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Freiburg - Mit einem Paukenschlag wartete der SC Freiburg am Donnerstag auf. Die Breisgauer ließen über eine Pressemitteilung verlautbaren, dass Andreas Hinkel ab sofort den Profikader verstärkt. Der Ex-Nationalspieler stieg schon am gleichen Tag ins Mannschaftstraining ein und soll möglichst schnell an das Team herangeführt werden.

Doch was ist von dem 29-Jährigen, der nach einem Kreuzbandriss über ein Jahr lang nicht mehr im Ensatz war, zu erwarten? bundesliga.de beleuchtet die bisherige Karriere des gebürtigen Schwaben, analysiert seine Leistungsdaten und stellt eine ungewohnte Verbundenheit im "Ländle" fest.

"So schnell kann's gehen im Leben"

Als sich Andreas Hinkel zum ersten Mal nach Bekanntgabe seines Wechsels im Freiburger Trikot präsentierte und anschließend in die Mikrophone sprach, klang er darüber selbst ein bisschen erstaunt. "Am Mittwoch ging es Schlag auf Schlag. Ich habe noch einmal mit Dirk Dufner telefoniert und wir haben uns dazu entschlossen, das Ding durchzuziehen. Ich bin dann gleich ins Auto gestiegen, runtergefahren - und dann ging es relativ schnell. Dann habe ich noch die sportmedizinische Untersuchung gemacht - so schnell kann's gehen im Leben."

Hinkel hatte zuletzt beim VfB Stuttgart mittrainiert, seinem alten Verein, bei dem er von 2001 bis 2006 unter Vertrag stand. Hier wollte er sich fit halten, für den Fall, dass er - auch nach dem Ende der Transperiode I - einen neuen Verein finden würde. Der rechte Verteidiger stand bis Ende Juni bei Celtic Glasgow unter Vertrag und war seit diesem Zeitpunkt vereinslos.

"Durch meinen Kreuzbandriss war das vergangene Jahr ein verlorenes Jahr", beschreibt Hinkel seine schwerste Zeit. "Ich habe leider kein Spiel mehr für Celtic bestritten und mein Vertrag lief aus. Deshalb war es für mich schwieriger auf dem Transfermarkt, es war sehr zäh. Ich habe mich aber nicht unter Druck setzen lassen."

Mit dem VfB in die Champions League

Vor seiner schweren Verletzung war Hinkel noch ein Kandidat für die "Problemzone" der deutschen Nationalmannschaft - die rechte Außenbahn. Noch im Jahr 2009 kam Hinkel auf drei Einsätze im DFB-Team und überzeugte bei Celtic, wo er zum absoluten Leistungsträger heranreifte. Insgesamt 79 Spiele in der schottischen Premier League standen am Ende zu Buche.

Nicht ganz so gut lief es bei seiner ersten Auslandserfahrung im spanischen Sevilla. Für den FC kam Hinkel zwischen 2006 und 2008 nur auf 15 Einsätze, nachdem er in den Jahren davor beim VfB Stuttgart zum Nationalspieler aufgestiegen war. Insgesamt bestritt er für die Schwaben 156 Bundesligaspiele. Dabei erzielte er nur ein einziges Tor - am 16. Oktober 2004 zum 1:0 gegen Borussia Dortmund (Endstand 2:0).

Beim VfB gehörte Hinkel zu den "jungen Wilden", die 2002/03 für Furore sorgten. Hinter dem FC Bayern schlossen die Stuttgarter damals die Saison als Tabellenzweiter ab und qualifizierten sich unter Trainer Felix Magath für die Champions League. In der Bundesliga etablierte sich Hinkel als solider Zweikämpfer (insgesamt 57 Prozent gewonnene Duelle) und eifriger Flankengeber (sieben von insgesamt 267 Flanken führten zum Torerfolg).

"Ich bin dem VfB sehr dankbar"

Mit seiner Qualität, die rechte Seite zu beackern, will er nun auch in Freiburg überzeugen. Dabei fühlt sich der gebürtige Backnanger im Breisgau sofort recht heimisch - auch wenn sich Schwaben und Badener nicht immer grün sind. So äußersten einige VfB-Fans auf Hinkels Facebook-Seite ihren Unmut über den Wechsel in den äußeren Südwesten - ganz im Gegensatz zu den Stuttgarter Clubverantwortlichen. "Wir freuen uns, dass Andi einen neuen Club gefunden hat und er hoffentlich bald wieder in der Bundesliga zu sehen sein wird. Für sein Comeback wünschen wir ihm alles Gute, viel Glück und Erfolg", sagte Sportdirektor Fredi Bobic.

Mit Dank zurück - auch Hinkel fand bei seinem Abschied aus der Landeshauptstadt nur freundliche Worte. "Ich bin dem VfB und den Verantwortlichen, insbesondere Bruno Labbadia, Fredi Bobic und Jochen Schneider sehr dankbar, dass ich hier die Möglichkeit erhalten habe, mich fitzuhalten."

"Reinspielen und der Mannschaft helfen"

Probleme bei der Eingliederung in Freiburg sieht er nicht. "So neu ist es hier gar nicht für mich", verrät Hinkel: "Ich kenne das Innenleben des Stadions schon, weil ich mit dem VfB hier gespielt habe und auch mit der Nationalmannschaft da war. Heiko Butscher und Julian Schuster kenne ich noch aus Stuttgarter Zeiten."

Sein Ziel für die ersten Tage mit dem neuen Team? "Ich versuche so schnell wie möglich, mich hier reinzuspielen und der Mannschaft zu helfen. Mit meiner Erfahrung kann ich das tun. Ich stand zwar bislang immer bei Vereinen unter Vertrag, die oben mitspielten, aber auch die Ziele des SC Freiburg zu erreichen, wird eine interessante Aufgabe für mich."

Dass Hinkel schon kurzfristig eine große Hilfe im Abstiegskampf. sein wird, glauben auch die Verantwortlichen des SC Freiburg. "Er hat in vielen Spielen bewiesen, welche Fähigkeiten er auf der Außenbahn-Position besitzt", so Sportdirektor Dirk Dufner. Jetzt muss Hinkel sie "nur" noch unter Beweis stellen...

Johannes Fischer