München - Die verbale Verjüngungskur hat bei Franck Ribery offenbar gefruchtet. "Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir ihn von 34 Jahren auf 27 Jahre runterstufen", hatte Trainer Carlo Ancelotti noch vor dem Klassiker des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund erklärt. Gespielt hat Ribery beim 4:1-Erfolg der Münchner sogar wie ein 26-Jähriger.

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Fast genau acht Jahre ist es her, dass Ribery in einem Bundesligaspiel noch einen Tick früher traf als am Samstag gegen den BVB. Während er damals bereits in der dritten Spielminute gegen Eintracht Frankfurt (Endstand: 4:0) einnetzte, war er nun gegen Dortmund in der vierten Minute erfolgreich. Es war zugleich Bayerns frühestes Tor der laufenden Spielzeit und ebnete dem Rekordmeister den Weg zu einem souveränen Sieg über den Rivalen aus dem Ruhrgebiet.

Ein Bussi als Belohnung

An Abenden wie diesen wünschen sie sich in München, Ribery wäre am Freitag wirklich erst 27 Jahre alt geworden. Auf dem Rasen wirbelte der Franzose jedenfalls wie zu seinen besten Zeiten. Dass er immer noch Vollgas geben kann, zeigt die Statistik: Seine 39 Sprints überbot keiner - nicht einmal Dortmunds 18 Jahre alter Youngster Christian Pulisic.

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Riberys Reaktion auf seine Auswechslung in der 74. Minute zeigte, dass er durchaus noch Luft für mehr gehabt hätte. Zugleich war es ein Beleg für seinen besonderen Ehrgeiz, in den entscheidenden Wochen beim FC Bayern vorangehen zu wollen. Zur Beruhigung seines Gemüts gab es von Trainer Ancelotti ein Bussi auf die Wange und eine herzliche Umarmung. "Franck hat richtig gut gespielt. Freitag war sein Geburtstag und daher brauchte er ein kleines Küsschen", sagte Ancelotti schmunzelnd.

Ein Flügelflitzer wie ein Ferrari

Liebesbekundungen gab es auch von den Rängen. Mit tosendem Applaus und begleitet von "Ribery, Ribery"-Sprechchören trabte der Flügelspieler vom Platz. Seine gute Laune hatte er nach dem Spiel schnell wiedergefunden - auch dank der besonderen Aufmunterung des Trainers. "Ich habe ein gutes Verhältnis zum Trainer. Er gibt mir viel Vertrauen und es macht Spaß mit ihm", sagte Ribéry.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. "Ich mag es sehr, mit Franck zu scherzen", sagte Ancelotti kürzlich der französischen Zeitung Journal du Dimanche. "Er spricht auch ein bisschen Italienisch und ist immer gut drauf." Ancelotti zog dabei einen interessanten Vergleich zu einem Sportwagen. "Ich habe einmal zu Franck gesagt: 'Du bist wie ein Ferrari. Und einen Ferrari kann ich nicht jeden Tag fahren.'"

Gegen Real als 29-Jähriger?

Am Samstag gegen Dortmund war wieder mal solch ein Tag, an dem der Bayern-Trainer seinen Flügelflitzer zur Schau stellen konnte. "Der Motor ist super", sagte Ancelotti anschließend bei FCB.tv. "Aber wir brauchen ihn in dieser Verfassung auch am Mittwoch." Denn bei aller Zuneigung und Pflege, das Alter lässt sich auch trotz guten Zuredens nicht verbergen.

Die kleinen Pausen sind dabei hilfreich, dass Ribery auch weiterhin seine Topleistungen wie in jungen Jahren abruft. Am besten schon am Mittwoch in der Champions League gegen Real Madrid. Eine Leistung wie als 29-Jähriger würde schon reichen. 2012 legte Ribery mit seinem Tor im Halbfinal-Hinspiel gegen Real den Grundstein zum Finaleinzug.

Aus München berichtet Maximilian Lotz