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Nach der schweren Verletzung des Top-Torjägers Mladen Petric hätten die Verantwortlichen beim Hamburger SV allen Grund zur Klage und zum Jammern.

Doch weit gefehlt: Trotz der prekären Personalsituation im Angriff heißt die Devise "Brust raus". Vorneweg geht dabei der Trainer. "Wir haben einen Tag getrauert und waren geschockt. Fertig, Aus. Jetzt werden wir die Ärmel hochkrempeln und noch enger zusammenrücken", sagte Bruno Labbadia und appellierte damit an alle Beteiligten, die nötige Unterstützung zu geben - besonders natürlich an die Fans.

Labbadia setzt auf das Team

"Sie haben uns schon zum Sieg gegen die Bayern getragen. Jetzt brauchen wir sie mehr denn je", fügte der Übungsleiter an. Auch nach den Kreuzbandrissen von Paolo Guerrero und Collin Benjamin binnen weniger Tage wurde im Umfeld des HSV bereits wild spekuliert. Den guten Saisonstart ließ sich die Mannschaft dennoch nicht kaputt machen.

Dem 3:1 gegen den VfB Stuttgart folgten in der Bundesliga das Unentschieden bei Eintracht Frankfurt und zuletzt die Siege gegen Bayern (1:0) und Hertha BSC (3:1), was die Leistungsstärke des Kaders noch einmal unterstrich. "Mit den 20 Punkten haben wir uns eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen. Das ist absolut top, wenn man bedenkt, dass wir die kürzeste Vorbereitungszeit aller Bundesligisten hatten und extrem vom Verletzungspech gebeutelt waren", sagt Labbadia, der diese 20 Punkte als Ansporn nehmen will.

"Wir haben in den vergangenen Wochen gesehen, was wir erreichen können, wenn wir als Team zusammenarbeiten. Unsere Siege in der Bundesliga waren alle verdient", erklärt der Ex-Profi.

Rückschläge gut verkraftet

Die Moral scheint zudem mehr als zu stimmen. "Wir sind in der Lage, auch Rückschläge zu verkraften", bestätigt Dennis Aogo. Ein Blick auf die Statistik gibt ihm recht. Nach der Niederlage gegen Rapid Wien hat sich die Mannschaft durch den Sieg gegen Tel Aviv in der Europa League erfolgreich zurückgemeldet.

Dem bitteren Pokal-Aus in Osnabrück folgte nur drei Tage später der Sieg über die Bayern - trotz Verletzungssorgen. Gerade gegen Tel Aviv zeigte auch Marcus Berg sein enormes Potenzial und erzielte innerhalb von sieben Minuten zwei Tore, seine Treffer vier und fünf in insgesamt zwölf Pflichtspielen. Eine gute Quote.

"Wir haben den Markt genau sondiert"

Nach der Verletzung von Petric wird der junge Schwede noch mehr im Interesse der Öffentlichkeit stehen. Für Bruno Labbadia liegt der Fokus allerdings auf dem Team-Gedanken: "Wir werden jetzt keinen Druck auf einzelne Spieler aufbauen. Marcus ist auch noch ein junger Spieler, der seine Qualitäten aber schon unter Beweis gestellt hat. Den Ausfall unserer Langzeitverletzten können wir aber nur im Kollektiv auffangen. Ich glaube an meine Mannschaft."

Die Last soll auf so viele Schultern wie möglich verteilt werden.
Die Verpflichtung eines zusätzlichen Stürmers kommt dafür aber nicht in Frage. Den erneut aufkommenden Spekulationen erteilte der HSV-Coach eine klare Absage.

"Wir haben den Markt genau sondiert. Die Spieler haben alle monatelang nicht mit einer Mannschaft trainiert, geschweige denn gespielt. Es würde Wochen dauern, bis ein Spieler so weit wäre, uns zu helfen. Ich könnte es mir als Trainer doch leicht machen und sagen: Wir nehmen einfach jemanden dazu. Ich mache aber nichts, wenn ich nicht überzeugt davon bin", so Labbadia.