ANZEIGE

Köln - Wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist, wird in dieser turbulenten Saison besonders am Beispiel vom SV Werder Bremen deutlich. Die Grün-Weißen haben sich mittlerweile vom Tabellenletzten bis hin zum Europa-League-Anwärter gewandelt. Dennoch schwankt das Team von der Weser aktuell noch zwischen dem Traum vom internationalen Geschäft und der Angst, doch noch einmal in Abstiegsgefahr zu geraten.   

Ein Sieg beim 1. FC Köln und der Blick könne nach oben gehen, hatte Viktor Skripnik vor dem Gastspiel beim Aufsteiger gesagt. Nach dem 1:1 ruderte der Werder-Trainer deshalb vorerst wieder zurück. "Wir sollten weiterhin nach unten schauen und nicht von der Europa League sprechen. Jeder sieht, dass wir noch nicht so weit sind." Gleichwohl zeigte er sich mit dem Punktgewinn insgesamt zufrieden. "Vor zwei Monaten waren wir praktisch schon unter der Erde. Jetzt spielen wir auswärts unentschieden bei einer guten Mannschaft und müssen uns dafür kritisieren lassen?", gab er fragend zu bedenken.

Starke Ausbeute in der Rückrunde

Klar ist, unter Skripnik (als Nachfolger von Robin Dutt) ging es bislang steil bergauf. Nachdem am 16. Spieltag sogar noch die "rote Laterne" an der Weser geleuchtet hatte, startete Bremen mit vier Siegen in Serie perfekt in die Rückrunde und arbeitete sich schnell aus dem Tabellenkeller heraus. Nach der Winterpause hat man lediglich gegen den FC Bayern München und den VfL Wolfsburg, die beiden mit Abstand besten Teams der Bundesliga, verloren.

Werder holte in der Rückrunde (Tabellenplatz sechs) schon genauso viele Punkte wie in der gesamten Hinrunde (jeweils 17) und ist seit vier Auswärtsspielen ungeschlagen - eine solche Serie gelang zuletzt vor vier Jahren. Bremer Spiele sind in dieser Spielzeit häufig auch Torspektakel, denn die Hanseaten stellen mit 54 Gegentoren zwar die schwächste Abwehr der Bundesliga, dafür aber mit 41 Treffern auch die fünftbeste Offensive. 

Gegen Köln fehlten lediglich ein paar Minuten und die Gäste hätten auch aus der Domstadt drei Punkte entführt. Allerdings versäumten sie es, nach der Führung durch Davie Selke einen zweiten Treffer nachzulegen. "Wir haben uns nicht mit einem Sieg belohnt. Köln hat mit einem Lucky Punch den Ausgleich geschafft. Hilft nichts. Wir haben hier einen Punkt mitgenommen und müssen nach vorne schauen", sagte Innenverteidiger Sebastian Prödl.

Machbare Gegner warten

Und der Spielplan macht durchaus Hoffnung darauf, dass sich Bremens Punktekonto zeitnah weiter füllen könnte, denn nach der Länderspielpause warten mit Mainz, Stuttgart, Hamburg und Paderborn wohl einige "machbare" Gegner.

"Es geht jetzt zunächst darum, den Vorsprung nach unten zu halten", sagt Skripnik, der mit seiner Mannschaft unter normalen Umständen mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben sollte. Ob die Mannschaft tatsächlich bereits reif für Europa ist, wird sich nach den nächsten richtungsweisenden Spielen zeigen. Fest steht, der Verein ist auf einem guten Weg, sich das Selbstbewusstsein vergangener Tage langsam wieder zu erarbeiten.

Stars in guter Form

Wieder erstarkte Schlüsselspieler wie Zlatko Junuzovic, der zum 14. Mal in dieser Saison mit einem ruhenden Ball an einem Tor beteiligt war (Ligaspitze) und Stürmer Franco di Santo, der sechs seiner zwölf Tore in sieben Rückrundenspielen erzielte, haben in einem gut harmonierenden Team maßgeblichen Anteil am Bremer Aufschwung, der sich in neun Punkten Vorsprung auf den Relegationplatz bei lediglich vier Zählern Rückstand auf Platz sechs wiederspiegelt.

Acht Spieltage vor Schluss sei "noch einiges drin", wohlgemerkt in beide Richtungen, meint Skripnik vorsichtig. Der Weg nach Europa erscheint beim Blick auf die Tabelle für Bremen sogar deutlich näher.

Aus Köln berichtet Markus Hoffmann