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Barcelona - Auf den ersten Blick verlief die Pressekonferenz von Bayer Leverkusen vor dem Achtelfinal-Rückspiel in Barcelona so wie immer. Im Raum "Mare Nostrum" des noblen 5-Sterne Hotels "Rey Juan Carlos V" stellten sich Trainer Robin Dutt und der dieses Mal ausgewählte Spieler Stefan Kießling den Fragen der einheimischen und deutschen Journalisten.

Aber dennoch war irgendetwas anders. Irgendwie fehlte bei den Protagonisten am Rednerpult - aber auch bei den anwesenden Medienvertretern - diese gewisse Anspannung. Nach dem 1:3 im Hinspiel nicht wirklich verwunderlich.

"Träumen darf man"



"Wir müssen unsere guten Leistungen der vergangenen Spiele mitnehmen und mit breiter Brust auftreten", setzte Kießling in seinem Eröffnungsstatement zur anstehenden Mammutaufgabe zwar verheißungsvoll an. Doch weiter wagte er sich nicht vor. "Träumen darf man. Aber wir wollen in erster Linie ein gutes Spiel abliefern", hielt sich der Torjäger mit Ergebnis-Prognosen zurück.

Sein Trainer analysierte die Ausgangsposition auch eher nüchtern neutral. "Vom Papier her ist die Lage eindeutig. Wir haben im Hinspiel unsere Chancen vergeben. Es begleiten uns 4000 Fans nach Barcelona. Für sie und für uns müssen wir ein gute Leistung abrufen", meinte Dutt. Doch wer wollte den beiden diese Zurückhaltung auch verdenken. Drei Tore muss Leverkusen im Camp Nou schießen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Aber - und das ist wahrscheinlich der einzige Datenfakt, der Bayer Mut machen könnte - 1997 gelang Dynamo Kiew in der Champions League ein 4:0-Auswärtserfolg bei Barca.

Anknüpfen an die zweite Halbzeit



So will der Bayer-Tross die Partie gegen das spanische Starensemble in erster Linie einmal genießen. Einstellungsprobleme vor dem Spiel der Spiele sieht Trainer Dutt deshalb nicht. "Wir haben in der Winterpause sehr viel an der Psyche gearbeitet. Wir denken leistungs- und nicht ergebnisorientiert", so Dutt.

Doch so ganz kampflos will er dem Titelverteidiger das Feld nicht überlassen. "Es wird entscheidend sein, wie wir unseren Ballbesitz nutzen. Wenn wir das so umsetzen, wie im Hinspiel in der ersten Halbzeit, dann wird das nichts. Aber wenn wir es so machen, wie im zweiten Durchgang, dann werden wir mehr Freude haben. Dann können wir Barcelona auch Sorgen bereiten."

An die Leistungsgrenze gehen



Die große Frage wird sein, ob Bayer versuchen wird, die Hausherren mit zwei Spitzen unter Druck zu setzen. Dass diese taktische Maßnahme erfolgreich sein kann, zeigte sich am vergangenen Wochenende beim 2:0 gegen den FC Bayern. "Ob wir nominell mit einer oder mit zwei Spitzen spielen werden, ist nicht wichtig. Wichtiger ist, wie man die freien Räume bespielt. Barcelona zeigt das immer wieder in Perfektion, denn ein Lionel Messi ist ja auch kein Stürmer im klassischen Sinn", erklärte Dutt.

Stefan Kießling, als Angreifer von den möglichen Auswirkungen eines 4-4-2 direkt betroffen, gab sich diplomatisch. "Letztlich ist es egal, ob wir mit einem oder mit zwei Stürmern spielen. Wir müssen an unsere Leistungsgrenze gehen. Und dann schauen wir, was dabei herauskommt."

Aus Barcelona berichtet Michael Reis