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Köln - Dem VfB Stuttgart ist die direkte Rückkehr in die Bundesliga gelungen. Als Meister der 2. Bundesliga. Am Ende lieferten die Stuttgarter eine souveräne Leistung ab. Dabei brauchte der Deutsche Meister von 2007 etwas Anlauf, um wieder in die Spur zu kommen. Doch dann rollte der Aufstiegszug in Richtung Bundesliga.

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Der Jubel und die Freude über die direkte Rückkehr in die Bundesliga kannte keine Grenzen. Mit einem 4:1-Sieg gegen die Würzburger Kickers hatten die Schwaben gerade letzte Zweifel am Wiederaufstieg ausgeräumt. Ein Jahr zuvor hatte das noch ganz anders ausgesehen. Mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga, der nach zuletzt 41 Jahren in der ersten Liga nicht ganz unverhofft kam, hatten sich Mannschaft und Verein mit den Fans überworfen.

Alles auf Neuanfang

Doch alle nutzten die Sommerpause, um sich wieder zu sammeln und auf das Wesentliche zu besinnen. Auf unterschiedliche Weise. Im Verein wurden die Weichen neu gestellt: Jos Luhukay übernahm zur neuen Saison das Traineramt, Jan Schindelmeiser kam als neuer Sportvorstand und die Mannschaft wurde umgebaut. Und die Fans kamen vom 1. Spieltag an zahlreich ins Stadion. Die Unterstützung des Teams stand an erster Stelle. Einen derartigen Zuschauerzuspruch, wie ihn der VfB in der letzten Saison erlebte, gab es bislang noch nicht in der 2. Bundesliga. Mit vereinten Kräften ging Stuttgart das Projekt Wiederaufstieg an.

Nach nur vier Spieltagen stand das schon wieder auf der Kippe. Wegen Unstimmigkeiten zwischen Luhukay und Schindelmeiser beendeten Trainer und Verein ihr Arbeitsverhältnis. Im Nachhinein war es vielleicht das Beste, was Stuttgart passieren konnte. Mit dem neuen Coach zauberte der Sportvorstand einen Mann aus dem Hut, der hervorragend zum VfB passt. Hannes Wolf. Der damals 35-Jährige war bis dato eigentlich noch ein unbeschriebenes Blatt im Profi-Fußball. Auch wenn er mit der A- und B-Jugend von Borussia Dortmund bereits Deutscher Meister geworden war, bei den Senioren hatte er noch keinerlei Erfahrung.

Hohe Qualität bei den Einwechselspielern

Und doch war Wolf genau der Richtige. Der Bundesliga-Neuling verstand es, eine gesunde Mischung zwischen erfahrenen Spielern und jungen Talenten auf den Platz zu stellen. Und gestandene Akteure wie Alexandru Maxim, die plötzlich nicht mehr über die Reservistenrolle hinauskamen, wusste der Trainer bei Laune zu halten. So gelang es Wolf auch unter den Einwechselspielern die Qualität hoch zu halten. Viele Treffer – oft wichtige – fielen erst in den Schlussminuten. "Wir haben uns unter Hannes Wolf gut entwickelt. Er ist ein Trainer mit einer klaren Ansprache, der sein Fachwissen gut rüberbringt und uns in den Trainingseinheiten fordert und fördert", erklärte Daniel Ginczek einmal.

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Schindelmeiser und Wolf sind die Väter des Erfolgs. Beide verfolgen eine ähnliche Strategie, denken zukunftsorientiert und setzen auf Spieler mit Potenzial. Durchaus mit Erfolg. Schindelmeiser gelang mit der TSG 1899 Hoffenheim der Aufstieg in die Bundesliga, Wolf formte bei den Junioren junge Spieler, die den Sprung in den Profibereich schafften. Mit der A-Lizenz verfügt der 53-jährige Sportvorstand außerdem über das nötige fußballerische Know-How und begegnet Wolf, der als großer Taktiker gilt, auf Augenhöhe und kann ihm mit seiner Erfahrung beratend zur Seite stehen.

Erste Hürde genommen

Die erste Hürde hat das Duo genommen. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga gilt es jetzt, den Verein sportlich wieder auf gesunde Beine zu stellen. Die Weichen sind gestellt. Durch die Ausgliederung der Profi-Abteilung aus dem Verein und der Gründung der "VfB Stuttgart 1893 AG" fließt neues Geld in die Kassen des Clubs. "Wir haben keine Angst, ehrgeizige Ziele zu formulieren. Wir wollen nach vorn", sagt deshalb auch der Sportvorstand.

Schindelmeiser und Wolf gibt dies außerdem Planungssicherheit in Sachen Neuzugängen. Bislang haben die Schwaben mit Orel Mangala ein vielversprechendes Talent nach Stuttgart gelotst. Einen alten Bekannten des Trainers, der den 19-jährigen Mittelfeldspieler vor einem Jahr für den BVB-Nachwuchs von Anderlecht auslieh. Einer, der voll und ganz ins Konzept der Verantwortlichen passt, die aber auch nicht ausschließen, einen etablierten Bundesliga-Spieler zu holen. Sofern alle Rahmenbedingungen passen. Fakt ist: Der VfB Stuttgart muss sich für die neue Saison verstärken. Denn auch wenn am Ende die Meisterschaft in der 2. Bundesliga stand, es lief lange nicht alles rund und die Mannschaft musste immer wieder Rückschläge verarbeiten.

In der Bundesliga beweisen 

Mit Simon Terodde ist es den Stuttgartern gelungen, ihren Top-Torjäger zu halten. Mit 25 Treffern hatte sich der Stürmer die Torjägerkanone in der 2. Bundesliga gesichert – und damit natürlich auch Begehrlichkeiten geweckt. "Simon ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Nicht nur aufgrund seiner sportlichen Qualitäten und der erzielten Tore, sondern auch, weil er als Sportler und als Mensch insgesamt viele der Werte verkörpert, die dem VfB Stuttgart wichtig sind“, erklärt Schindelmeiser. Allerdings muss der 29-Jährige jetzt auch beweisen, dass er sich in der Bundesliga durchsetzen kann. Bei seinem ersten Versuch beim 1. FC Köln (2010/11) war er noch nicht so weit.

Chance genutzt

Der VfB Stuttgart hat den Abstieg als neue Chance genutzt. Wenn der Verein seiner Linie in der Bundesliga treu bleibt, dann kann er sich auch in der obersten Spielklasse weiterentwickeln. Bestes Beispiel ist aktuell der 1. FC Köln.

Kristina Jäger