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München - Lange hat es gedauert, doch dann schlug er gleich drei Mal zu. Bis kurz vor dem Ende der Transferperiode hat Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader gewartet, ehe er Neuzugänge im Dreierpack verpflichtete. Das Trio Mu Kanazaki, Mohammed Ildiz und Berkay Dabanli eint Jugend, Unverbrauchtheit und Unbekanntheit.

Doch es wäre nicht das erste Mal, dass die "Club"-Scoutingabteilung Rohdiamanten gefunden hätte, die anderen Clubs und Insidern verborgen blieben - Stichwort Hiroshi Kiyotake. Oder kannten Sie den Japaner vor etwas mehr als einem halben Jahr?

bundesliga.de stellt die drei Neuen vor, mit denen die Franken den Klassenerhalt schaffen wollen.

Mu Kanazaki

Seiner Trainingsjacke hatte sich Nürnbergs Last-Minute-Neuzugang am Samstag schon entledigt, stand zur Einwechslung bereit, dann revidierte "Club"-Coach Michael Wiesinger seine Entscheidung und verschob Mu Kanazaki Bundesliga-Debüt. Mindestens bis zum kommenden Samstag muss der Japaner auf seinen ersten Einsatz im deutschen Oberhaus warten, wenn die Franken in Frankfurt antreten werden. Bis dahin steht weiterhin Integration auf dem Programm. "Kiyotake wird unserem Neuzugang dabei helfen, sich schnell in Nürnberg und in der Bundesliga zurechtzufinden", sagte Bader. Die beiden Asiaten kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Oita Trinita. Jetzt ist das Duo wieder vereint. Offensivallrounder Kanazaki, der ablösefrei von Nagoya Grampus ins Frankenland übersiedelte, unterschrieb einen Vertrag bis 2014 mit der Option auf zwei weitere Spielzeiten.

"Unsere Überlegungen liefen seit längerem in die Richtung, dass wir die offensive Durchschlagskraft erhöhen wollen", erklärte Bader. Kanazaki, der wie seine Landsleute Shinji Kagawa, Shinji Okazaki oder Takashi Inui von der deutschen Berateragentur Pro Profil GmbH vertreten wird, kommt mit der Erfahrung von 143 Erstligaspielen (15 Tore) zum FCN, seiner ersten Station außerhalb Japans. Zudem spielte der 23 Jahre alte Profi elf Mal in der asiatischen Champions League. "Das in mich gesetzte Vertrauen des Vereins möchte ich mit guten Leistungen zurückgeben", erklärte Kanazaki bei seiner Präsentation. Über den "Club" will sich der Japaner auch wieder für die Nationalelf empfehlen. Der letzte seiner fünf Einsätze für die "Nippon" datiert aus dem Jahr 2010. Den Namen Kanazaki wird man übrigens auf dem Nürnberger Trikot vergeblich suchen - Mu wird über der Rückennummer 28 stehen.

Muhammed Ildiz

"Mu" ist auch die Kurzform des Vornamens von Nürnbergs zweitem Winterneuzugang. Von Österreichs Rekordmeister Rapid Wien holte der "Club" Muhammed Ildiz. Nach 45 Einsätzen in der höchsten Spielklasse Österreichs wagte das 21 Jahre alte Talent den Sprung in die Bundesliga. "Er passt in unser Anforderungsprofil eines entwicklungsfähigen Spielers, der aber schon auf höchstem Niveau in vielen Liga-Spielen sein Leistungsvermögen nachgewiesen hat", sagte Bader. Ildiz, Österreicher mit türkischen Wurzeln, erhielt beim "Club" einen Vertrag bis 2017. Dabei war die Verpflichtung erst für die Zukunft angedacht. "Bei Muhammed hat die Konstellation gepasst, so dass wir den Transfer um ein halbes Jahr vorziehen konnten", erklärte Bader.

Wie Kanazaki fiebert auch Nürnbergs Nummer 20 seinem ersten Bundesliga-Einsatz entgegen. Gegen Gladbach stand Ildiz noch nicht im Kader, da ihm nach einer kräfteraubenden Vorbereitung mit Rapid etwas die Spritzigkeit fehlt. "Gattuso", wie er in Österreich wegen seiner aggressiven, aber fairen Zweikampfführung genannt wird, übt sich ohnehin in Geduld und Demut: "Erst mal muss ich mich hier zurechtfinden, dann sehen wir weiter."

Berkay Dabanli

Die Erstmeldung erschien recht harmlos. "Berkay Dabanli absolviert ein Probetraining" hieß es da vonseiten der Nürnberger am 22. Januar. Zwei Tage später wurde der Deutsch-Türke verpflichtet. Bis zum Saisonende läuft der Vertrag des 22 Jahre alten Innenverteidigers mit dem Gardemaß von 1,90 Meter vorerst - mit Option auf zwei weitere Jahre. "Berkay hat sich gut präsentiert, wir sind von ihm überzeugt. Er ist sehr schnell, hart am Mann, kompromisslos und klar im Spielaufbau", erklärte Trainer Michael Wiesinger. Im Herbst 2012 lief der gebürtige Frankfurter noch neun Mal für den türkischen Erstligisten Kayserispor in der Süper Lig auf.

Durch seine Vielseitigkeit - Dabanli kann auch als rechter Außenverteidiger spielen - ist der Neuzugang der optimale Ersatz für den verletzten Marcos Antonio. Anders als der Brasilianer patzte Dabanli nicht bei seinem Debüt, einem Kurzeinsatz gegen die Borussia, und darf so auf weitere Auftritte hoffen. "Es war immer mein Wunsch, in der Bundesliga zu spielen. Für mich geht ein Lebenstraum in Erfüllung", sagte der Neu-Nürnberger nach dem . Am kommenden Wochenende geht es für den FCN in Dabanlis Geburtsstadt Frankfurt gegen die Eintracht. Dort könnte sich zumindest für einen der drei Winterneuzugänge der Kreis schließen.

Christoph Gailer