ANZEIGE

Brüssel – Mit dem Abpfiff kam der befreiende Jubel. Zwar hüpften die Dortmunder Spieler nicht wie von der Tarantel gestochen über den Rasen im Stadion Constant Vanden Stock und erdrückten sich auch nicht am Boden liegend im Rudel. Aber dennoch war sofort ersichtlich: Dieser Sieg war enorm wichtig für die Seele der Borussia.

Mit dem 3:0 beim belgischen Rekordmeister haben die Schwarz-Gelben die sportliche Negativwoche in der Bundesliga, mit nur einem Punkt aus drei Spielen, fast auf einen Schlag vergessen gemacht.

Kehl sorgt für Stabilität

"Die Mannschaft hat eine Reaktion zeigen wollen. Das hat man ihr auch angesehen. Der Sieg hilft uns, in der Champions League gut dazustehen. Jetzt wird es Zeit für uns, in der Bundesliga wieder zu gewinnen", erklärte Routinier Sebastian Kehl, der nach überstandenen Adduktorenproblemen wieder für Stabilität im Mittelfeld sorgte.

Doch so dominant, wie es das Ergebnis aussagt, verliefen die 90 Minuten im Brüsseler Stadtteil Anderlecht nicht. Denn erneut stand die BVB-Defensive nicht sattelfest und lud die Hausherren vor allem im zweiten Durchgang immer wieder zu gefährlichen Aktionen ein.

Abwehrleistung ausbaufähig

"Mit ein bisschen Pech hätte es noch eng werden können. Das versuchen wir noch aus unserem Spiel herauszubekommen. Nach dieser schlechten Woche haben wir gegen Anderlecht vom Ergebnis und von der Leistung der gesamten Mannschaft aber den richtigen Schritt gemacht", meinte Abwehrchef Mats Hummels.

Auch Trainer Jürgen Klopp war nicht so richtig von der Abwehrleistung seiner Kicker überzeugt. "Wir haben es nicht perfekt, aber leidenschaftlich verteidigt und brauchten in manchen Momenten das Glück, das wir heute dann auch hatten", so Klopp. Nach zuletzt je zwei Gegentoren in den vergangenen drei Bundesliga-Partien sei das Zu-Null gegen Anderlecht aber "das Krönchen" für einen "hochverdienten Sieger".

Ramos zeigt sich hellwach

Dass die Gäste nach einer Drangphase der Hausherren die Schlussphase dann doch recht entspannt angehen durften, dafür sorgte Adrian Ramos. Der Kolumbianer zeigte sich nach seiner Einwechslung in der 65. Minute hellwach und baute mit einem Doppelpack die Führung von Ciro Immobile zum Endstand aus.

"Ich bin natürlich überglücklich. Zum einen über den Sieg und zum anderen über meine beiden Tore. Ich hoffe sehr, dass es für uns und für mich jetzt so weitergeht", freute sich der 28-jährige Stürmer im Interview mit bundesliga.de.

Favoritenrolle gegen Hamburg

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt den Dortmundern aber nicht. Denn schon am Samstag geht es in der Liga mit einem Heimspiel gegen den bislang noch sieglosen HSV weiter. "Die Tabellenposition der Hamburger sollte uns nicht interessieren. Wir müssen am Samstag raus auf den Platz gehen und mit allen Mitteln versuchen, diese drei Punkte einzufahren. Denn das ist es, was wir jetzt brauchen", forderte Ramos.

Weltmeister Hummels wollte aufgrund der klaren Rollenverteilung aber nicht von einem Selbstläufer sprechen: "Zuhause gegen Hamburg sind wir der Favorit. Da brauchen wir nicht drumherum reden. Mit dem neuen Trainer hat der HSV aber eine laufintensivere und schwieriger zu bespielende Mannschaft. Das werden wir uns die nächsten Tage noch einmal genau anschauen."

Aus Brüssel berichtet Michael Reis