ANZEIGE

Mainz - Julian Baumgartlinger will nicht falsch verstanden werden, der Mittelfeldspieler von Mainz 05 trauert wie alle in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt abenteuerlichen Europapokalabenden hinterher. Aber nun, da es nicht mehr zu ändern ist, versucht der 26-Jährige den Gegebenheiten eben Positives abzugewinnen.

Baumgartlinger sagt, dass der VfL Wolfsburg am Donnerstag noch die weite Reise nach Russland antreten und das Europa-League-Spiel gegen FK Krasnodar bestreiten müsse, sei sicherlich kein Nachteil für seinen FSV. Am kommenden Sonntag tritt der Tabellendritte aus Mainz zum Ligaspiel in Wolfsburg an, die Belastung aus internationalen Einsätzen fällt für die Mainzer ja weg nach dem Aus in der Qualifikation gegen den griechischen Vertreter Asteras Tripolis.

Und dennoch: Mehr Belastung für Wolfsburg hin oder her - ein leichtes Spiel werde das nicht: Einerseits sei Wolfsburg eine klasse Mannschaft, sagt Baumgartlinger, aber nach acht Siegen ohne Niederlage, dem besten Saisonstart in der Mainzer Bundesligahistorie, sei bei Nullfünf das Vertrauen in die eigene Stärke nun groß: "Unsere Mannschaft hat einen sehr guten Charakter. Wir sind nur schwer zu besiegen und spielen sehr effizient nach vorne“, stellt er überzeugt fest.

Garant für Stabilität im Mainzer Spiel

Übertreiben aber will der realistische Teamspieler nie, etwa von einem "Siegergen“ möchte er lieber nicht sprechen, schließlich stünden ja auch vier Unentschieden in der Statistik, auch manch glückliches - wie zum Beispiel jenes in Mönchengladbach, sagt Baumgartlinger.

Noch vor acht Wochen rechnete auch der Mann mit der dunklen Lockenpracht nicht mit einer derart positiven Entwicklung. Das Aus in Europa-League und DFB-Pokal erhoben den Start unter dem neuen Trainer Kasper Hjulmand in den Stand der Krise. Doch Ende Oktober ist die negative Stimmung in Mainz verflogen als sei sie nie dagewesen. Es sei normal, findet Baumgarlinger, dass es Zeit brauche, bis eine Mannschaft den Übergang zu einem neuen Trainer mit neuen Ideen schaffe. Doch mittlerweile sei auch das Deutsch des Dänen Hjulmand so gut und die Philosophie des Trainers so weit verinnerlicht, das vieles fast schon von alleine laufe.

Baumgartlinger ist zusammen mit Johannes Geis im zentralen Mittelfeld ein Garant für Stabilität im Mainzer Spiel. Geis gibt den Passgeber im Spielaufbau, oft zwischen den eigenen Innenverteidigern. Er, „schwirre da dann ein bisserl um den Johannes herum“, erklärt Baumgartlinger die Aufgabenverteilung. Mit seiner Laufstärke und seinem geschickten Timing bei der Balleroberung ist der Österreicher das Schwungrad im Mainzer Spiel, Geis der Taktgeber.

Auch Stammplatz in Österreichs Nationalelf

Es ist dabei nicht ohne Ironie, dass U 21-Nationalspieler Geis in der vergangenen Saison wachsen konnte, weil Baumgartlinger nach einer Meniskus-OP im linken Knie lange ausgefallen war. Die Entwicklung von Geis habe ihn begeistert, auch wenn das Zuschauen geschmerzt habe, erzählt Baumgartlinger. Die mehrmonatige Verletzungspause habe ihn mehr geprägt als der Wechsel aus Salzburg mit 13 Jahren zum TSV 1860 München.

"Auf Krücken zu gehen, war ich nicht gewohnt. Man lernt wieder die einfachen Dinge wie Treppensteigen schätzen“, sagt der kommunikative Profi. In Mainz läuft sein Vertrag nach dieser Saison aus. Noch gab es keine Gespräche über eine Verlängerung. "Ich wollte nach der Verletzung erst komplett gesund werden und auf Einsätze kommen.“ Was dann komme, werde man sehen, sagt Julian Baumgartlinger. So wie er derzeit spielt, sollten die Mainzer schnell das Gespräch suchen.

Mit der der österreichischen Nationalmannschaft will er endlich wieder ein großes Turnier spielen will. Derzeit führt "das Team“ seine EM-Qualifikationsgruppe an. "Wir haben eine Generation mit vielen Stammspielern in der Bundesliga, die auch Spiele entscheiden können“, sagt Baumgarlinger, der in Österreichs Mittelfeld neben Bayern-Star David Alaba seinen Stammplatz hat. Wie in Mainz gehört der reife Profi auch in der Nationalmannschaft seines Heimatlandes zu den Leistungsträgern.

Tobias Schächter