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Leverkusen - In Leverkusen wurde Rene Adler einst zum Nationaltorhüter. 2012 wechselte er zum Hamburger SV, mit dem er nun bei seiner Rückkehr eine bittere 0:4-Niederlage in der BayArena einstecken musste. In einer schwachen Hamburger Mannschaft war der 30-Jährige mit Abstand der beste Spieler und verhinderte mit zahlreichen Paraden eine weitaus höhere Niederlage. Nach dem Abpfiff stellte er sich zum Interview.

Frage: Rene Adler, die Rückkehr nach Leverkusen haben Sie sich sicher anders vorgestellt. Was ist heute bei der 0:4-Niederlage schief gelaufen?

Rene Adler: Rückkehr hin oder her. Es geht nicht um Einzelschicksale oder darum, wer spielt und wer nicht, und wer überhaupt im Kader ist. Es geht darum, dass wir uns als Mannschaft jetzt irgendwie aus der Situation herausziehen. Und uns gut präsentieren. Wir müssen irgendwie punkten. Das hat gegen Leverkusen nicht geklappt. Wenn man schon nach sieben Minuten einem Rückstand hinterherlaufen muss (Topdaten zum Spiel) , wird es schwer, gegen so eine Klassemannschaft zu bestehen. Uns ist dann nichts mehr eingefallen, um das Ruder noch einmal herumzureißen.

"Es fällt schwer, Erklärungen zu finden"

Frage: Haben Sie eine Erklärung für den Auftritt?

Adler: Es fällt schwer, nach so einem Spiel Erklärungen zu finden, und es fällt ebenso schwer zu sagen, dass wir eigentlich zwei sehr gute Trainingswochen hatten, in denen wir uns auf dieses Spiel fokussiert haben und wussten, dass wir eine Top-Leistung brauchen, um hier etwas mitzunehmen. Das ist uns nicht gelungen. Aber wir müssen jetzt weitermachen. Wir wissen, dass wir genug Qualität haben.

Frage: Was hat der Trainerwechsel gebracht?

Adler: Wenn man so ein Spiel abliefert und so chancenlos ist, hat man als Mannschaft nicht viele Argumente.

"Wichtig, dass wir in die Kurve gegangen sind"

Frage: Was macht Ihnen für die verbleibenden sieben Spiele Hoffnung?

Adler: Wir haben noch diese sieben Spiele (zum Restprogramm der Abstiegskandidaten). Wir haben schon im letzten Jahr eine solche Phase durchleben müssen. Ob wir gewinnen oder verlieren, das nächste Spiel ist das Entscheidende. Auch wenn sich das jetzt platt anhört. Es ist so. Wenn wir gewonnen hätten, hätten wir uns gefreut und kurz durchgeatmet. Aber der Druck wäre im nächsten Heimspiel gegen Wolfsburg genauso da gewesen. Jetzt haben wir verloren. Wir müssen gucken, dass wir das Spiel aufarbeiten, die Köpfe hochkriegen und die Lehren aus dem Spiel ziehen, um unser Heimspiel erfolgreich zu bestreiten. Wir müssen die Fehler abstellen und ein paar positive Erlebnisse herausarbeiten, an den wir uns ein bisschen nach oben ziehen können.

Frage: Wie haben Sie nach dem Abpfiff die Aktion mit den Fans erlebt? Sie haben sich den Fans gestellt und lange mit ihnen diskutiert.

Adler: Als Fußballspieler habe ich auch schon viel erlebt. Man kann sich als Spieler nicht nur in den guten Zeiten hofieren und bejubeln lassen. Auch die anderen Zeiten gehören dazu. Es war wichtig und richtig, dass wir geschlossen in die Kurve gegangen sind und uns mit den Fans ausgetauscht haben, die uns abermals in einem Auswärtsspiel so unterstützt haben und dafür Hunderte von Kilometern gefahren sind, in der Hoffnung, dass die Mannschaft gewinnt. Das haben wir nicht geschafft. Natürlich sind dann auch großer Unmut und Negativreaktionen zu spüren. Dem haben wir uns dem als Männer gestellt.

Frage: Wie läuft so etwas ab? Geht man dorthin, lässt sich beschimpfen und hält das aus? Oder gibt es einen Dialog?

Adler: Es gibt solche und solche Reaktionen, aber in der Mehrzahl wollen die Fans genau das, was wir auch wollen. Wir wollen in der Bundesliga Fußball spielen. Bei den Fans ist eine große Enttäuschung zu spüren. Sie geben alles und tragen ihr Möglichstes dazu bei, dass wir als Mannschaft erfolgreich spielen. Und das haben wir in Leverkusen nicht geschafft. Es ist unglaublich wichtig, dass wir die Fans im Rücken haben. Leider sind sie ja schon leidgeprüft, aber wir hoffen, dass wir mit ihnen die Saison noch zu einem guten Ende führen können.

Frage: Die Leverkusener Spieler waren überrascht über die fehlende Gegenwehr das HSV (Stimmen zum Spiel). Waren Sie auch überrascht?

Adler: Nein. Überrascht ist auch das falsche Wort. Ohne die richtig gute Leistung der Leverkusener schmälern zu wollen, haben wir uns heute auch ein bisschen selbst geschlagen. Und während dann bei uns nichts mehr geklappt und uns der Mut verlassen hat, hat bei Bayer 04 alles funktioniert. Wir müssen jetzt gucken, dass wir das Ding am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg wieder drehen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski