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Sekunden nach dem Abfiff stand Miroslav Klose in Gedanken versunken im Mittelkreis, als ihn Joachim Löw aus seinen Träumen riss und sich beim Mann des Abends in der deutschen Nationalmannschaft mit einem Klaps auf die Schulter bedankte.

"Vertrauen zahlt sich im Leben aus", erklärte der Bundestrainer anschließend und freute sich mit dem dreifachen Torschützen, der beim 3:3 (2:2) des Vize-Europameisters gegen Finnland vom Sorgenkind zum Helden von Helsinki avancierte.

"Ich habe nie an mir gezweifelt"

Der zuletzt stark kritisierte WM-Torschützenkönig von 2006, der vier Tage zuvor beim 6:0 der DFB-Auswahl bei Fußball-Zwerg Liechtenstein keinen Treffer verbuchen konnte, blieb nach seinem vierten "Dreierpack" im DFB-Trikot - zuvor war ihm dieses Kunststück 2002 gegen Israel (7:1), Österreich (6:2) und bei der WM gegen Saudi-Arabien (8:0) gelungen - äußerlich aber völlig emotionslos.

"Für mich ist das weder ein Glückstag, noch ein Befreiungsschlag. Ich habe nie an mir gezweifelt und wusste, dass ich wieder treffen werde", sagte der Interims-Kapitän und gab sein Statement nüchtern zu Protokoll.

Kein Salto

Dabei hatte seine Reaktion nach dem 3:3 eine ganz andere Gemütslage verraten. Zwar verzichtete der Bayern-Stürmer auf seinen berühmten Salto, dafür streckte er die zur Faust geballte Hand in den Abendhimmel und schrie seine ganze Freude in Richtung des deutschen Fanblocks hinaus.

"Ich war nur froh, dass wir für unsere Bemühungen noch belohnt worden sind. Deshalb habe ich mich so gefreut", erklärte er mit gewohnt leiser Stimme seine Reaktion auf dem Feld, und fügte dann noch prosaisch hinzu: "Das ist das Schöne und Traurige am Stürmer-Dasein."

Klose zieht an Seeler vorbei

Damit spielte Klose nicht nur auf seine jüngere sportliche Vergangenheit, sondern auch auf die 31. Minute an, in der sich sein Schicksal fortzusetzen schien. Freistehend aus fünf Metern hatte er eine große Chance mit dem Kopf vergeben, "die ich reinmachen musste".

Dass er anschließend in der 38., 44. und 83. Minute, als er jeweils einen Rückstand seiner Mannschaft egalisierte, sein Trefferkonto in der Nationalmannschaft auf 44 hochschraubte und damit in der ewigen DFB-Torjägerliste Ehrenspielführer Uwe Seeler (43) vom 6. Rang verdrängte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen.

Außer vielleicht Uli Hoeneß. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis Miro wieder trifft", sagte der Bayern-Manager am Donnerstag. Der Club habe sich von den Diskussionen über Kloses Form "nicht verrückt machen lassen" und sei "sehr zufrieden" mit dem Angestellten, meinte Hoeneß.

Löw war immer von Kloses Qualitäten übrzeugt

Vereinskollege Philipp Lahm lobte, Klose habe sich "die Tore durch unermüdlichen Einsatz verdient". Und Lukas Podolski, der bei den Bayern mit Klose um den zweiten Platz im Sturm neben Luca Toni kämpft, meinte: "Das war wieder der Miro, den wir kennen."

Dass sich vor dem nächsten "Doppelpack" in der WM-Qualifikation gegen Russland und Wales Mitte Oktober zumindest die Diskussionen um Klose erledigt haben, war auch für Löw eine innere Genugtuung.

"Ich war immer von seinen Qualitäten überzeugt und habe zudem im Training gesehen, dass er sich körperlich entscheidend verbessert hat", sagte der Bundestrainer, der in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit dem früheren Bremer und Lauterer geführt hatte.

Traumberuf Spielerfrau

Klose selbst, der mit Hilfe einer Ballmaschine seine alte Sicherheit im Abschluss gesucht hatte, betonte ebenfalls, "dass man nichts erzwingen, sondern nur im Training erarbeiten" könne. Dass sich die Mühe gelohnt hat, bewies der erfolgreichste Angreifer im aktuellen Nationalmannschaftskreis in Helsinki eindrucksvoll.

Dass nach dem "Dreierpack" im DFB-Team der Stürmerjob über Nacht für ihn wieder zu einem Traumberuf geworden war, wollte Klose so aber nicht bestätigen. "Spielerfrau wäre schöner, aber Stürmer ist auch nicht schlecht", meinte er und musste dann noch einmal kurz lächeln.