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Mönchengladbach - Die Geschichte wiederholt sich in dieser Saison. Schon zum dritten Mal schluckte Borussia Dortmund in einem Bundesliga-Spiel den ersten Gegentreffer, bevor der Sekundenzeiger die erste Umrundung geschafft hatte. Wie schon zuvor gegen Leverkusen und Mainz lag der BVB auch in Mönchengladbach bereits hinten, ehe das Spiel richtig begonnen hatte. Am Ende feierte die Gladbacher Borussia einen 3:1-Sieg, während die Westfalen über ihren erneuten Sekundenschlaf rätselten.

"Irgend etwas wird es sein. Aber die Frage des Warums ist schwer zu beantworten", wusste auch Sebastian Kehl keine Antwort auf die Frage, weshalb Dortmund in dieser Spielzeit gerade in den ersten Minuten so anfällig ist. Die sechs Dortmunder Gegentreffer in der ersten Viertelstunde werden nur vom SC Paderborn getoppt, der sogar neun Tore fing.

"Hat im negativen Sinne wieder alles gepasst"

Ansonsten sind die Dortmunder Werte für die ersten 15 Minuten nicht so schlecht, wie 8:4 Ecken, 8:8 Flanken aus dem Spiel, 197 zu 179 gewonnene Zweikämpfe (52 Prozent) und 24 zu 19 Torschüsse belegen. Wenn da nicht die verflixten Gegentore wären. Auch diese Schlafmützigkeit gehört zu den Ursachen für die bislang wenig erbauliche Saison.

"Es war wieder ein Rückfall in alte Zeiten, ähnlich wie in der Hinrunde teilweise agiert haben", ärgerte sich Sebastian Kehl. "Am Ende gehst du mit einem unnötigen 1:3 nach Hause. Mit dem frühen Gegentor nach 28 Sekunden haben wir uns das Spiel wieder selbst kaputt gemacht." So spielte der BVB den Fohlen in die Karten, die sich zurückziehen und auf ihre überragende Konterstärke besinnen konnten. "Es hat heute im negativen Sinne wieder alles gepasst", bilanzierte Kapitän Mats Hummels. "Es war nach langer Zeit das erste richtig schlechte Spiel von uns."

Hoffnung auf Europa schrumpft

Nach der zweiten Bundesliga-Niederlage in Folge und nur einem Sieg aus den letzten fünf Spielen schrumpfen die Dortmunder Hoffnungen, die Qualifikation für die Europa League über eine gute Platzierung in der Bundesliga zu schaffen, weiter. "Wir haben uns sehr bemüht und waren gierig, den Schritt nach vorne zu machen", meinte Sebastian Kehl. "Mit einem Sieg hätten wir wieder Tuchfühlung nach vorne gehabt. Jetzt müssen wir wieder nach hinten schauen. Es bleibt ein Spiegelbild dieser recht frustrierenden Saison."

Sechs Punkte liegen die Schwarz-Gelben hinter Platz 6, ebenfalls sechs Zähler beträgt der Vorsprung des Tabellen-Zehnten auf den Relegationsplatz, den aktuell der SC Paderborn belegt. Am kommenden Samstag gastiert der Aufsteiger im Signal Iduna Park. "In den beiden Heimspielen gegen Paderborn und danach gegen Frankfurt sollten wir punkten", fordert BVB-Trainer Jürgen Klopp. Andernfalls muss der Meister der Jahre 2011 und 2012 den Blick wieder vermehrt nach unten richten. Die bereits gebannt geglaubte Abstiegsgefahr könnte sonst wieder auf die Tagesordnung kommen.

Viel Positives konnte Klopp der Partie in Mönchengladbach nicht abgewinnen. "Wir waren defensiv stets bemüht. Das macht so keinen Sinn und ist eine Mischung aus gutem Willen, hoch zu verteidigen und fehlender Konsequenz", analysierte der Trainer ernüchtert. "Jedes Gegentor war für sich genommen Quatsch, auch wenn es unterschiedliche Probleme gewesen sind. Die Leistung war kein Rückfall, aber trotzdem sehr bescheiden." Womit er den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski