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München - Die EM-Qualifikation hat die deutsche Nationalmannschaft nach acht Siegen in acht Spielen schon längst in der Tasche. Jetzt jagt die Elf von Bundestrainer Joachim Löw den Rekord. Denn noch nie konnte das Nationalteam alle Spiele einer EM-Qualifikation gewinnen.

Mit zwei Erfolgen in der Türkei (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) und gegen Belgien wollen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Co. den Rekord perfekt machen. Wie es um die Form der deutschen Elitekicker bestellt ist, zeigt der Blick in die bundesliga.de-Datenbank.


Die Torhüter:

Manuel Neuer ist die unangefochtene Nummer 1 im deutschen Tor und mit inzwischen 22 Länderspielen auch der erfahrenste Keeper. In der Bundesliga ist Neuer seit 658 Minuten ohne Gegentor - historisch liegt der Bayern-Keeper damit auf Rang 4. Den Rekord hält Timo Hildebrand (884 Minuten 2003/04 für den VfB Stuttgart). In seinen acht Bundesliga-Spielen bekam er nur 16 Torschüsse auf sein Tor, 15 davon wehrte er ab. Das bisher einzige Bundesliga-Gegentor im Bayern-Trikot, das 0:1 gegen Mönchengladbach, musste Neuer selbst auf seine Kappe nehmen.

Dagegen hat Tim Wiese nicht die allerbesten Wochen hinter sich. In der Bundesliga war und ist er nach seinem Platzverweis in Nürnberg für drei Spiele gesperrt. Immerhin konnte er 79 Prozent aller Torschüsse abwehren. Und in der Nationalelf verursachte der Werder-Torhüter einen Elfmeter. Überhaupt hat Wiese bei keinem seiner fünf Länderspiele einen Sieg feiern können.


Die Verteidiger:

Philipp Lahm ist der Dauerbrenner. 122 Pflichtspiele in Folge stand er seit April 2009 in der Startelf der Bayern. Der Kapitän der Nationalmannschaft glänzte in der EM-Qualifikation bereits mit zwei Torvorlagen. Per Mertesacker, der in der Innenverteidigung jahrelang gesetzt war, muss nach einigen Verletzungen um seinen Stammplatz bangen. Bei seinem vergangenen Länderspiel in Polen wirkte er wenig spritzig und unsicher. In Arsenals Abwehrreihe gehört er derzeit aber noch zu den Besseren.

Holger Badstuber hat sich in dieser Saison enorm gesteigert. In der Bundesliga ist er der Spieler mit der geringsten Fehlpassquote (nur sieben Prozent). Zudem konnte er 65 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen, meistens mit fairen Mitteln. Auch in der Spieleröffnung hat er sich stark verbessert. Sein Teamkollege Jerome Boateng spielt mal in der Innenverteidigung, mal außen. Er gewann 72 Prozent seiner Zweikämpfe, hat aber in der Offensive noch seine Defizite.

Mats Hummels hat sich von der allgemeinen Verunsicherung in Dortmund etwas anstecken lassen und zuletzt öfter gepatzt. Dennoch präsentiert er sich zweikampfstark, präzise im Passspiel und fing bundesligaweit die meisten gegnerischen Pässe ab. Sein Schalker Konkurrent Benedikt Höwedes gewann 69 Prozent seiner Zweikämpfe, traf bereits ein Mal per Kopf und agierte solide und zuverlässig.


Die Mittelfeldspieler:

Bastian Schweinsteiger ist unumstrittener Chef im Mittelfeld des FC Bayern genauso wie in der Nationalelf. Der 27-Jährige ist der Kopf der DFB-Elf, hat in der Regel die meisten Ballkontakte und ist Antreiber, Abräumer und Ideengeber in einer Person. In dieser Saison hatte Schweinsteiger die meisten Ballkontakte aller Bundesligaspieler (97 pro 90 Minuten). Er gewann gute 55 Prozent seiner Defensivzweikämpfe, gegen Freiburg und gegen Leverkusen gab er jeweils eine Torvorlage.

Mario Götze kämpft mit Mesut Özil um die Position des kreativen Mittelfeldspielers. Der Dortmunder ist in Topform, traf gegen Brasilien und Österreich spektakulär. In der Bundesliga war er mit zwei Treffern und vier Vorlagen an sechs der 13 BVB-Tore beteiligt. Aber auch Özil spielte zuletzt großartig auf, traf gegen Österreich doppelt. Für ihn wird das Türkei-Länderspiel ein besonderes, da er erstmals mit Deutschland in der Heimat seiner Eltern antritt.

Sami Khedira kam nach einigen Verletzungen in dieser Saison noch nicht so richtig zum Zug. Gegen die Türkei läuft der Mittelfeldmann von Real Madrdi aber wahrscheinlich von Beginn an auf. Bayern-Profi Toni Kroos, der in den vergangenen sechs Länderspielen immer in der Startelf stand, fällt wegen eines grippalen Infekts nämlich aus.


Die Angreifer:

In der Offensive hat Joachim Löw die Qual der Wahl. Mario Gomez oder Miroslav Klose? Andre Schürrle oder Lukas Podolski? Thomas Müller oder Marco Reus? Sie alle präsentieren sich seit Wochen in bestechender Form.

Mario Gomez hatte in der Bundesliga einen Lauf, netzte in den ersten fünf Spielen acht Mal ein, bis ihn eine Verletzung etwas zurückwarf. In vier seiner letzten fünf Länderspiele traf er und erzielte dabei fünf Tore. Sein Konkurrent ist Miroslav Klose, der in Italien bei Lazio aufblüht und dort schon drei Tore beisteuerte. In der Nationalmannnschaft ist auf den 33-Jährigen ohnehin Verlass. In der laufenden EM-Qualifikation ist Klose mit neun Treffern hinter Schalkes Niederländer Klaas-Jan Huntelaar (zehn Tore) der erfolgreichste Torschütze.

Auch Lukas Podolski blüht wieder auf, im Verein genauso wie im Nationaldress. Mit 46 Torbeteiligungen (28 Tore, 18 Vorlagen) ist der Kölner der Topscorer in der Löw-Ära. Mit acht Torbeteiligungen ist Podolski zudem Kölns Topscorer, er wirkte an acht der 13 FC-Treffer direkt mit. Dem "Prinzen" sitzt Andre Schürrle im Nacken, der sich derzeit in der Nationalelf weitaus treffsicherer zeigt als im Verein. Für seinen neuen Club Bayer Leverkusen ging er in der Bundesliga bislang leer aus. Dafür glänzte Schürrle als Joker für Deutschland: In den Spielen gegen Aserbaidschan, Brasilien und Österreich wurde er jeweils eingewechselt und erzielte immer ein Tor.

In bestechender Form befindet sich Thomas Müller. In der Bundesliga gelangen ihm bisher zwei Tore und vier Assists. Beim vergangenen Länderspiel in Polen legte der Bayern-Spieler bei seinem 20-minütigen Kurzeinsatz beide deutschen Tore auf. Der Mönchengladbacher Marco Reus ist dagegen froh, überhaupt dabei zu sein, nachdem er bei fünf Nominierungen durch Bundestrainer Löw vier Mal verletzt absagen musste. Reus spielt in der Bundesliga groß auf und ist maßgeblich am Gladbacher Höhenflug beteiligt. Neben zwei Toren gab er auch drei Vorlagen. Zudem gab es drei Mal nach Fouls an ihm einen Elfmeter. Gibt Reus nun endlich sein Länderspieldebüt?