ANZEIGE

Am 5. Juli 1984 spielte eine ganze Stadt verrückt. Mehr als 80.000 Zuschauer drängten sich im "Stadio San Paolo" von Neapel: nur um einen einzigen Spieler zu sehen, der lediglich offiziell vorgestellt wurde. Der Wechsel von Diego Armando Maradona aus Barcelona zum SSC Neapel war der Beginn einer Verehrung durch die süditalienischen Tifosi, die wohl unvergleichlich in der Fußball-Geschichte geblieben ist.

Wer sich allerdings in diesen Tagen mit offenen Augen und Ohren durch Köln bewegt, der wird nichts anderes erwarten, sollte Lukas Podolski im Sommer als offizieller Neuzugang im RheinEnergie Stadion vorgestellt werden. 25 Jahre nach Maradonas Auftritt dürfte allein die Anwesenheit Podolskis für 50.000 volle Plätze im Stadion des FC sorgen.

Seit die ersten Gerüchte um die Rückkehr des Nationalstürmers die Runde durch die Kölner Stadtteile machten, gibt es kein Halten mehr. Und nicht nur unter den üblichen Fußball-Fans.

Neben einigen anderen Kölner Musikern beteiligte sich sogar das WDR-Rundfunkorchester mit "Holt den Lukas nach Haus" an einer wahren Lieder-Offensive, in der sich alles um die Rückkehr des "verlorenen Sohnes" dreht.

"Lukapoldi" in Thailand

Inzwischen werden diverse Internet-Foren von Glückwünschen überflutet, Podolski-T-Shirts aller Art stehen zum Verkauf und der in Thailand beheimatete FC-Fanclub "jeck op Kölle" will sein Fan-Mobil, ein thailändisches Tuk-Tuk, auf den Namen "Lukapoldi" taufen.

In und um Köln wunderte es auch keinen, dass am 11.11.2008 der Verein "comPoldicom" gegründet wurde, "der zum einzigen Ziel hat, Lukas Podolski nach Köln zu holen." So steht es auf der Homepage von www.comPoldi.com.

Elf Gründungsmitglieder stellten diesen gemeinnützigen Verein auf die Beine, der heute von fast 10.000 Mitgliedern unterstützt wird. Wer mitmachen möchte, kann freiwillig einen Jahresbeitrag von 11, 22, 33 und so weiter bis maximal 111 Euro zahlen.

"Kleine Kultbewegung"

"Wir haben es geschafft, mit comPoldicom eine kleine Kultbewegung zu schaffen", sagt Bernd Schnitter. Der Präsident von comPoldicom ist selbst überrascht, aus welchen Ecken des Landes die Hilfe kommt. "Wir haben ebenso Mitglieder aus dem tiefsten Bayern wie aus Ostfriesland und viele aus dem Ausland. Wir haben eher mit Unterstützern aus Köln und Umland gerechnet", so Schnitter, der hauptberuflich eine Klinik für Suchtkranke leitet. Auch prominente Mitglieder wie Jürgen Flimm, der Intendant der Salzburger Festspiele, stehen hinter der Podolski-Bewegung.

Hat comPoldicom also einen entscheidenden Beitrag zum Transfer Podolskis beigetragen? Ja und nein. Ja, denn die emotionale und psychologische Komponente sei laut Schnitter mitentscheidend gewesen. Podolski sei über die große Begeisterung in Köln immer informiert gewesen, und gerade Lukas Podolski brauche das richtige Umfeld, um Spitzen-Leistung zu bringen und um dem Druck standzuhalten.

"Elf neue Podolskis"

Nein, denn "es ist kein Geld von uns in den Transfer geflossen. Das hat der FC alleine gestemmt. Und darüber sind wir auch froh, denn jetzt können wir unser eigentliches Hauptziel angehen: Wir wollen Spitzenfußball in der Jugendarbeit des FC fördern, damit irgendwann elf neue Podolskis aus Köln kommen", erklärt Schnitter, der sich in Kürze mit den Verantwortlichen des 1. FC Köln treffen wird, um über das Thema Jugendförderung zu sprechen.

Der Transfer Podolskis wird jetzt von comPoldicom auf der Homepage als "Zwischenziel" gefeiert. Und die Anmeldungen reißen auch nicht ab. "Wir geben jetzt erst richtig Vollgas, jetzt geht es erst richtig los. Wir haben auch schon ein paar Sachen vorbereitet", deutet Schnitter einen heißen Kölner Podolski-Sommer an…

Stefan Kusche