Köln - Am Sonntag treffen in Sinsheim zwei Teams aufeinander, die unterschiedlicher kaum in die Saison hätten starten können. Zum einen Seite die noch ungeschlagen auf Platz 3 stehende TSG 1899 Hoffenheim, auf der anderen der immer noch sieglose Hamburger SV. Vor dem Duell mit dem Abstiegskandidaten spricht Hoffenheims Keeper Oliver Baumann im Interview mit bundesliga.de über den Höhenflug der Kraichgauer und das Wiedersehen mit dem Ex-Trainer Markus Gisdol.

bundesliga.de: Oliver Baumann, wie gut hat Ihnen die Länderspielpause nach den intensiven letzten Spielen in Leverkusen, Köln, gegen Hertha und in München getan? Konnten Sie den Akku für den Schlussspurt bis Weihnachten wieder aufladen?

Oliver Baumann: Auf jeden Fall. Wir hatten am vergangenen Wochenende komplett frei, ich konnte runterfahren und abschalten. Ich bin bereit für die Spiele bis Weihnachten. Wir wollen alles aus uns herausholen und weiterhin viele Punkte holen.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die aktuelle Tabellensituation und die bisherige Punkteausbeute der TSG?

Baumann: Natürlich sehr positiv. Wir sind immer noch ungeschlagen und der Tabellenplatz sowie die Anzahl der Punkte gehen so in Ordnung, wenn man sich die Spiele einzeln anschaut. Ich hoffe, dass wir unsere Leistungen in den kommenden Wochen bestätigen und den eingeschlagenen Weg weitergehen.

bundesliga.de: Vor zwei Jahren blieb Hoffenheim die ersten neun Spiele ungeschlagen, danach gab es drei Niederlagen in Serie. Was stimmt Sie optimistisch, dass die TSG in dieser Saison stabiler ist als vor zwei Jahren?

Baumann: Man kann das nicht vergleichen – die Mannschaft von damals und die von heute unterscheiden sich deutlich. Wir spielen mit sehr viel Selbstvertrauen und sind als Mannschaft einfach stabil – nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben. Am Sonntag haben wir ein Heimspiel. Vor unseren Fans haben wir in dieser Saison bisher immer überzeugt, dass wollen wir auch gegen den HSV tun und drei Punkte holen.

bundesliga.de: Wie überraschend kommt für Sie der Sprung aus den Abstiegsregionen der Vorsaison ins obere Tabellendrittel?

Baumann: Wir hatten vergangene Saison ein richtig bescheidenes Jahr. Ich habe es schon einmal erlebt, dass darauf ein gutes Jahr folgt. Wir sind als Team durch eine Extremsituation gegangen – dabei hat sich etwas entwickelt und gefestigt. Wir haben unter Julian Nagelsmann schon zum Ende der vergangenen Saison sehr intensiv gearbeitet und viele Fortschritte gemacht. Dass wir nach zehn Spieltagen Dritter sind, hätte ich vor der Saison dennoch nicht gedacht. Wir nehmen das aber gerne an und haben uns das auch verdient. Die Arbeit von Julian trägt gerade Früchte.

bundesliga.de: Was zeichnet ihn aus?

Baumann: Zum einen sein großer Fußballsachverstand. Er gibt uns für jeden Gegner einen funktionierenden Plan mit, der uns in die Erfolgsspur bringt. Zudem passt es einfach charakterlich. Er findet eine unglaublich gute Mischung zwischen dem Cheftrainer und einem, der so alt ist wie wir und vor und nach dem Training einfach mal ein paar Bälle auf die Hütte knallt. Er schafft es, jeden einzubinden. Niemand ist außen vor, alle ziehen voll mit.

bundesliga.de: Sie spielen Ihre dritte Saison im Kraichgau. Wie bewerten Sie Ihre Entwicklung? Sind Sie ein besserer Torwart als noch vor drei Jahren?

Baumann: Das hoffe ich doch (lacht). Das ist ja das Ziel der täglichen Arbeit – mich jede Woche und jede Saison zu verbessern. Dazu habe ich mit Julian und meinem Torwarttrainer Michael Rechner die besten Voraussetzungen. Unser Spiel hat sich zuletzt verändert, wir haben mehr Ballbesitz, auch ich habe den Ball häufiger am Fuß. Deshalb habe ich mich auf diesem Gebiet auf jeden Fall weiterentwickelt. Aber auch darüber hinaus. Die Zusammenarbeit mit Michael ist Gold wert und macht im Team mit Alex Stolz und Gregor Kobel unglaublich viel Spaß.

bundesliga.de: Sie haben mit dem SC Freiburg einst international gespielt und können die Situationen vergleichen. Ist Hoffenheim in dieser Saison reif für einen Platz in den Top 6 der Bundesliga? Was haben Sie sich für die weitere Saison vorgenommen?

Baumann: Es ist viel zu früh, darüber zu sprechen. Wir wollen unseren Weg weitergehen. Nach Europa können sie mich im letzten Drittel der Saison noch mal fragen, wenn wir immer noch oben dabei sind. Sicher ist, dass wir in der Mannschaft viel Qualität haben. Es gilt, diese konstant abzurufen. Jedes Wochenende über die gesamte Saison. So eine erste Halbzeit wie in Mainz darf uns beispielsweise nicht mehr passieren.

Video: Oliver Baumann: Mitspielend und mitdenkend

bundesliga.de: Am Sonntag kommt es in Hoffenheim zum Wiedersehen mit dem ehemaligen Trainer Markus Gisdol, der jetzt den Hamburger SV trainiert. Was ist bei Ihnen von der Zusammenarbeit hängen geblieben?

Baumann: Er hat mich zusammen mit Alexander Rosen zur TSG geholt und wir hatten unter ihm ein gutes erstes Jahr. Im zweiten lief es dann nicht mehr so gut. Das passiert im Fußball.

bundesliga.de: Auch unter Gisdol ist der Hamburger SV noch sieglos. Die Hanseaten haben nach zehn Spielen erst zwei Punkte auf dem Konto. Warum könnte die Aufgabe dennoch schwieriger werden als die meisten erwarten? Wie gefährlich ist der HSV?

Baumann: Hamburg steckt in einer extrem schwierigen Situation. Sie kämpfen ums Überleben. Wir kennen das. Wir dürfen nicht auf die Tabelle schauen, sondern müssen einfach unser Spiel machen. Das Ziel muss es sein, ihnen gleich zu Beginn den Zahn zu ziehen, ihnen zu zeigen, dass an diesem Tag in unserem Stadion für sie nichts geht. Dann wird es für den HSV noch schwerer. Wir wollen dieses Spiel gewinnen.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski