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München - Deutschland gegen die USA - das ist auch das Duell der alten Weggefährten Jürgen Klinsmann und Joachim Löw. Einer, der beide aus seiner Zeit bei der deutschen Nationalmannschaft bestens kennt, ist Tim Borowski (34).

Der 33-malige Nationalspieler spricht vor dem entscheidenden WM-Gruppenspiel zwischen den beiden Teams (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) bei bundesliga.de über die Qualitäten seiner Ex-Trainer und wagt eine Prognose.

bundesliga.de: Herr Borowski, wie gefällt Ihnen die WM bisher?

Tim Borowski: Ich verfolge die Weltmeisterschaft sehr intensiv und versuche, so viele Partien wie möglich mitzunehmen. Das Niveau ist bis jetzt wirklich hervorragend. Wir sehen zahlreiche Spiele mit hohem Tempo und vielen Toren. Das ist in der Vorrunde nicht selbstverständlich - vor allem bei den klimatischen Bedingungen.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem Auftreten der deutschen Mannschaft?

Tim Borowski: Das erste Spiel war überragend. Da waren wir in allen Bereichen fast bei 100 Prozent. Ghana war dann ein ganz anderer Gegner. Die waren sehr verbissen und körperlich enorm stark. Da haben wir uns schwer getan. Nach dem Rückstand hat die Mannschaft eine tolle Moral bewiesen. Nur deshalb konnten sie noch den Ausgleich erzielen. Für den weiteren Verlauf kann diese Begegnung ganz wichtig sein, denn die Jungs wissen jetzt, dass sie auch schwierige Situationen überstehen können.

bundesliga.de: Jetzt wartet die USA, die sicherlich eine der positiven Erscheinungen dieses Turniers sind. Haben Sie die Leistungen der Amerikaner überrascht?

Tim Borowski: Ehrlich gesagt hatte ich die USA stark erwartet - aber nicht so stark. Wenn Jürgen Klinsmann so ein Projekt startet, dann trägt das auch Früchte. Er hatte genug Zeit, etwas aufzubauen und das ist ihm augenscheinlich gelungen.

bundesliga.de: Sie haben unter Jürgen Klinsmann in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern München gespielt. Was macht ihn als Trainer aus?

Tim Borowski: Jürgen ist unheimlich ehrgeizig und fokussiert. Er zieht sein Ding ganz "straight" durch und versucht, die Leute mit ins Boot zu nehmen. Wer allerdings nicht mitzieht, kann auch ganz schnell raus sein. Er ist ein großartiger Motivator, man darf ihn aber nicht darauf reduzieren.

bundesliga.de: Joachim Löw kennen Sie aus seiner Zeit als Co-Trainer von Klinsmann und als sein Nachfolger als Bundestrainer. Gibt es Parallelen zwischen ihren Ex-Trainern?

Tim Borowski: Beide sind sehr filigran in ihrer Arbeit und absolute Vollprofis. Sie planen bis ins kleinste Detail und überlassen nichts dem Zufall. Darüber hinaus legen sie Wert auf ein mündiges Trainerteam aus Spezialisten, das wichtigen Input gibt. Strategien werden im Team entwickelt. Das zeichnet große Trainer aus.

bundesliga.de: Was macht Löw anders als Klinsmann?

Tim Borowski: Von ihrer Philosophie sind sich Löw und Klinsmann ähnlich. Was sie unterscheidet, ist das persönliche Temperament. Jürgen ist sehr emotional und euphorisch, Löw im Vergleich etwas zurückhaltener.

bundesliga.de: Wie geht das Spiel am Donnerstag aus?

Tim Borowski: Wir werden ein schönes und spannendes Spiel sehen, auch wenn die USA und Deutschland mit einem Unentschieden beide im Achtelfinale wären. Auf Remis spielen liegt beiden Mannschaften nicht. Am Ende gewinnt Deutschland 3:1.

bundesliga.de: Miroslav Klose hat mit seinem 15. WM-Tor in der ewigen WM-Torschützenliste zu Ronaldo aufgeschlossen. Sie haben seinen Ausgleichstreffer beim WM-Viertelfinale 2006 gegen Argentinien vorbereitet und sind somit auch Teil der Geschichte. Was trauen Sie ihrem alten Teamkollegen in Brasilien noch zu?

Tim Borowski: Es freut mich wahnsinnig für Miro, weil er einfach ein Klassetyp ist. Bodenständig, aber dennoch enorm ehrgeizig. Ich bin mir sicher, dass er den Rekord ausbauen wird. Im Vorfeld war sein Ziel, drei Tore zu machen. Das ist absolut realistisch. Wir haben im Club und in der Nationalmannschaft häufig zusammen gespielt und uns das eine oder andere Tor aufgelegt. An seinen Treffer gegen Argentinien erinnern wir uns beide sicherlich sehr gerne.

bundesliga.de: Was können wir im weiteren Turnierverlauf noch von der deutschen Mannschaft erwarten?

Tim Borowski: Ich hoffe natürlich, dass wir bis ins Finale kommen. Das Potenzial dazu haben wir. Es scheint zwar derzeit so, als ob die Mittel- und Südamerikaner aufgrund der äußeren Bedingungen einen Vorteil hätten, aber ich bin optimistisch, dass wir dagegen halten können. In der ausländischen Presse wird häufig von den deutschen Maschinen gesprochen - da ist ein bisschen was dran. Die Physis sollte kein Problem sein. Und spielerisch gehören wir ohnehin zu den besten Mannschaften der Welt.

Das Gespräch führte Florian Reinecke