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München - Das Gespür für den psychologisch richtigen Moment kann man den Bossen des FC Bayern nicht absprechen. Die Vertragsverlängerung mit Mario Gomez wenige Tage vor den wichtigsten Spielen der Saison taugte zu zweierlei: Zum einen verlieh das Bekenntnis des Stürmers einen Tag nach dem Halbfinal-Einzug in der Champions League einen weiteren emotionalen Schub. Zum anderen sendeten die Münchner ein eindeutiges Signal an die Konkurrenz.

Die Botschaft: Schaut her Dortmunder und Madrilenen, einer der besten Stürmer Europas kann sich nichts Schöneres vorstellen, als für diesen Club zu kicken - und jetzt kommt ihr.

Nur Messi gefährlicher als Gomez



Am kommenden Mittwoch steigt in Dortmund das möglicherweise meisterschaftsentscheidende Duell. Sechs Tage später geben die Real-Stars um Mesut Özil und Cristiano Ronaldo ihre Visitenkarte in der Allianz Arena ab. Zwei Partien, in denen der FC Bayern vieles gewinnen kann. Aber eben auch alles verspielen.

Auf Top-Torjäger Gomez wird es dabei ankommen. Mit 23 Treffern führt der 26-Jährige die Schützenliste in der Bundesliga an, elf Mal ließ er es in der Champions League klingeln. Nur Barcas Lionel Messi war gefährlicher (14 Treffer).

Bis 2016 will Gomez solche Fabel-Quoten weiterhin für die Münchner aufstellen. "Hier ist eine Mannschaft beisammen, die in der Lage ist, Großes zu erreichen", sagt Gomez. "Ich fühle mich hier wohl." Das Umfeld, der Verein, die Fans und das Stadion hätten ihn nicht lange zögern lassen.

Erstes Jahr zum Vergessen



Was heute nach einer Traum-Liaison klingt, begann vor drei Jahren wie ein Alptraum. Nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart nach München im Sommer 2009 wurde Gomez den Ansprüchen nicht gerecht.

Ihm machten mehre Dinge zu schaffen: das neue System, die namhafte Konkurrenz im Sturm und ein Trainer, der nicht dafür bekannt ist, sich groß um die Sensibilitäten seiner Spieler zu scheren. Louis van Gaal hieß damals der Coach.

Dazu kam zusätzlicher psychologischer Ballast, den Gomez auf seinen Schultern durch die Strafräume der Liga schleppte: Sein Wechsel war als teuerster Transfer aller Zeiten in die Geschichte der Bundesliga eingegangen. So viel zur Erwartungshaltung.

Van Gaals größter Fehler



Erst in der Folgesaison bekam der Nationalstürmer am 8. Spieltag aufgrund von Personalnot im Bayern-Angriff eine Bewährungschance. Gomez nutzte sie, und war von da an gesetzt. Am Saisonende stellte er sich mit 28 Treffern sogar die Torjägerkanone in die Vitrine. Der Bayern-Trainer hieß zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr van Gaal.

Für den niederländischen Coach war Gomez' Missachtung der wohl größte Fehler seiner Zeit beim Rekordmeister. Gomez hingegen etablierte sich mit seinen Treffern im Bayern-Angriff und machte sich mit acht Champions-League-Toren auch auf höchstem Niveau unverzichtbar.

Gespräche "immer fair"



Es wirkt sich in der laufenden Saison auf seine Trefferquote aus, dass er von Beginn an gesetzt war. In allen Wettbewerben ist er der treffsicherste Bayern-Spieler. Trainer Jupp Heynckes setzt uneingeschränkt auf Gomez. Dank seiner Tore dürfen die Münchner weiter von drei Titeln und dem Heimfinale in der "Königsklasse" träumen.

Angesichts seines Stellenwerts stand nie zur Debatte, dass der FC Bayern den Angreifer ziehen lassen würde. Die Gespräche zwischen ihm und Verein seien immer fair abgelaufen in den drei Monaten Vertragspoker. "Am Ende", sagt Gomez, "sind beide glücklich."

Andreas Messmer