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Köln -Darmstadt 98hat als erster Bundesligist die Vorbereitung zur neuen Saison aufgenommen. Der Aufsteiger aus Hessen ist zum ersten Mal seit 33 Jahren wieder in der Bundesliga. Wie in der vorigen Spielzeit sind die Lilien der Außenseiter.

Im Interview mit bundesliga.de erklärt Präsident Rüdiger Fritsch mit welchen Tugenden Darmstadt eine gute Rolle in der Bundesliga spielen will und woran sich das Umfeld wieder gewöhnen muss.

bundesliga.de: Vor der letzten Saison haben Sie aus Versehen "Nie mehr zweite Liga" gesungen und wurden nun zum Hellseher ernannt. Machen Sie doch noch mal eine weitere Vorhersage: Welchen Platz erreicht Darmstadt 98 nach dem 34. Spieltag?

Rüdiger Fritsch: Wenn ich tatsächlich heute schon wüsste, wie die kommende Saison für uns ausgeht, müssten alle Angst vor mir bekommen. Damals konnte ich einfach nur nicht bis "3" zählen.

bundesliga.de: Die Feiertage nach dem Aufstieg sind vorbei, die Mannschaft hat das Training zur neuen Spielzeit aufgenommen. An welchen Aufgaben für die nächste Saison sind Sie schon dran?

Fritsch: Wir haben nach dem Sieg gegen den FC St. Pauli und dem damit verbundenen Aufstieg ziemlich schnell damit angefangen alle wichtigen Aufgaben anzugehen und die Zeit zu nutzen. Vorrangig geht es darum die Finanzplanung zu erstellen, organisatorische Dinge abzuarbeiten und Sponsorengespräche zu führen.

"Wir bleiben unserer Arbeitsweise treu"

bundesliga.de: Sie haben die Vereinsstrukturen vor der letzten Saison vorsichtig ausgebaut. Was für Veränderungen sind im Hinblick auf die 1. Bundesliga nötig und vorgesehen?

Fritsch: Im Marketing- und Vertriebsbereich werden wir personell nachlegen, damit wir den gestiegenen Arbeitsaufwand bewältigen können. Auch auf das erhöhte Medieninteresse werden wir mit zusätzlichen Mitarbeitern reagieren und uns verstärken. Ansonsten bleiben wir, auch aus wirtschaftlicher Vernunft, unseren schlanken Strukturen treu.

bundesliga.de: Die finanzielle Solidität ist Ihnen weiterhin besonders wichtig. Lässt sich das auch in der Bundesliga durchhalten? Oder wird es jetzt sogar etwas einfacher, da es mehr Einnahmen gibt?

Fritsch: Leider stehen den höheren Einnahmen genauso oder sogar höhere Ausgaben gegenüber. Vor diesem Hintergrund bleibt es bei unserem Credo des "ordentlichen Kaufmannes" und wir werden keine finanziellen Abenteuer eingehen.

bundesliga.de: Haben Sie für Ihre Herangehensweise andere Clubführungen als Vorbild oder sehen Sie im Darmstädter Weg eine Besonderheit?

Rüdiger Fritsch: Ich denke, jeder Club hat seine eigene Anforderungen und seine eigenen Herausforderungen. Etwas zu kopieren macht da wenig Sinn und man muss einen eigenen Weg finden. Wir haben gezeigt, dass wir mit unserer Herangehensweise, mit unseren Entscheidungen in der letzten Zeit nicht so schlecht gelegen haben. Viele Fehler haben wir jedenfalls nicht gemacht.

"Unsere Stärken sind Geschlossenheit, Wille und Demut"

bundesliga.de: Was werden die größten Stärken von Darmstadt sein und wo liegen die größten Gefahren in der nächsten Saison?

Fritsch: Sportlich werden wir ganz, ganz große Herausforderungen über die gesamte Saison zu meistern haben. Unsere Stärken, wie Geschlossenheit, unbedingter Wille, Authentizität und Demut sind dabei weiterhin gefragt. Große Gefahren sehe ich nicht. Wir dürfen auf der ganz großen Fußballbühne mitmischen - wir können doch als Underdog nur gewinnen. Sowohl wir als auch das Umfeld werden sich wieder an Niederlagen gewöhnen müssen. Darauf bereiten wir uns vor – darauf sind auch unsere Fans vorbereitet.

bundesliga.de: Drei Leistungsträger der letzten Saison haben die Lilien verloren. Welche Möglichkeiten hat Darmstadt weitere Abgänge zu vermeiden und hätten Sie sich mehr Vereinstreue gewünscht?

Fritsch: Weitere Abgänge von Leistungsträger sind nicht zu erwarten. Und dass uns der ein oder andere verlassen hat, ist doch normal im Fußballgeschäft. Wir gehen damit professionell und realistisch um. Dankbarkeit und Vereinstreue darf man im Profifußball nicht erwarten, auch wenn man sich vielleicht darüber freuen würde.

"Eine sympathische Tellerwäscher-Karriere"

bundesliga.de: Wie hat sich die Wahrnehmung von Darmstadt 98 durch die letzte Saison verändert? Und welche Auswirkungen hat das zum Beispiel im Bereich der Sponsoren?

Fritsch: Unsere jüngere Geschichte hat in Fußball-Deutschland schon für Aufsehen gesorgt. Dass ein kleiner Verein, der nur mit "Bordmitteln" finanziell auskommen muss, also ohne außerordentliche Finanzspritzen, in einem altehrwürdigen Stadion spielt und die viel besser konstituierte Konkurrenz hinter sich lässt, beschäftigt das Fußballvolk positiv. Es ist eben eine sympathische "Tellerwäscher-Karriere". Natürlich nimmt das auch die ein oder andere Marketingabteilung von Unternehmen war. Verschenkt wird aber trotzdem nichts.

bundesliga.de: Worauf freuen Sie sich in der neuen Saison am meisten?

Fritsch: Einfach auf alles was da auf uns zukommt. Ich freue mich von Herzen für unsere Spieler und für unser Trainerteam, dass sie es geschafft haben, in die großen Arenen einlaufen zu dürfen. Sie können sich jetzt mit ganz Großen der Branche messen. Die ganze Stadt, die ganze Region hat ihre Fußballidentität, ihren Fußballstolz zurückgewonnen. Das alles freut mich und macht mich glücklich.

bundesliga.de: Welche langfristigen Ziele haben Sie mit Darmstadt 98?

Fritsch: Den Verein weiter zu stabilisieren und damit hochrangigen Fußball in Darmstadt zu etablieren.

Das Gespräch führte Alexander Dionisius