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Dortmund - Seit der WM musste Mats Hummels verletzt zuschauen, feierte gegen Stuttgart endlich sein Saisondebüt. Und nach nur 15 Minuten Bundesliga ist Dortmunds Kapitän schon wieder mittendrin – was einen einfachen Grund hat. Am Samstag steht die Mutter aller Derbys auf Schalke an und da kribbelt’s auch bei Hummels: "Derby ist einfach geil!"

Nach seinem ersten Kurzeinsatz der Saison konnte Mats Hummels nicht verhehlen, wie froh er über sein Comeback war – und wie kraftraubend auch die wenigen Minuten auf dem Platz für ihn waren. "Gott sei Dank bin ich wieder dabei. Aber es ist doch ein Unterschied, ob du trainierst oder spielst. Das habe ich gemerkt." Eine halbe Stunde Vollgas im Training sei noch lange kein Indiz, das auch im Wettkampf abrufen zu können: "Wenn du ins Spiel kommst und nach sechs Minuten schon merkst, dass es anstrengend ist, dann ist das ein deutlicher Unterschied zum Training."

Und eben dieser Hummels, der noch deutlich an seiner Fitness feilen muss, soll nun mit seinem Comeback gleich wieder zum Hoffnungsträger mutieren? Er soll nicht nur, er muss es quasi. Denn im Spiel der Dortmunder hakt es ausgerechnet vor dem Revierderby gegen den ungeliebten Nachbarn gleich an mehreren Stellen. Der Gala gegen Arsenal folgten mit der Niederlage in Mainz und dem Last-Minute-Remis gegen Stuttgart gleich zwei Rückschläge. Und die Erkenntnis, dass Hummels mit seinen Qualitäten defensiv und offensiv gefragt ist.

BVB-Defensive noch nicht stabil genug

Größtes Manko des BVB: Der Defensive fehlt es an Stabilität. Neun Gegentore in fünf Saisonspielen sprechen für sich. Jürgen Klopp nannte die beiden Treffer des VfB Stuttgart schlicht Quatsch, so überflüssig erschienen sie ihm in der Nachbetrachtung. Eine Tatsache, die auch der Kapitän so einschätzt. "Plötzlich liegst du 0:2 hinten – und keiner weiß so genau, warum eigentlich. Stuttgart hat zwar einen couragierten Auftritt gezeigt, aber Tore dürfen wir auf diese Weise einfach nicht kassieren", mahnte Hummels und legte den Finger in die Wunde: "Es ist in der ganzen Saison schon so, dass für den Gegner ein bisschen wenig Aufwand für ein bisschen viel Ertrag reicht."

Mit Hummels als Abwehrchef könnte die Borussia zu alter Defensivstärke zurückfinden. Der Nationalspieler strahlt jene Ruhe, Sicherheit und Abgeklärtheit aus, die der Abwehr zurzeit zu oft abhanden kommt. Darüber hinaus sind aber auch die Qualitäten des 26-Jährigen im Spielaufbau gefragt.

In Zeiten langer Verletzungspausen von Reus, Mkhitaryan, Blaszczykowski, Sahin, Gündogan und Co. hat der BVB unverkennbar ein kreatives Vakuum, das auch Rückkehrer Shinji Kagawa in vorderer Reihe nicht alleine lösen kann.

Zu Hummels Stärken zählen seine Vorstöße in die gegnerische Hälfte ebenso wie der lange, öffnende Pass aus der hinteren Reihe – genau das würde dem Spiel der Borussia im Moment eine neue Qualität verleihen. Kein Wunder, dass auch Mitspieler Neven Subotic fast ins Schwärmen gerät: "Mats war in den letzten Jahren schon immer einer der wichtigen Fixpunkte in dieser Mannschaft. Er lässt hinten nichts anbrennen. Und er ist einer, der auch mal ein Spiel entscheiden kann mit einem klugen Pass."

Startelf-Einsatz noch unsicher

Nur allzu gerne würde Mats Hummels der Borussia schon am Samstag im Revierduell weiterhelfen und mit drei Punkten auf Schalke  einen "klitzekleinen Befreiungsschlag" landen, wie er es selbst ausdrückt. Denn das Derbyfieber hat ihn längst gepackt. Und die höchst durchwachsene Vorstellung beider Klubs im bisherigen Saisonverlauf wird spätestens mit dem Anstoß keine Rolle mehr spielen, ist der Verteidiger überzeugt: "Beide Vereine haben nicht ihre glücklichste Phase. Sowohl Schalke als auch wir haben mit vielen Verletzten zu kämpfen. Trotzdem wird es richtig hergehen auf dem Platz."

Ob Hummels dabei schon in der Startelf der Dortmunder steht – er selbst ist unsicher. Denkbar sei das natürlich, aber "ob ich dann auch in der 90. Minute noch auf dem Platz stehe, weiß ich nicht. Ich muss mal abwarten, wie es mit der Luft wird in den nächsten Spielen." Eines aber ist Mats Hummels mit Blick auf die Mutter aller Derbys klar: "Das Ding wird prickeln!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte