Zuzenhausen - Auf dem Hügel gegenüber rodelten drei Kinder johlend den Abhang hinunter, als Julian Nagelsmann mit einer Wollmütze auf dem Kopf kurz nach 14.00 Uhr Trainingsplatz 1 betrat. Trotz des Schneetreibens freute sich der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim fast so wie die Kids auf der anderen Straßenseite über den Arbeitsbeginn im neuen Jahr. Gehörigen Anteil daran hatten seine missglückten Ferien.

"Der Urlaub war nicht so schön und auch nicht so erholsam. Die Familie war nur krank und lag fast zwei Wochen mit Fieber im Bett", sagte der Vater eines Jungen, kurz bevor er die einzig ungeschlagene Mannschaft im deutschen Profifußball zum Trainingsauftakt im TSG-Zentrum in Zuzenhausen bat: "Ich konnte deshalb viel Videostudium betreiben und bin voller Tatendrang."

"Über den Schweinehund gehen"

Dass der Tabellenfünfte auf ein Trainingslager im Süden verzichtet, sieht Nagelsmann trotz der Kälte als Vorteil. "Wir haben sehr gute Bedingungen, inklusive der Rasenheizung", sagte der 29-Jährige: "Man muss ein bisschen über den Schweinehund gehen. Aber ich will keinen großen Unterschied haben, was das Klima angeht. Das ist für den Körper nicht so einfach. Und ich wollte keine zwei Reisetage."

Die Profis stehen hinter dieser Entscheidung. "Natürlich wäre es bei höheren Temperaturen angenehmer", sagte Kapitän Eugen Polanski: "Es geht aber nicht um das Angenehme, es geht um den Erfolg. Der Tenor in der Mannschaft war, dass das in Ordnung ist. Und das bisschen Schnee verkraften wir schon."

Als 6. Mannschaft in der Historie nach 16 Spielen noch ungeschlagen

Und so wollen die Kraichgauer also in heimischen Gefilden den Grundstein für weitere Erfolge legen. "Wir werden sehr fleißig arbeiten. Wir können noch dominanter auftreten. Wir wollen unsere fußballerische Qualität noch mehr auf den Acker kriegen", sagte Nagelsmann, der mit seinem Team zum Abschluss der Hinrunde am 21. Januar bei seinem Ex-Club FC Augsburg ran muss: "Und es ist ganz wichtig, dass wir nie die Bodenhaftung verlieren."

Diese Herangehensweise hat sich in den vergangenen Monaten ausgezahlt. Die TSG ist die sechste Mannschaft in der Bundesliga-Historie, die nach 16 Spieltagen noch keine Niederlage (zehn Unentschieden, sechs Siege) kassiert hat. Die bisherigen fünf Clubs, die diese Zwischenbilanz vorweisen konnten, landeten am Saisonende alle unter den besten Vier - vier der fünf wurden sogar Meister (nur Bayer Leverkusen nicht).

SID