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München - Wussten Sie schon, dass die Schiedsrichter in der Hinrunde extrem häufig die Rote Karte zückten? Dass insgesamt weniger Torschüsse abgegeben wurden? Und dass besonders bei den Keepern ein Jugendtrend herrscht? 153 Spiele der Saison 2011/12 sind absolviert - Zeit für eine ausführliche Hinrunden-Bilanz.

Im zweiten Teil des bundesliga.de-Zwischenfazits geht es um historisch junge Torhüter, starke Comeback-Bilanzen und schwache Sommertransfers.

Auswärtssiege sind weiter in Mode

2010/11 wurde erstmals in der Bundesliga-Geschichte die Marke von 100 Auswärtssiegen in einer Saison geknackt: Exakt ein Drittel aller Spiele endete mit einem Gästesieg (102 von 306). Auch in der laufenden Saison gibt es eine Bestmarke zu verkünden: Schon nach zwölf Spieltagen hatte jeder Verein mindestens einen Auswärtssieg zu Buche stehen - einmalig in der Bundesliga-Historie. Zuvor hatte es immer mindestens ein Team gegeben, das die komplette Hinrunde ohne Auswärtssieg geblieben war; vor dem 18. Spieltag hatten noch nie alle Mannschaften auf des Gegners Platz gewonnen.

Junge Liga

In der Saison 2010/11 lag bei keinem Club das Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler bei über 28 Jahren - das hatte es seit der Saison 89/90 nicht mehr gegeben. Der BVB wurde der jüngste Meister der Bundesliga-Geschichte - die eingesetzten BVB-Akteure waren im Schnitt 24,3 Jahre alt. Dieser Trend setzt sich aktuell fort: Das älteste Team dieser Spielzeit (Wolfsburg mit einem Altersschnitt von 27,3 Jahren) wäre in der Saison 1999/00 noch das drittjüngste Team gewesen! Wie auch in der letzten Spielzeit stellt Hoffenheim das jüngste Team der Liga (im Schnitt waren die eingesetzten Spieler 24,3 Jahre alt).

Sommer-Transfers setzen kaum Offensiv-Akzente

Schon lange hat es keine Saison mehr gegeben, in der die Neuzugänge in der Offensive sich so harmlos präsentierten wie momentan. Auf den ersten 18 Plätzen der aktuellen Scorer-Liste befindet sich kein einziger Neuzugang. Bestplatzierte Neuverpflichtung in dieser Rangliste ist der Nürnberger Tomas Pekhart auf Platz 19 mit acht Scorer-Punkten.

Historisch gute Top-Torschützen

Erstmals nach 15 Jahren (Saison 96/97) haben gleich sieben Spieler nach 17 Spieltagen zweistellig getroffen. Fünf Spieler mit mindestens einem Dutzend Toren gab es sogar zuletzt vor 35 Jahren (76/77). Von der Wahrscheinlichkeit her müssten in der "ewigen" Top 25 der effektivsten Torjäger pro Saison (Minuten für ein Tor) ein "Halber" aus der aktuellen Saison sein - mit Gomez (alle 82 Minuten ein Treffer), Huntelaar (91) und Podolski (98) sind es aber gleich 3.

Weniger Treffer als letzte Saison

In der laufenden Saison fielen im Schnitt 2,86 Tore pro Spiel - das sind im Vergleich zur letzten Spielzeit insgesamt 43 Treffer weniger (438 statt 481). In den vier anderen europäischen Top-Ligen sind es allerdings nur in der Premier League aktuell noch etwas mehr (2,89); Spanien (2,65), Frankreich (2,54) und Italien (2,39) werden hingegen deutlich abgehängt. Es gab in der laufenden Saison nur sechs Mal ein 0:0. In den anderen vier europäischen Ligen endeten deutlich mehr Partien torlos: Zwölf in der französischen Ligue 1, zwölf in der englischen Premier League, 17 in der italienischen Serie A und gar 19 in der spanischen Primera Division.

Historisch junge Keeper

Die eingesetzten Bundesliga-Torhüter dieser Saison waren im Schnitt nur 25,9 Jahre alt - so jung waren sie in der Bundesliga-Geschichte nie zuvor! Der Trend der letzten Spielzeiten setzte sich damit nahtlos fort: 09/10 waren die Keeper im Schnitt noch 29,8 Jahre alt, 10/11 dann nur noch 27,7. Augsburgs Keeper Simon Jentzsch ist mit seinen über 35 Jahren der jüngste "Alterspräsident" der Torhüter seit der Saison 78/79. Passend zum "Jugend-Trend" im Tor hat die deutsche Nationalmannschaft eine relativ junge Nummer 1: Der heute 25-jährige Manuel Neuer ist seit anderthalb Jahren Stammkeeper der DFB-Elf. Die drei Nationalkeeper zuvor wurden jeweils viel später zur Nummer 1: Jens Lehmann war 36, Oliver Kahn 29 und Andreas Köpke 30 Jahre alt.

Viele Spiele werden gedreht

Die Spiele sind mit dem ersten Treffer keinesfalls entschieden: In der kompletten vergangenen Saison gab es 45 Siege nach einem 0:1-Rückstand (so viele wie seit 26 Jahren nicht mehr), in der laufenden Spielzeit auch schon wieder deren 20. Auch diese Bilanz zeigt: Die Bundesliga lebt und ist hochattraktiv.

Wenig meisterlich im Europacup

Meister Borussia Dortmund verabschiedete sich nach enttäuschenden Leistungen als Gruppenletzter aus der Champions League. Zum dritten Mal in den vergangenen fünf Spielzeiten schied damit der Deutsche Meister bereits in der Vorrunde der Königsklasse aus (zuvor der VfB Stuttgart 07/08 und der VfL Wolfsburg 09/10). Die Ausnahmen in diesem Zeitraum waren wieder einmal die Bayern. Erfreulich aber, dass von den fünf deutschen Europapokal-Teilnehmern noch vier auch im nächsten Jahr im Rennen sind (Bayern, Leverkusen, Schalke und Hannover qualifizierten sich jeweils frühzeitig für die nächste Runde). Nur Dortmund und Mainz (das Aus kam noch in der Quali, die Mainzer waren somit kein offizieller Starter) fielen hier aus dem Rahmen.



Teil 1: Von Überfliegern und Spannungsbögen