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Köln - Als der 1. FC Köln 1978 zum dritten und bis heute letzten Mal die Deutsche Meisterschaft gewann, machte sich auch ein gewisser Yasuhiko Okudera einen Namen. Er war der erste Japaner in der Bundesliga und hatte mit 20 Einsätzen und vier Toren auch einen maßgeblichen Anteil am Erfolg der Domstädter, die damals sogar das Double holten. Gleich zwei Japaner schicken sich aktuell beim FC an, in Okuderas große Fußstapfen zu treten. Kazuki Nagasawa und Yuya Osako brillierten beim jüngsten 3:2-Heimsieg der Kölner gegen Hoffenheim.

FC-Trainer Peter Stöger war scheinbar ein großes Risiko gegangen. Denn erstmals in dieser Saison nominierte der Österreicher Kazuki Nagasawa für die Startelf. Ausgerechnet im wichtigen Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim durfte der Japaner ran, der bis dahin bei drei Kurzeinsätzen zusammen nur etwas mehr als eine halbe Stunde zum Einsatz gekommen war. Wie sollte das gut gehen?

Kleine Schritte nach vorne

Doch Stöger ist bekannt dafür, dass er gute Trainingsleistungen stets honoriert. Zusammen mit seinem Trainerteam hatte er den Eindruck gewonnen, dass die Zeit jetzt reif wäre, Nagasawa zu bringen. „Er hat in den letzten Wochen kleine Schritte nach vorne gemacht“, sagte der Coach vor dem Anpfiff. „Er hatte bisher eine schwere Saison und kam nach der Verletzung nur schwer in Tritt. Aber in den letzten zwei Wochen hatten wir das Gefühl, dass er stabiler ist und Bälle besser sichert. Dass er ein guter Fußballer ist, darüber braucht man nicht zu diskutieren.“

Die Rechnung ging auf. Kazuki Nagasawa lief bis zu seiner Auswechslung in der 72. Minute sehr beachtliche 9,5 Kilometer, er hatte 77 intensive Läufe, schoss zweimal aufs Tor und spielte nur einen Fehlpass. Er fügte sich prima ins insgesamt gute Kölner Spiel ein und rechtfertigte das Vertrauen des Trainers. In dieser Form ist der 23-Jährige auf alle Fälle eine Alternative im Mittelfeld.

Längst etabliert ist sein Landsmann Yuya Osako. Er bestritt in dieser Saison bereits 22 der 28 Spiele, allerdings nur eins über die volle Distanz. Zehn Mal stand er in der Startelf, zwei Tore erzielte er bislang. Gegen Hoffenheim zeigte er sein stärkstes Spiel. Nicht nur für den 'kicker' war er der beste Mann auf dem Platz. Osako war immer anspielbar und stürzte die Hoffenheimer Defensive von einer Verlegenheit in die andere.

"Osako war überragend"

Der 24-Jährige holte den Elfmeter zur 1:0-Führung der Kölner heraus, als er dem Hoffenheimer Verteidiger Ermin Bicakcic attackierte, den Ball abluchste und dann von ihm zu Fall gebracht wurde. Beim 2:0 legte er Anthony Ujah maßgerecht auf. Yuya Osako sprinte 24 Mal über den Platz, er legte 70 Läufe hin und gewann nach Innenverteidiger Dominic Maroh die meisten Zweikämpfe. „Osako war überragend. Jetzt hat auch der Letzte erkannt, was für ein fantastischer Fußballer der Junge ist“, lobte FC-Sportdirektor Jörg Schmadtke den vor der Saison von 1860 München zum FC gewechselten, zwölfmaligen japanischen Natioalspieler.

Der freute sich nach dem Spiel über die Komplimente und sagte: „Heute konnte ich zeigen, was ich kann.“ Und das ist eine ganze Menge. „Yuya und auch Kazuki muss man loben. Sie haben richtig Betrieb gemacht“, fand auch der Kölner Mannschaftskapitän Matthias Lehmann. Den Vergleich mit dem großen Yasuhiko Okudera müssen sie nicht scheuen.

Tobias Gonscherowski