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Gelsenkirchen - Insgesamt 17 Jahre war Mike Büskens als Spieler und Trainer für den FC Schalke 04 aktiv - und hat in dieser Zeit so manches Mal hautnah miterlebt, wie sich ein Derby gegen Borussia Dortmund anfühlt.

Vor dem Duell der beiden Revierclubs am Samstag erinnert sich Mike Büskens (46) im Interview mit bundesliga.de an sein erstes Derby, spricht über die große emotionale Bedeutung dieses Spiels und wirft einen Blick auf die aktuelle sportliche Situation beider Vereine.

bundesliga.de: Fußball-Deutschland blickt auf das Derby (Sonderseite), der Ruhrpott erst recht - und Mike Büskens auch?

Mike Büskens: Na klar freue ich mich aufs Derby! Ich wohne im Ruhrgebiet, ich habe in den letzten 22 Jahren wahnsinnig viele Derbys selbst miterlebt. Das Attribut "Mutter aller Derbys" nehmen ja einige Paarungen für sich in Anspruch. Aber Schalke gegen Dortmund, das ist noch einmal etwas ganz Besonderes - das fesselt das ganze Ruhrgebiet, das emotionalisiert. Und das setzt auf die Stimmung noch einmal einen drauf!

bundesliga.de: Gefühlt geht es in diesem Duell immer um weit mehr als drei Punkte.

Büskens: Ich habe vor etwas mehr als 22 Jahren mein erstes Derby mit Schalke im Westfalenstadion gespielt. Wir haben damals 2:0 gewonnen durch Tore von Schlipper und Christensen. Es war der erste Auswärtssieg für Schalke in Dortmund nach 20 Jahren. Vor dem Spiel wusste ich, dass es ein Derby ist. Im Spiel habe ich gemerkt, dass es für beide Mannschaften etwas Besonderes ist. Aber was danach los war, war unglaublich. Wenn man gesehen hat, wie die Menschen diesen Sieg gefeiert haben und was auf den Straßen los war - da wusste ich, dass dieses Derby immer ein ganz besonderes Derby ist. (Fakten zum Revierderby)

bundesliga.de: Sie haben in den Derbys aber nicht immer auf der Siegerseite gestanden.

Büskens: Natürlich musste ich auch Niederlagen miterleben. Und das tat logischer Weise richtig weh. Die Anhänger speziell im Ruhrgebiet leben und leiden mit ihren Vereinen ganz besonders intensiv. Die Menschen hier leben den Fußball. Da gehört der Verein zum täglichen Brot. Entsprechend getrübt ist die Stimmung nach einer Derbypleite.

"Mein Herz schlägt für Königsblau"

bundesliga.de: Ihre Sympathien für das Spiel am Samstag dürften klar verteilt sein, wenn man Ihre Schalker Vergangenheit zugrunde legt?

Büskens: Ich habe großen Respekt vor dem Weg, den der BVB in den letzten Jahren gegangen ist. Nach einer wirtschaftlich sehr schwierigen Situation haben sie mit Kloppo einen Glückgriff getätigt und sich die Erfolge absolut verdient, die sie in den letzten Jahren gesammelt haben. Trotzdem schlägt mein Herz in diesem Spiel ganz klar für Königsblau.

bundesliga.de: Vor zehn Tagen schien die Favoritenrolle nach der BVB-Gala gegen Arsenal klar verteilt. Das hat sich jetzt wieder etwas relativiert.

Büskens: Da sieht man, wie schnell sich im Fußball etwas drehen kann. Ich denke, dass Schalke durch den 3:0-Sieg in Bremen etwas Selbstvertrauen getankt hat. Der BVB hat mit den Spielen in Mainz und gegen Stuttgart einen kleinen Rückschlag hinnehmen müssen. Aber es ist ein Derby, da geht es auch um Emotionen. Da weiß jede Mannschaft, um was es geht. Ich denke, die Chancen stehen 50:50.

bundesliga.de: Bislang haben beide Clubs nicht ihre glücklichste Saisonphase erlebt. Ist das allein durch die vielen Verletzten auf beiden Seiten zu erklären?

Büskens: Natürlich sind die vielen Ausfälle aufgrund von Verletzungen ein großer Faktor. Wenn ich mir die königsblaue Seite angucke, muss man allerdings auch feststellen, dass dort latent immer eine gewisse Unruhe herrscht. Das ist auch nicht förderlich, um auf einem guten Niveau immer Leistung abzurufen. Ich wünsche den Blauen und Jens Keller ein erfolgreiches Derby, damit er dann auf Schalke in Ruhe weiterarbeiten kann, ohne dass dort Aktionismus ausbricht. Kontinuität und Ruhe sind entscheidende Grundlagen für den Erfolg.

bundesliga.de: Kevin-Prince Boateng und Mats Hummels könnten in die Mannschaften zurückkehren. Sind das zwei Charaktere, die in diesem Derby zum entscheidenden Faktor werden können?

Büskens:Mats Hummels hat sich in den letzten Jahren sensationell entwickelt. Er ist weder aus der Nationalmannschaft noch aus der Dortmunder Mannschaft wegzudenken. Nicht nur wegen seiner spielerischen Klasse, sondern auch wegen seiner Persönlichkeit. Daher wird er dem BVB definitiv Stabilität geben können, wenn er fit ist und spielen kann. Kevin-Prince Boateng ist ein Spieler, der sehr wichtig sein kann für das Gleichgewicht der Mannschaft. Das muss er am Samstag unter Beweis stellen - auch dann, wenn er auf der Sechser-Position zum Einsatz kommt und nicht auf seiner Wunschposition auf der Zehn. In jedem Fall sind beide prägende Spieler für ihr Team. Aber sie werden das Derby auch nicht alleine entscheiden.

bundesliga.de: Wagen Sie noch einen Tipp für die Partie?

Büskens: Ich hoffe auf einen Sieg der Blauen. Egal wie - und wenn es in der Nachspielzeit Innenpfosten, Tor ist.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte

Sonderseite: Derbys in der Bundesliga