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Hamburg - Nach zuvor vier Remis in der Rückrunde kam der Sieg beim Erzrivalen Hamburger SV für Werder Bremen gerade recht. Die ersten mageren vier Pünktchen waren zwar nur bedingt zufriedenstellend, aber nach dem "Dreier" bei den "Rothosen" sollte nun endgültig der Angriff auf die Champions-League-Plätze erfolgen.

Mit dem anschließenden 0:1 im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg wurde der Aufschwung an der Weser aber jäh gestoppt. Acht Punkte beträgt der Rückstand auf Schalke 04 auf Rang 4.

Europa-League-Qualifikation hat erste Prio

Innenverteidiger Sokratis fand nach Spielschluss deutliche Worte. "Wir haben gegen Nürnberg eine sehr wichtige Partie verloren, dadurch ist die Champions League für uns Geschichte. Jetzt kämpfen wir mit drei weiteren Teams um die Teilnahme an der Europa League", sagte der griechische Abwehrchef.

Dass der Trainer nach so einer verpassten Chance auf die Mannschaft einhaut, ist in Bremen nicht üblich. Dass er seine Kicker aber gleich nach dem Abpfiff in die Kabine zur Besprechung beordert, schon eher.

"Das ist nicht gang und gäbe, aber auch keine besondere Maßnahme, dass der Trainer die Mannschaft so zusammenholt, um ein negatives Erlebnis gleich zu verarbeiten", kommentierte Geschäftsführer Klaus Allofs die Aktion. Und er gab auch gleich den Grund mit an: "Die Botschaft des Trainers ist einfach auch, dass es keinen Grund gibt, jetzt an sich zu zweifeln. Denn das könnte ja bei einer so jungen Mannschaft auch passieren. Wir sind enttäuscht, aber es passt alles in unseren Rahmen."

"Wir haben den Kopf ausgeschaltet"

Die Partie gegen die Franken hat aber auch deutlich gezeigt, dass der Weg in die Europa League für das junge Werder-Team noch sehr weit ist. "Wir sind mit zunehmender Spielzeit unruhiger geworden und dann sah es nur noch nach Brechstange aus, das war sicher nicht die beste Antwort, die uns einfallen konnte", übte der erst 18 Jahre alte Tom Trybull Selbstkritik.

Aus den Worten von Trainer Schaaf klang das dann doch ein wenig diplomatischer, auch wenn der Inhalt der Gleiche ist: "Uns hat das Führungstor gefehlt, um uns zu bestätigen. Danach hat dann der Wille überhand genommen, wir haben den Kopf ausgeschaltet. Auf diese Bahn dürfen wir in den kommenden Spielen nicht wieder kommen."

Wiedersehen mit Rehhagel

Am nächsten Spieltag in Berlin sind die "Grün-Weißen" nun gehörig unter Zugzwang. Eine Niederlage bei der von der lebenden Bremer Legende Otto Rehhagel trainierten Hertha darf sich Werder nach dem Ausrutscher gegen den "Club" eigentlich nicht erlauben.

Marko Marin sieht die Lage in Tabelle aber gelassen. "Ich habe keine Angst, dass wir die internationalen Plätze nicht erreichen. Die verlorenen Punkte holen wir uns nächste Woche wieder. Wir müssen nur die Chancen besser nutzen und die Tore machen, dann gewinnen wir in Berlin auch", meinte der wiedererstarkte Spielmacher.

Und wer weiß: Vielleicht ist mit einem erneuten Auswärtssieg die Champions League ja doch wieder ein Thema an der Weser.

Michael Reis