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Zur Niederlage gesellte sich auch noch Häme. "Ihr werdet nie Deutscher Meister" skandierten die Bayern-Fans nach ihrem Pokalsieg den Schalkern ins Ohr. Die müssen jetzt in der Liga dringend in die Erfolgsspur zurück, wollen sie doch noch das Gegenteil beweisen.

Einmal hatten sie sich nicht im Understatement geübt. Einmal wollten Schalke 04 und Felix Magath einen Sieg auch ganz öffentlich. "Wir wollen ins Finale und den Pokal gewinnen", hatte der Trainer vor dem Halbfinalspiel gegen die Bayern als Parole ausgegeben.

"Wir sind jetzt niedergeschlagen"

Umso mehr schmerzt die Niederlage. Bis zuletzt hatten sie gehofft, sich ins Elfmeterschießen zu retten und da vielleicht den Bayern überlegen zu sein. Dann setzte Robben in der Verlängerung zu seinem Sololauf an und auf Schalke zog Ernüchterung ein. "Es nützt nichts, dass wir einen großen Kampf geliefert haben", gab Alexander Baumjohann zu, "wir wollten nach Berlin und jetzt sind wir niedergeschlagen."

In den Wochen der Wahrheit haben die Schalker einen zweiten Dämpfer kassiert. Nach dem Remis in Hamburg und dem verpassten Sprung an die Tabellenspitze nun das Aus im Pokal. Dabei war nicht alles schlecht über 120 Minuten - aber vieles gegen den FC Bayern eben auch nicht gut genug.

Jetzt wartet Leverkusen

Eine Halbzeit lang gaben die Münchner den Ton an, "weil wir da viel zu ängstlich agiert haben", wie Magath monierte. Nach der Pause setzte Schalkes schon obligatorische Drangphase ein. "Da haben wir gezeigt, dass wir mithalten können, aber wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Das hat am Ende den Unterschied ausgemacht", haderte Ivan Rakitic.

Der Ärger über die verpasste Titelchance in Berlin ist das eine, die anstehende Aufgabe in der Liga das andere. Und da wartet schon am Samstag mit Bayer Leverkusen der direkte Konkurrent im Kampf um Champions League und Meisterschaft auf die Schalker. "Wir haben in der Bundesliga noch alle Chancen, uns international zu qualifizieren. Das können wir in Leverkusen beweisen. Aber wir müssen jetzt auch wieder anfangen zu gewinnen", stellte Alexander Baumjohann klar.

"Die Niederlage wirft uns nicht um"

Auch Kapitän Heiko Westermann dachte schon wenige Stunden nach dem Pokal-Aus voraus und versuchte seine Mannschaft aufzurichten "Warum sollten wir nicht in Leverkusen gewinnen? Das Potential haben wir auf jeden Fall und wir werden jetzt nicht einbrechen." Und auch Manuel Neuer ist sich sicher, "dass uns diese Niederlage nicht umwirft."

Klar scheint aber, dass auch den Schalkern langsam die Kräfte ausgehen. 120 Pokalminuten auf "dem schlechtesten Platz der Bundesliga", wie Uli Hoeneß nach der Partie schimpfte, stecken ordentlich in den Knochen. "Wir hatten den ein oder anderen, der kaputt war", gab Heiko Westermann zu.

Die Bayern hingegen wirkten in der Schlussphase noch laufstärker und fitter. Dem "Fitnessmagier" Magath dürfte dieses Bild zusätzlich geschmerzt haben.

Dietmar Nolte