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Köln - Mit Johannes Geis hat sich der FC Schalke 04 einen der talentiertesten Mittelfeldspieler Deutschlands geschnappt. Ein Transfer, der für beide Seiten extrem viel Sinn macht. Auch der Zeitpunkt stimmt.

Gerade einmal 21 Jahre ist Geis jung, doch die Attribute, die dem U21-Nationalspieler bereits zugeschrieben werden, klingen wie die eines gereiften Führungsspielers. Ob strategisches Geschick, Spielruhe, Übersicht oder Handlungsschnelligkeit. Die Liste seiner Qualitäten ist lang und auch Horst Heldt nicht verborgen geblieben. "Johannes verfügt über enormes Potenzial: Seine gefährlichen Standards, sein präzises Pass-Spiel und sein Blick für die freien Mitspieler machen ihn im zentralen defensiven Mittelfeld bereits jetzt zu einem der besten Profis auf dieser Position in der Bundesliga“, schwärmt der S04-Manager.

Die Sehnsucht ist groß

In der Lobeshymne von Heldt schwingt eine gehörige Portion Sehnsucht mit. Die Sehnsucht nach einem Denker und Lenker für das in der Vergangenheit oft lahmende Angriffsspiel der Königsblauen. Die Sehnsucht nach einem Ballverteiler, der das Spiel aus der Tiefe heraus anschiebt und die Abräumer Marco Höger und Roman Neustädter im Aufbau-Spiel entlastet.

Schon beim 1. FSV Mainz 05 war Geis der verlängerte Arm der Trainer. Ob Thomas Tuchel, Kasper Hjulmand oder zum Schluss Martin Schmidt, sie alle konnten und wollten nicht auf das taktische Verständnis ihres Strippenziehers verzichten. Von 68 Partien unter der Leitung dieser drei verpasste er nur eine.

Beeindruckende Zahlen

Ein Blick auf die Zahlen des in Schweinfurt geborenen Rechtsfußes verdeutlicht, warum er der absolute Wunschspieler der Knappen war. Dauerbrenner Geis stand in der letzten Saison in allen 34 Partien auf dem Rasen, absolvierte stolze 2.970 Spielminuten. Nur vier Spieler hatten ligaweit mehr Minuten. In dieser Zeit kam er auf 2.407 Ballbesitzphasen. Auch das ist der fünftbeste Wert der Bundesliga. Wie offensiv der Stratege seine Rolle als Sechser interpretiert, beweisen bockstarke 100 Torschussvorlagen. Nur Bremens Zlatko Junuzovic (110) und Topscorer Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg (124) setzten ihre Mitspieler noch häufiger in Szene. Zudem sind 78 abgegebene Torschüsse vereinsinterner Bestwert.

Hinter der rasanten Entwicklung von Geis stand zu Beginn seiner Karriere aber ein durchaus großes Fragezeichen. Nachdem er im November 2010 aus der U19 der SpVgg Greuther Fürth direkt den Sprung zu den Profis schaffte, wurde er mit nur 17 Jahren, drei Monaten und drei Tagen zum jüngsten Debütanten in der Geschichte des Clubs. Der Durchbruch ließ aber auf sich warten. Coach Mike Büskens war nicht zufrieden mit dem Lebenswandel des Jung-Profis und ließ ihn zur Strafe vermehrt in der U23 auflaufen.

Reflektiert und ehrlich

Eine Situation, aus der er seine Lehren gezogen hat und die er heute reflektiert bewerten kann. “Die Bestrafung von Büskens war im Nachhinein gar nicht schlecht. Es ging zwar nur um ein paar Kilos, aber mir hat die Disziplin gefehlt. Ich habe richtig eins auf den Deckel bekommen, aber dadurch bin ich stärker geworden", sagte Geis. Das Eingestehen von Fehlern muss als weitere Qualität eines Führungsspielers gesehen werden.

Seit seinem Wechsel nach Mainz ging es für ihn dann unaufhaltsam nach oben. Dass Geis ausgerechnet jetzt eine neue Herausforderung sucht und den nächsten Schritt machen möchte, passt in seinen Karriereplan. Der Zeitpunkt für einen Wechsel in den Pott könnte aus sportlicher Sicht nicht besser gewählt sein. Die Knappen stehen vor einem Umbruch. Bestehende Hierarchien auf und neben dem Platz werden hinterfragt. Eine Chance, die er beim Schopfe packen möchte. "Auf Schalke kann etwas Neues entstehen, dazu möchte ich meinen Teil beitragen. Das wird eine super Truppe mit den ganzen jungen DFB-Spielern. Da werden wir Gas geben", erklärte er am Rande der U21-EM in Tschechien.

Johannes Geis und der FC Schalke 04: Zwei, die sich in jedem Fall gesucht haben. Jetzt muss sich nur noch zeigen, wie schnell sie sich dann auch finden. Die Vorzeichen könnten allerdings kaum besser sein.

Von Thomas Ziemann