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Als Paolo Maldini und Filippo Inzaghi den silbernen Pokal im Konfetti-Regen gemeinsam in die Höhe stemmten, stand David Beckham daneben und lächelte etwas verlegen.

Der Engländer hatte beim 4:3 i.E. (1:1, 0:0) gegen den Bundesligisten Hambuger SV bei der Dubai Football Challenge zwar ein viel umjubeltes Debüt beim AC Mailand gegeben, der 45-minütige Auftritt des 33 Jahre alten Glamour-Boys im Trikot der Rossoneri war aber wenig berauschend.

Dennoch war "Becks" nach seinem Einstand neben Ronaldinho, Schewtschenko und Co. zufrieden. "Ich habe mein erstes Spiel seit drei Monaten sehr genossen. Es ist eine große Ehre für mich, mit einigen der besten Spieler der Welt auf dem Platz zu stehen", sagte Beckham und sprach von einem "großartigen und unglaublichen Gefühl".

"Nur ein halber Beckham"

Viel hatte die Leihgabe von Los Angeles Galaxy zuvor den knapp 30.000 Zuschauern im Stadion "The Sevens" nicht gezeigt. Die schrien sich zwar bei jedem Ballkontakt des Mittelfeldspielers die Seele aus dem Leib, doch geholfen hat es nichts: ein verunglückter Freistoß und eine abgewehrte Flanke - das war's, bevor die Beckham-Show von Milan-Coach Carlos Ancelotti zur Pause beendet wurde. Er lobte den Neuen dennoch als "großen Champion und sehr, sehr guten Spieler".

"Nur ein halber Beckham gegen Hamburg", kommentierte dagegen der Corriere dello Sport am Mittwoch. La Repubblica ergänzte ebenfalls kritisch: "Der Brite spielt 45 Minuten lang nicht als Bienenkönigin, sondern als Arbeitsbiene."

Jol: "Kein Spieler, der dribbelt"

Die Reaktionen des HSV auf Beckhams Debüt fielen ebenfalls verhalten aus. "Ich hatte viel Freiraum und konnte viel Druck nach vorne machen", sagte Marcell Jansen über sein Duell mit dem Engländer. Coach Martin Jol, der Beckham aus seiner Zeit in England gut kennt, erklärte zurückhaltend, "dass David eben kein Spieler ist, der mit Dribblings drei, vier Spieler ausspielt".

Bis 8. März ist das Leihgeschäft mit Los Angeles fixiert. Bis dahin könnte Beckham, der sich von seinem Aufenthalt in Mailand vor allem bessere Chancen in der Nationalmannschaft verspricht, noch elf Spiele bestreiten - auch im UEFA-Cup gegen Werder Bremen. Zunächst steht in der Serie A am Sonntag das Punktspiel gegen den AS Rom an. Ancelotti deutete an, dass Beckham einen Kurzeinsatz haben könnte.

"Gute Erfahrung"

Der HSV hat dagegen noch gut drei Wochen Zeit, bis es am 30. Januar zum Rückrundenauftakt gegen Bayern München ernst wird. Jol zeigte sich schon nach dem ersten Härtetest des Jahres zufrieden. "Wir haben gut gespielt. Am Ende haben zwar etwas die Kräfte nachgelassen, aber ich habe keinen Unterschied gesehen", meinte der HSV-Coach. Milan habe "Spieler wie Ronaldinho oder Beckham und einige Stars mehr als wir, aber wir haben ein gutes Kollektiv".

Der Niederländer, der mit seinem Team nach der Rückkehr aus Dubai ein Trainingslager im spanischen La Manga aufschlägt, sprach weiter von einer "guten Erfahrung für meine Jungs". Wichtig sei vor allem, "dass sie noch mehr Überzeugung bekommen und sehen, dass man auch gegen Mannschaften wie Milan, Real oder Juve mitspielen und auch gewinnen kann".

Olic konzentriert sich auf der HSV

Bei der Dubai Footbal Challenge reichte es für den HSV nicht ganz, weil der engagiert auftretende Titelverteidiger einige gute Möglichkeiten ungenutzt ließ. Ronaldinho hatte die enttäuschenden Mailänder per Foulelfmeter (62.) in Führung gebracht, Collin Benjamin glich aus (67.). Im Elfmeterschießen versagten schließlich Thiago Neves und Dennis Aogo die Nerven.

Ivica Olic, der einen guten Eindruck hinterließ, meinte trotz der Niederlage, "dass die Reise viel Spaß gemacht hat". Gleichzeitig stellte der kroatische Stürmer klar, dass er von einem Tauschgeschäft mit dem Münchner Lukas Podolski im Winter wenig hält. Er habe beim FC Bayern einen Vertrag ab dem 1. Juli unterschrieben, "es ist besser, ich komme im Sommer und fange dann von vorne an. Ich konzentriere mich voll auf den HSV und werde alles geben".