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Hannover - Die Gänsehaut überkam Teemu Pukki am Sonntagabend, kurz vor halb sechs. Gut 5.000 mitgereiste Schalke-Fans skandierten seinen Namen, während der 21-Jährige mit weichen Knien in Richtung Fankurve trottete. Nur Minuten zuvor hatte der flinke Finne den "Königsblauen" mit zwei Treffern noch ganz cool einen Punkt gegen Hannover gerettet.

"Ich muss zugeben, dass ich am Anfang etwas schüchtern war und mich nicht so richtig getraut habe", schilderte der Stürmer später. Doch für was hat man in so einer Situation erfahrene Mitspieler? Christian Fuchs schubste seinen jungen Kollegen kurzerhand in Richtung Anhang, wo er mit Sprechchören empfangen wurde. Pukkis Einschätzung: "Ein unbeschreibliches Gefühl!"

"Ich wollte wirklich zeigen, was ich kann"

Der junge Finne hatte gegen 96 die Gunst der Stunde genutzt. Als Ersatz des an der Nase verletzten Klaas-Jan Huntelaar avancierte er bei seinem Startelfdebüt zum besten Schalker - und zum Liebling des Anhangs. "Ich wollte wirklich zeigen, was ich kann", sagte Pukki, der weiß, dass er schon im nächsten Spiel wieder auf der Bank sitzen könnte. "Klaas-Jan ist völlig zu Recht gesetzt, wenn er zurückkommt", sagte der Skandinavier, richtete aber auch einen dezenten Hinweis an seinen Trainer: "Ich möchte natürlich so viel wie möglich Spielen." Er könne auch die Positionen links oder rechts besetzen, merkte er an.

Sein Coach Huub Stevens hatte dann auch ein paar warme Worte parat: "Er hat ständig für Gefahr gesorgt", lobte der Niederländer: "Das Spiel war ihm auf den Leib geschneidert. Er sollte den Hannoveraner Abwehrspielen immer wieder einmal entwischen. Das hat auch geklappt." Auch Manager Horst Heldt geriet ins Schwärmen: "Er hat gezeigt, was er kann. Teemu hat seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Er ist sehr schnell." Und weiter: "Die Fans mochten ihn schon vorher. Jetzt lieben sie ihn noch mehr."

Pukki hat gegen Hannover erneut sein Gespür dafür bewiesen, sich im richtigen Moment ins Rampenlicht zu spielen. Ähnlich gutes Timing verschaffte ihm Ende August erst seinen Vertrag bei den "Knappen": Im Trikot von HJK Helsinki trumpfte er in den Europa-League-Playoffs gegen Schalke auf.

Vertrag für den "Schalke-Schreck"

Zwei Tore im Hinspiel, eines im Rückspiel und deutschlandweit als "Schalke-Schreck" in den Schlagzeilen - diese Empfehlung reichte den Verantwortlichen der "Königsblauen" Ende August für ein Angebot. "Er hat in beiden Spielen gegen uns gezeigt, wozu er in der Lage ist", sagte Manager Heldt. Kurz vor Transferschluss besiegelten Club und Spieler den Wechsel. Bis 2014 unterzeichnete der Angreifer.

"Ralf Ragnick hat mich nicht für die Bank geholt", sagte Pukki damals, da sei er sich sicher. Angesichts namhafter Konkurrenten vom Kaliber Raul und Huntelaar sollte sich diese Prognose erst einmal nicht bewahrheiten. Dabei war Pukki seit frühester Jugend den Vergleich mit großen Namen gewöhnt.

In den Notizblöcken von Chelsea, Juve und Sevilla

In seiner finnischen Heimat war Pukki bereits im Jugendbereich eine große Nummer, die Medien handelten ihn als größtes Talent seit Mikael Forssell und Jari Litmanen. Kurz nach seinem 16. Geburtstag debütierte er für den FC KooTeePee in der höchsten finnischen Spielklasse.

Als bester Torjäger schoss er sich dann während der Qualifikation zur U-17-Europameisterschaft ins Rampenlicht - und in die Notizbücher der Talent-Scouts aus ganz Europa. Chelsea, Juventus Turin und der FC Sevilla hatten damals ihre Fühler nach dem Talent ausgestreckt.

Die Spanier machten schließlich das Rennen. Anfang 2008 wechselte Pukki zum spanischen Traditionsclub. "Ich glaube, dort kann ich mich als Fußballer am besten entwickeln", sagte der damals 17-Jährige. Um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern, zog seine Mutter für ein Jahr mit nach Spanien.

Verheißungsvolles Versprechen aus Finnland

Als eines der "verheißungsvollsten Versprechen im europäischen Fußball" bezeichnete ihn die spanische Sportzeitung "Marca" bei seiner Verpflichtung. Auf den Spuren des einstigen Barca-Spielmachers Jari Litmanen sollte er in Spanien zum nächsten großen finnische Exportschlager reifen, so die Erwartung.

Doch es kam anders: Pukki setzte sich nicht durch, spielte hauptsächlich für Sevilla Atletico, die zweite Mannschaft der Andalusier. Erst im Dezember 2008 berief ihn Trainer Manuel Jimenez in den Kader der A-Mannschaft, doch die Partie gegen Real Madrid verfolgte Pukki von der Bank. Einen Monat später stand er beim 0:2 der "Rojiblancos" gegen Racing Santander für 28 Minuten auf dem Rasen und stürmte neben Größen wie Luis Fabiano und Frederic Kanoute. Es sollte Pukkis einziger Einsatz für die erste Mannschaft der Andalusier bleiben.

Sevilla eine Nummer zu groß

Der FC Sevilla erwies sich als eine Nummer zu groß. Im Sommer 2010 kehrte der Blondschopf in seine finnische Heimat zurück. Dort setzte er sich bei HJK Helsinki durch, traf 13 Mal in 24 Spielen.

Nach seinen folgenreichen Auftritten gegen Schalke im Sommer bekam er die nächste Chance in einer europäischen Top-Liga - und am 12. Spieltag endlich auch in der Startelf. Dass er seine Gelegenheiten inzwischen zu nutzen weiß, hat er gegen 96 bewiesen. Und auch der Jubel nach Spielschluss dürfte ihm künftig keine Schwierigkeiten mehr bereiten.

Andreas Messmer