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Die Tatsache, dass er beim 4:1-Sieg des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen in der Startformation stand und sein zweites Bundesligaspiel bestritt, hätte dem bescheidenen Jungprofi eigentlich schon gereicht. "Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, vor heimischen Publikum spielen zu können", sagte Christian Träsch nach der Partie.

Dass sich der VfB-Youngster aber mit einem Traumtor zum zwischenzeitlichen 2:0 auch noch in die Liste der Torschützen eintrug, vollendete an diesen Samstagnachmittag sein Glück: "Mit Sicherheit werde ich dieses Spiel und vor allem mein Tor nie vergessen."

Staunende Mitspieler

Laut wissenschaftlicher Erkenntnisse arbeitet unser Gehirn in Traumphasen übrigens auf Hochtouren. Und so dürfte es auch bei dem 21-Jährigen gewesen sein, auch wenn der im Anschluss seinen Kunstschuss relativ cool beschrieb: "Ich habe einfach drauf gehalten und der Ball flog dann perfekt ins Tor."

Dass sein erster Bundesligatreffer dennoch ein ganz besonderer war, belegen die Aussagen seiner Mitspieler beim VfB, die den Volley-Hammer aus 20 Metern Torentfernung in den rechten oberen Winkel wohl auch nicht so schnell vergessen werden.

"Er kann 100 Mal schießen und wird die Kugel doch nicht wieder so treffen", war Ludovic Magnin beeindruckt. Auch Mario Gomez staunte nicht schlecht: "Ich konnte es gar nicht glauben, als der Ball einschlug."

"Mein Puls ging in die Höhe"

Defensivspieler Träsch, der im Sommer 2007 vom TSV 1860 München nach Stuttgart wechselte und seitdem Stammspieler im Kader des VfB II ist, profitierte gegen Werder von Personalproblemen in der Hintermannschaft. Aufgrund der Ausfälle von Khalid Boulahrouz, Matthieu Delpierre und Pavel Pardo durfte Träsch, dessen Lieblingsposition die des "Sechsers" ist, rechts in der Vierekette ran.

Trainer Armin Veh hatte bei seiner Nominierung dennoch keine Bedenken: "Er ist mutig, leidenschaftlich, dynamisch. Ein Talent mit Herz." Anders sah das bei Träsch zunächst selbst aus. "Als er in der Mannschaftssitzung gesagt hat, dass ich von Beginn an dabei bin, ging mein Puls schon etwas in die Höhe", gab er zu.

Schließlich lag sein bis dato letzter Einsatz in der höchsten deutschen Spielklasse knapp acht Monate zurück. Träsch feierte sein Bundesligadebüt beim 1:4 auf Schalke in der vergangenen Saison.

3. Liga vs. Champions League

Nach Betreten des Rasens der Mercedes-Benz Arena war dann aber alle Nervosität verflogen und Träsch besann sich auf seine fußballerischen Qualitäten: "Sonst spiele ich in der 3. Liga, diesmal kam der Gegner aus der Champions League. Aber ich habe einfach alles so gemacht wie sonst auch."

Dass der gebürtige Ingolstädter, der in seiner Freizeit gerne Tennis spielt und shoppen geht, nach der starken Vorstellung gegen Bremen den Bodenkontakt verlieren könnte, glaubt Veh nicht. "Er ist ein guter Junge. Er wird nicht abheben", so der Trainer. An Fürsprechern fehlt es dem Mann, der zusätzlich zum eigenen Treffer beim 3:0 durch Roberto Hilbert als Vorbereiter glänzte, jedenfalls nicht

"Seine Chance mehr als genutzt"

Profiteur Hilbert lobte den Passgeber: "Es war ein großer Tag für ihn, im zweiten Bundesligaspiel kann man es nicht besser machen." VfB-Manager Horst Heldt sieht beim laufstarken 1,80 Meter großen und 74 Kilogramm schweren Allrounder "perfekte körperliche Vorausetzungen."

Und Topstürmer Gomez machte Träsch zum Abschluss berechtigte Hoffnungen auf die Fortsetzung seines Traums: "Er hat seine Chance mehr als genutzt."

Tim Tonner