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Köln - Noch vor knapp zwei Monaten fing das Club-Denkmal an zu bröckeln: Der "Prinz" musste abdanken. In der Vorbereitung auf die neue Spielzeit sorgte Stale Solbakken für einen Paukenschlag. Der neue Trainer des 1. FC Köln nahm Lukas Podolski die Rolle des Mannschaftsführers ab und ernannte Pedro Geromel zum neuen Kapitän. Mit dieser Maßnahme scheint der Norweger im Nachhinein alles richtig gemacht zu haben: Podolski spielt derzeit nämlich besser denn je!

Nach neun Spieltagen hat der 93-malige deutsche Nationalspieler bereits sechs Treffer auf seinem Konto. So gut war er in der Bundesliga noch nie, weder beim FC noch in seinen drei Jahren beim FC Bayern München. Seine Bestmarke zu diesem Zeitpunkt lag bislang bei drei Treffern. bundesliga.de nennt die Gründe für den Leistungsaufschwung der Kölner Identifikationsfigur.

Deutlich effektiver

Der 1. FC Köln stellt mit 15 Treffern die viertstärkste Offensive der Bundesliga, nur Werder Bremen (16), Schalke 04 (18) und Bayern München (25) sind noch torgefährlicher. Einen großen Anteil daran hat Podolski, war er doch an zehn der 15 FC-Treffer direkt beteiligt. Damit ist er unangefochten Kölns Topscorer. "Poldi ist einfach Wahnsinn. Wir müssen hinten nur die Null halten. Er macht das dann vorne schon", lobte jüngst der slowenische Nationalspieler Miso Brecko nach dem 2:0-Sieg gegen Hannover 96.

Podolski strotzt derzeit nur so vor Selbstvertrauen. Das stellten seine zwei Treffer gegen Hannover eindeutig unter Beweis, schließlich waren beide von der Marke "Weltklasse". Einem gefühlvollen Freistoß folgte ein fulminanter Schuss mit dem linken Außenrist aus spitzem Winkel von links. Solbakken verglich seinen Stürmer-Star angesichts solcher Geniestreiche sogar mit dem derzeit wohl besten Fußballer auf dem Erdball. "Messi hat vielleicht mehr Finesse im linken Fuß. Aber Poldis Power-Fuß ist einmalig auf der Welt", so der Norweger.

Im Abschluss zeigt sich der 26-Jährige deutlich effektiver als noch in den Vorjahren. Bei den Rheinländern gab er die meisten Torschüsse ab (21). Im Schnitt brauchte er damit nicht einmal vier Torschüsse für ein Tor. In seiner gesamten Karriere zuvor brachte er dagegen nur jeden achten Torschuss im gegnerischen Gehäuse unter.

Top-Vorlagengeber

Aber der Stürmer glänzt nicht nur als Vollstrecker, sondern auch als Vorlagengeber. Der deutsche Nationalspieler bereitete vier Tore vor - das ist Kölner Bestwert. "Deshalb ist er einer der besten Spieler Deutschlands - wenn nicht gar der beste Spieler", sagte sein Teamkollege Christian Eichner.

Dabei kommt Podolski die neue Spielanlage unter Solbakken deutlich zu Gute. Der Norweger hat schnell erkannt, dass Podolski kein Strafraumwühler ist und lässt die "Geißböcke" aus einer kompakten Defensive heraus kontern. In diesem System blüht der Angreifer auf, kann er dort doch seine Schnelligkeit ausspielen.

Podolski und Novakovic - das passt

Auch das Zusammenspiel mit seinem etatmäßigen Sturmpartner Milivoje Novakovic funktioniert immer besser. Dabei hieß es lange Zeit, Podolski und Novakovic würden nicht harmonieren: Von wegen. Seit seiner Rückkehr zum FC im Jahr 2009 gab der Kölner Publikumsliebling insgesamt 15 Torvorlagen, sieben davon für den Slowenen. Und umgekehrt klappt es auch: Die beiden Treffer von Podolski beim 4:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen bereitete jeweils Novakovic vor.

Nach dem 2:0-Sieg gegen 1899 Hoffenheim am 7. Spieltag adelte Solbakken Podolski als den "vielleicht besten Bundesligaspieler". Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler ist intakt. "Nach dem zweiten Tor habe ich gesehen, wie unser Trainer da stand und die Fäuste ballte. Da habe ich mir gedacht: Komm, lauf zu ihm. Das war sicher ein schönes Bild", sagte "Poldi" nach dem Sieg gegen 96. "Er ist ein echter Leader", antwortete Solbakken.

Der Norweger scheint zu wissen, wie man aus dem Stürmer die bestmöglichste Leistung herauskitzeln kann. Das Wegnehmen der Kapitänsbinde sorgte zu Saisonbeginn zwar für viel Unruhe, der Leistung von Podolski hat es jedoch nicht geschadet. Ganz im Gegenteil.

Robin Schmidt