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Stuttgart - Es war ein unglaublicher Sieg des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen (Spielbericht). In Unterzahl gelingt der Siegtreffer in letzter Sekunde, zuvor gab es jede Menge Wille und Leidenschaft. Nun geht der Blick nach vorne, die Hoffnung lebt wieder im Schwabenland.
 
Mehr Anspannung geht kaum. Die letzten Sekunde dieser nervenzerreißenden Partie steht der Stuttgarter Angreifer Martin Harnik – zuvor mit Gelb-Rot des Platzes verwiesen – im Stadiontrakt und kann den Schlusspfiff kaum erwarten. Dann endlich ertönt der Pfiff des Schiedsrichters Günter Perl und es ist geschafft. Mit 3:2 hat der vor dem Spiel Tabellenletzte VfB Stuttgart den Gegner aus Bremen dank eines irrsinnigen Kraftaktes niedergerungen. Harnik stürmt jetzt auf den Platz, direkt zu dem Kollegen, der die Schwaben mit seinem Treffer in der Nachspielzeit weiter am Leben hält: Daniel Ginczek. Eine Umarmung hier, ein Küsschen dort – das Stuttgarter Glück kennt am Ende kaum noch Grenzen.

Ausrufezeichen im Abstiegskampf

Ganz klar: Der VfB Stuttgart hat mit dem hart erkämpften Erfolg gegen die Bremer ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf gesetzt. Endlich nicht mehr Letzter – die "rote Laterne" hat nun der Hamburger SV. Und der Stuttgarter Sieg war gegen fehlerhafte Bremer verdient. Von Beginn an überzeugten die Schwaben mit mannschaftlicher Geschlossenheit und einem enormen Willen. Aggressiv in den Zweikämpfen, laufstark und auch defensiv stabil stemmten die Stuttgarter sich den Norddeutschen entgegen und untermauerten, dass sie sich seit einigen Wochen im Aufwind befinden.
 
Hinzu kommt, dass Trainer Huub Stevens auch damit richtig lag, seiner Mannschaft eine offensivere Ausrichtung zu verpassen. Wieder einmal war es der Rumäne Alexandru Maxim, der mit vielen Ideen und technischen Feinheiten das Spiel seiner Mannschaft ankurbelte. Neben Maxim gab es an diesem spannenden Sonntagabend aber noch zahlreiche andere Protagonisten auf Stuttgarter Seite. Da ist zum einen der Doppeltorschütze Ginczek, der nach langer Leidenszeit wegen eines Kreuzbandrisses immer besser in Fahrt kommt und noch zum großen Trumpf im Abstiegskampf werden kann. Eiskalt und nervenstark präsentiert sich der Ex-Nürnberger vor dem Tor – vor allem der Siegtreffer in der 90. Minute könnte noch Gold wert sein.
 
Einen denkwürdigen Abend erlebte der bereits erwähnte Harnik. Es war in den Minuten 61 und 62 als, der Österreicher zwei Mal das beinahe Unmögliche fertig brachte. Erst setzte er den Ball völlig freistehend über das Bremer Tor um Sekunden später volley aus drei Metern das leere Bremer Tor zu verfehlen. Unfassbar. "Ich war den Tränen nahe", gab Harnik nach der Partie offen zu. "Das ist für mich unerklärlich. Normalerweise mache ich solche Chancen rein." In der Folge wurde Harnik vom Publikum gnadenlos ausgepfiffen, um - symptomatisch für die Stuttgarter – eine Reaktion zu zeigen und den zweiten Stuttgarter Treffer mustergültig vorzubereiten. In der 84. Minute flog er dann vom Platz.

Viele große Auftritte beim VfB 

So hatten viele Stuttgarter ihren großen Auftritt. Ob Antonio Rüdiger, der sein Comeback feierte, ob der nimmermüde Serey Dié oder Laufwunder Christian Gentner: Sie alle bewiesen, dass mit ihnen in den letzten sechs Bundesliga-Partien zu rechnen sein wird. "Dieser Sieg ist ein kleiner Schritt. Natürlich war er auch gut für den Kopf", brachte Torwart Sven Ulreich noch eine andere Komponente ins Spiel. "Das Wichtigste ist nach einem solchen Spielverlauf, dass wir die drei Punkte mitgenommen haben."
 
Mit dieser wiedergewonnenen inneren Stärke reisen die Schwaben nun nach Augsburg. Und sie alle wissen: Erreicht haben sie noch nichts. „Jedem von uns ist aber bewusst, dass wir weiter schwierige Wochen vor uns haben“, mahnt Kapitän Gentner. „Wir dürfen uns keine Ausrutscher erlauben und müssen bis zum Saisonende Gas geben.“ Das Momentum aber, das hat der VfB nun auf seiner Seite.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer