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Seit Freitag geht es auf der Theresienwiese wieder rund: Riesenrad, Schmankerl und sogar das berühmte Oktoberfestzelt "Hippodrom" laden zu einem Besuch auf dem Münchner Frühlingsfest ein.

Der wahre Rummelplatz stand an diesem Wochenende aber gut zehn Kilometer Luftlinie weiter nördlich. Denn was der FC Bayern und ein genialischer Arjen Robben am Samstagabend in der Allianz Arena gegen Hannover 96 ablieferten, das war weiß Gott auch ein echtes Frühlingsfest.

Rummenigge angriffslustig

Mit 7:0 zauberten die Bayern die Niedersachsen aus dem Stadion - und das Ergebnis hätte sogar noch höher ausfallen können. "Das war Spaß auf dem Rasen, Spaß für die Fans - aber auch Spaß für den Trainer", sagte ein sichtlich gelöster Louis van Gaal nach der eindrucksvollen Vorführung seiner Künstlertruppe.

Der Spaßfaktor war tatsächlich sehr groß an diesem Abend in München-Fröttmaning. "Oh, wie ist das schön"-Gesänge und die "La Ola" wechselten sich in der zweiten Hälfte auf den Rängen ab.

Für FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge war der Auftritt die "richtige Antwort" auf die königsblaue Kampfansage aus Schalke. "Es gibt einen Spot von einem Schalker Sponsor. In dem heißt es: 'Nur gucken, nicht anfassen' - damit ist alles gesagt", formulierte Rummenigge im Überschwang der Gefühle.

"Robben kann den Unterschied machen"

Rummenigge meinte damit natürlich die Meisterschale. Und dass die in drei Wochen zum 22. Mal in die Hände der Münchner wandern könnte, daran hat Superstar Arjen Robben einen enormen Anteil. Gegen Hannover erzielte er seine Bundesligatreffer zwölf bis 14 (30./50./90. Minute), bereitete ein Tor von Thomas Müller vor (44.), feuerte alleine sieben der 26 Münchner Torschüsse ab und verschliss mit Christian Schulz und Constant Djakpa gleich zwei Gegenspieler. Beide musste wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr von Hannovers Trainer Mirko Slomka ausgewechselt werden.

"Wir waren von Anfang an aggressiv, haben viele Chancen kreiert und auch nach dem 2:0 so weiter gespielt", sagte Robben, der in der vergangenen Woche nach dem 1:1 in Leverkusen noch leise Kritik geübt hatte. Die eigene Top-Leistung rückte Robben gar nicht erst in den Vordergrund, das übernahmen andere.

"Arjen Robben kann den Unterschied machen, genau wie Franck Ribery oder Thomas Müller", lobte Coach van Gaal seinen niederländischen Landsmann, ohne ihn über die Mitspieler zu stellen. Damit hatte van Gaal durchaus Recht. Denn auch wenn Robben wieder der überragende Spieler auf dem Platz war, der Sturmlauf gegen überforderte Gäste war ein Gemeinschaftserfolg.

Frische Beine nach der spielfreien Woche

Die Bayern überrannten die Hannoveraner mit einer Taktik, die in der Militärsprache wohl als "Shock and Awe" bezeichnet werden würde. Van Gaal wollte gar nicht erst den Eindruck aufkommen lassen, seine Mannschaft könnte wohlmöglich schon das Hinspiel im Champions-League-Halbfinale gegen Olympique Lyon am Mittwoch im Kopf haben. Innerhalb der ersten sechs Minuten hatten die Bayern durch Ribery (2. Minute), Müller (4.) und Ivica Olic (6.) drei hundertprozentige Chancen. Das 1:0 durch Olic in der 21. Minute war gegen tief stehende 96er überfällig.

"Es war von Beginn an unser Ziel, ein gutes Pressing zu spielen, das hat der Trainer auch von uns gefordert", erklärte Olic die Marschroute. Die Tatsache, dass die Münchner zum ersten Mal seit Mitte März während der Woche spielfrei hatten, spielte diesem Plan in die Karten, wie Olic wusste: "Wir waren frisch, hatten die ganze Woche Zeit zum trainieren und hatten auch zwei freie Tage. Dann kann man das auch machen"

Nachdem seine Bayern bis zur 62. Minute auf 6:0 erhöht hatte, war es allerdings auch Louis van Gaal genug. "Wir haben nach 70 Minuten gewechselt und etwas Tempo rausgenommen. Ich habe da auch gesagt, dass es ausreicht und wir am Mittwoch ein Spiel gegen Lyon haben", erklärte der Trainer.

Der Traum vom "Triple" lebt

Dann geht es wieder darum, den Traum vom ersten Titel-"Triple" der Saison aufrecht zu erhalten. "Dieses Spiel war gut für den Geist, gut für Mittwoch. Das gibt uns großes Selbstvertrauen", freute sich Robben. "Bis jetzt haben wir immer noch nichts gewonnen", mahnte Philipp Lahm zwar, stellte aber auch fest: "Wir hatten sehr viel Ballbesitz, haben uns viele Chancen erarbeitet und kaum eine Torchance zugelassen. Das ist enorm wichtig, vor allem im Hinblick auf die nächsten Wochen."

Können die Münchner in diesen ihre Leistung aus dem Hannover-Spiel konservieren, werden sie viel Grund zur Freude haben. Zur Feier auf der Theresienwiese wird es nicht mehr reichen, das Frühlingsfest dort läuft nur bis zum 2. Mai. Die Bayern würden aber gerne noch bis zum 22. Mai beschäftigt sein - dann steigt in Madrid das Champions-League-Finale.

Vom FC Bayern berichtet Matthias Becker

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