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Regensburg - Dieser Javi Martinez, von dem derzeit alle reden, sei "ein sehr guter, ein Topspieler", sagte Xherdan Shaqiri. Der 20-Jährige kennt den Mann, der beim FC Bayern München als siebter Neuzugang gehandelt wird, besser als jeder andere Profi des Rekordmeisters. Im vergangenen Sommer hatte der Schweizer das Endspiel der U-21-EM gegen Spanien um Martinez mit 0:2 verloren.

Doch just Shaqiri sorgte am Montagabend dafür, dass das Dauer-Thema Martinez für ein paar Momente in den Hintergrund trat - und die Einkaufspolitik des FCB auch ohne den Welt- und Europameister erste Früchte trug.

Shaqiri "nicht nur der Kleine aus der Schweiz"



Der "Wuselspieler", wie Trainer Jupp Heynckes den 169 cm kleinen Techniker anerkennend nannte, brachte im Pokalspiel beim Zweitligisten Jahn Regensburg nach seiner Einwechslung zur Pause ordentlich Schwung. Mit einem direkt verwandelten Freistoß (60.) und zwei sehenswerten Torvorlagen für Mario Mandzukic (80.) und Claudio Pizarro (88.) sorgte er beinahe im Alleingang für das standesgemäße 4:0 (1:0). "Man hat gesehen, dass ich nicht nur der Kleine aus der Schweiz bin", sagte Shaqiri, der für den großen, aber von leichtem Fieber geplagten Franck Ribery gekommen war. Der Franzose hatte das 1:0 von Mandzukic (32.) aufgelegt.

Shaqiri, Mandzukic, Pizarro: "Wir haben jetzt Alternativen und ganz andere Optionen", sagte Coach Jupp Heynckes zufrieden, "das hatten wir in der letzten Saison nicht."

Rekordmeister "breiter aufgestellt"



Im auf dramatische Weise verlorenen Champions-League-Endspiel gegen den FC Chelsea, das den Verein in seinen Grundfesten erschüttert hat, habe er "nicht nachlegen" können, ergänzte Heynckes. Damals brachte er Daniel van Buyten und Ivica Olic, auf einen dritten Wechsel verzichtete er mangels Angebot. "Jetzt sind wir viel breiter aufgestellt. Wir haben einen gesunden Konkurrenzkampf. Alle müssen Vollgas geben, sonst spielen sie nicht."

Nach der Zeit des "schlanken Kaders", aufgefüllt mit Talenten unter Louis van Gaal und im ersten Jahr unter Heynckes wollen die Bayern jetzt zurück zum "Heldenfußball". Wenn ein Star ausfällt oder schwächelt, springt einfach ein anderer Hochkaräter ein. Deshalb soll Martinez kommen und im defensiven Mittelfeld in Konkurrenz zu Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Luiz Gustavo und Anatoliy Tymoshchuk treten. "Fakt ist der Wechsel nicht", sagte Sportvorstand Matthias Sammer am Montagabend. Aber nach der Klärung letzter Details soll der 23-Jährige von Athletic Bilbao dem Anschein nach noch in dieser Woche unterschreiben.

Sammer will Führungsspieler stärken



Auch Sammer nahm in Regensburg zufrieden zur Kenntnis, dass "wir uns auch qualitativ verbreitert haben". Mandzukic, der in zwei Pflichtspielen drei Tore erzielte, sei "vor dem Tor gefährlich gewesen", sagte er. Dem Kroaten fehlte allerdings teilweise die Bindung zu den Kollegen, weshalb Sammer wohl meinte: "Wir sollten den Ball da flach halten." Shaqiri zollte er dagegen "ein großes Kompliment. Er wird uns auf auch Dauer helfen." Heynckes schwärmte von dem 20-Jährigen. "Er ist unheimlich beweglich und handlungsschnell - genau das was wir brauchen."

Arjen Robben sieht den neuen FC Bayern gerüstet für den Bundesliga-Start am Samstag bei Aufsteiger Greuther Fürth. "Wir haben Spieler bekommen, die uns stärker machen. Die Bundesliga kann kommen", sagte der Niederländer. Sammer dagegen hält die Arbeit an "drei Schwerpunkten" für weiterhin erforderlich. Neben besserer Ordnung will er flexibleres Offensivspiel sehen. Und: "Wir müssen innerhalb der Mannschaftsstruktur unsere Führungsspieler stärken."

Geduld mit Schweinsteiger



Einer dieser "Leader" ist Schweinsteiger, den Heynckes nach seiner erneuten Knöchelverletzung erst in der 75. Minute einwechselte. "Wir müssen Bastian Zeit geben", sagte Sammer. In Fürth wird der Vize-Kapitän wohl nicht beginnen.

Ohne Schweinsteiger, ohne Martinez - wichtig ist für Sammer ohnehin etwas ganz anderes. "Es muss erkennbar sein, dass, wenn Bayern München auf dem Platz steht, Bayern München drinsteckt. Wir müssen das absolut leben." Auch in Fürth.