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München - Es war Zeit zu handeln. Die Hannoveraner Defensive wackelte in der Hinrunde gewaltig. Mit 31 Gegentoren hat 96 die zweitschlechteste Abwehr der Liga, nur Hoffenheim kassierte mehr Treffer (41). Diesen Negativ-Trend wollen die 96er stoppen. Dafür verpflichtete Hannover den Schweizer Verteidiger Johan Djourou vom FC Arsenal - mit Hilfe von Per Mertesacker.

Der deutsche Nationalspieler, Djourous Mitspieler bei den "Gunners" und von 2003 bis 2006 selbst bei den Niedersachsen aktiv, nahm dem hünenhaften Defensivallrounder (1,91 Meter groß) die letzten Zweifel vor dem Leihtransfer nach Hannover: "Er hat mir viele gute Sachen über 96 erzählt. Und er hat gesagt, dass ich es machen soll", erklärte Djourou.

Im zweiten Glied



Doch auch ohne Mertesackers Zutun wollte Djourou im Winter einen Wechsel vollziehen, denn beim Club von Lukas Podolski war seine Perspektive zuletzt schlecht. In der Hinrunde ließ ihn Arsenals Coach Arsene Wenger nur zwei Mal im Liga-Cup ran. In der Premier League schaffte es Djourou nur sechs Mal in den Kader und blieb ohne Einsatzzeit. "In meinem Alter ist es wichtig, regelmäßig zu spielen. Daher habe ich auch nicht gezögert, Angebote größerer Clubs auszuschlagen", erklärt der 25-jährige Djourou seine Entscheidung für die 96er.

Djourou wollte bereits im Sommer 2012 wechseln, doch Wenger legte sein Veto ein. "Weil ich den Spieler liebe", wolle er ihn nicht abgeben, sagte der Franzose. Trotz aller Liebe: Spielen durfte der Schweizer nur noch selten.

Spielzeit ohne Stammplatz



Dabei fing die Karriere des in Abidjan an der Elfenbeinküste geborenen Djourou so verheißungsvoll an. Im Alter von anderthalb Jahren wanderte der Afrikaner mit seinem Vater nach aus. Über den kleinen Genfer Vorortclub Etoile Carouge und das Ausbildungszentrum des Schweizerischen Fussballverbandes in Payerne wagte der frühere Milan-Anhänger im Sommer 2003 den Schritt zum FC Arsenal.

Sein Profi-Debüt gab er am 27. Oktober 2004 beim 2:1-Sieg im Liga-Cup gegen Manchester City. Djourou wurde in der Schlussminute eingewechselt. Bis zum ersten Premier-League-Einsatz dauerte es dann aber doch noch. Erst am 14. Januar 2006 durfte der damals 19 Jahre alte Abwehrspieler beim 7:0-Sieg gegen Middlesbrough endlich ran - und zwar in der Startelf. In den Folgejahren kamen noch 98 Einsätze für Arsenal und Birmingham City (Leihe) hinzu, doch der endgültige Durchbruch blieb aus.

Reservist im Verein, Stammkraft bei Hitzfeld



Trotz unregelmäßiger Einsatzzeiten schaffte es Djourou in die "Nati", für die er im März 2006 in Schottland unter Jakob "Köbi" Kuhn debütierte. Damit war der Innenverteidiger der erste Nationalspieler, der einem Ausbildungszentrum des Schweizerischen Fußballverbandes entsprang. Kuhn-Nachfolger Ottmar Hitzfeld setzte ebenfalls auf den gebürtigen Afrikaner, der von sich sagt: "Auch wenn ich mich ganz als Schweizer fühle - die Leute, die mich kennen, wissen, dass Afrika in meinem Herzen einen großen Platz einnimmt".

Djourous Wechsel von der Insel in die Bundesliga bewertet Nationaltrainer Hitzfeld positiv. "Johan hat eine sehr gute Entscheidung getroffen. Club und Trainer werden ihm weiterhelfen in seiner Entwicklung. Ich bin überzeugt: Djourou wird von diesem Transfer profitieren", sagt der ehemalige Bayern-Coach. Für ihn gehört der WM-Teilnehmer von 2006 auch ohne Spielpraxis zum Stammpersonal.

Zum Stammpersonal soll Djourou auch in Hannover zählen, egal, ob er schlussendlich als Innenverteidiger oder defensiver Mittelfeldspieler aufläuft Der Schweizer könnte auch auf der Sechserposition eine Verstärkung sein, davon ist Hannovers Manager überzeugt. Schmadtke: "Johan hat in Birmingham im defensiven Mittelfeld gut gespielt." Der Spieler selbst denkt sogar schon an einen längeren Verbleib in Hannover: "Wenn es gut läuft und ich im Sommer bleiben kann - perfekt." Dann müssten die Clubs zuvor noch einmal neu verhandeln, Mertesackers Ratschlag bräuchte Djourou dann wohl nicht mehr.

Christoph Gailer