreichen kann. Aber Fritz stellt auch klar: "Dass sich der Verein inzwischen stabilisiert hat und sportlich der richtige Weg eingeschlagen wurde, lässt mich diese Entscheidung ruhigen Gewissens mitteilen. Es war mir immer eine besondere Ehre, das Trikot mit der Werder-Raute zu tragen."

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Die Reaktionen der Mitspieler zeigen, wie groß der Respekt gegenüber ihrem Kapitän ist. "Er hat immer gezeigt, welchen Wert er für Werder hat. Gerade auch in schwierigen Situationen hat er immer Ruhe bewahrt. Clemens wird uns auf dem Platz und in der Kabine fehlen", betont Vize-Kapitän Zlatko Junuzovic die Bedeutung von Clemens Fritz.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Clemens Fritz für immer Werder-Kapitän bleiben wird. Der 35-Jährige soll als achter Spieler zum Ehrenspielführer des Clubs ernannt werden. Bremens Geschäftsführer Sport Frank Baumann ist einer aus diesem erlesenen Kreis und stellte bereits klar, dass Fritz in Zukunft dazu gehören soll – selbst, wenn er die ursprünglich dafür gestellten Anforderungen nicht erfüllen sollte. "Wenn er die Kriterien nicht erfüllt, müssen wir sie eben ändern", so Baumann. Und kein Bremer der letzten Jahre hätte das mehr verdient als Clemens Fritz.

Florian Reinecke