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München - Ryan Babel ist in jeder Beziehung ein vielschichtiger Profi. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hat sich der im Winter vom FC Liverpool zu 1899 Hoffenheim gewechselte Angreifer in dieser Saison zum echten Leistungsträger gemausert - mit explosivem Antritt auf dem Rasen und eher außergewöhnlichen Hobbies abseits des Platzes. bundesliga.de stellt den Nationalspieler aus den Niederlanden näher vor.

Heimat

Babel wurde am 19. Dezember 1986 in Amsterdam geboren und wuchs in Bijlmermeer auf, einem sozialen Brennpunkt im Südosten der Stadt, in dessen direkter Nachbarschaft Ajax seine weltberühmte Nachwuchsakademie eingerichtet hat. Für viele Jugendliche dort stellt der Fußball eine der wenigen Möglichkeiten dar, der eher deprimierenden Wirklichkeit der Hochaussiedlung zu entkommen.

Wurzeln

Wie etwa 60 Prozent der Bewohner von Bijlmermeer stammt auch Babels Familie ursprünglich aus Suriname, der einstigen niederländischen Kolonie an der norwestlichen Küste Südamerikas. Der 24-Jährige besitzt daher eine doppelte Staatsbürgerschaft, entschied sich jedoch wie seine berühmten Vorgänger Ruud Gullit, Clarence Seedorf, Patrick Kluivert oder Edgar Davids für eine Nationalmannschaftskarriere in "Oranje".

Lehrjahre

Nachdem Babel in der Jugend erst für den SV Diemen und Fortius Amsterdam gespielt hatte, wurde sein Potential 1998 von den Ajax-Scouts entdeckt. Ab seinem elften Lebensjahr genoss er die Ausbildung in der renommierten Akademie des größten Vereins im Lande - und reifte dort zum vielseitig einsetzbaren Angreifer. Den ersten Profivertrag erhielt er dann mit 18.

Durchbruch

Am 20. November 2004 wechselte Ajax-Chefcoach Ronald Koeman den seinerzeit erst 17-Jährigen im Spiel gegen De Graafschap erstmals ein - und dem Debütanten gelang sofort sein erstes Tor. Ein Star war geboren, bis zum Saisonende folgten insgesamt 20 Einsätze mit beachtlichen sieben Treffern. Bereits im März 2005 verhalf Nationaltrainer Marco van Basten dem Shootingstar zur Länderspielpremiere gegen Rumänien - und Babel dankte es wiederum mit seinem ersten, einem zugleich historischen Tor: Seit 1937 war kein Torschütze der "Elftal" mehr jünger als der 1,85-Meter-Mann damals.

Karriereknick

Nach 72 Partien für Ajax (14 Tore) erschien Babel 2007 dann bereit für die nächste Stufe auf der Karriereleiter, den Sprung zu einem internationalen Spitzenclub. Dem FC Liverpool waren seine Dienste damals um die 18 Millionen Euro wert, dennoch kam der hochveranlagte Offensivmann dort kaum über die Rolle des Einwechsel- und Ergänzungsspielers hinaus. Zwölf Tore in 91 Partien in der Premier League waren für die Ansprüche der "Reds" wohl zu wenig. Hoffenheim erkannte in der Nebenrolle des Niederländers eine Chance und lotste den Rechtsfuß von der Anfield Road in den Kraichgau.

Hoffenheim

Vor seinem Wechsel zu 1899 wusste Babel dennoch sicherlich nicht so ganz genau, wo der Kraichgau liegt. Nichtsdestotrotz hat sich der Niederländer dort zwischenzeitlich gut akklimatisiert und zu alter Stärke zurückgefunden. Im offensiv ausgerichteten System von Trainer Holger Stanislawski genießt er nahezu alle Freiheiten - und erzielte in den ersten acht Spielen der laufenden Saison schon vier Tore.

Stärken

Babel kann in der Offensive auf nahezu allen Positionen eingesetzt werden, erweist sich dazu auf dem Platz nicht nur als kopfballstark und robust, sondern vor allem als pfeilschnell. Die Geschwindigkeit liegt sozusagen schon in seinen Genen: Vater und Mutter waren als 100- und 200-Meter-Läufer in der Leichtathletik aktiv. Obendrein wird im Kraftraum von 1899 gezielt an der Waden- und Oberschenkelmuskulatur geschuftet.

Musik

Seine Freizeit verbringt Babel als Wortakrobat am Mikrofon, unter seinem Rapper-Pseudonym "Rio" veröffentlichte er vor einigen Jahren mit seinen Freunden Darryl, Ali B. und Soumia einen Song mit dem vieldeutigen Titel "Eeyeeyo", der sogar wochenlang auf Platz 1 der niederländischen Singlecharts stand. Auch für die verborgenen Gesangstalente seiner Mitspieler hat er ein Gespür und stellte im April ein Video ins Internet, in dem sein damaliger Teamkollege David Alaba während einer Autobahnfahrt eine ebenso lautstarke wie eigenwillige Interpretation von Justin Biebers "Baby" darbot.

Internet

Während andere Profis das eigene Privatleben eher zu verbergen versuchen, hält Babel seine Fans via Web 2.0 stets auf dem Laufenden. Ob Facebook-Profil, eigener Youtube-Kanal oder ein Twitter-Account mit an die 300.000 Followern - der Niederländer ist einfach auf allen Plattformen aktiv. Wer dort vorbeischaut, erfährt zwischen Guten-Morgen-Grüßen und Kalendersprüchen zeitnah, wann der 24-Jährige etwa von seiner Jogastunde zurück ist.

Fehltritt

Diese offensive Art der Außendarstellung kann aber auch nach hinten losgehen: Zum Beispiel verunglimpfte Babel einst nach einer 0:1-Pleite mit Liverpool bei Manchester United den Schiedsrichter Howard Webb, den er in einer via Twitter verbreiteten Fotomontage im Trikot der "Red Devils" zeigte - was eine saftige Geldstrafe seitens des Verbands nach sich zog. Dennoch gehört die bedingungslose Ehrlichkeit zu seinen besonderen Eigenheiten: "Ich werde vielleicht nicht immer das richtige sagen, dafür aber immer das Herz an der richtigen Stelle tragen", charakterisiert sich der Stürmer selbst im Internet.



Stefan Missy