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Gelsenkirchen - Seine erste Ecke verwandelte Joel Matip per Kopf zur 1:0-Führung, aus seiner zweiten Ecke heraus entwickelte sich das zweite Schalker Tor durch Eric-Maxim Choupo-Moting: Dennis Aogo war maßgeblich beteiligt am 2:1-Erfolg des FC Schalke 04 über Borussia Dortmund.

Nach dem Spiel verriet der Linksverteidiger, warum er sich über den Derybsieg gleich doppelt freut und warum die Fans die Mannschaft zum Triumph getragen haben.

Frage: Dennis Aogo, wie ist die Gefühlslage nach dem Derbysieg?

Dennis Aogo: Na, sehr gut! (lacht) Die Stimmung in der Kabine war auch sehr gut. Es war ein sehr intensives Spiel. Und mein Tipp, den ich vor der Partie abgegeben habe, hat sich exakt bewahrheitet. Da bin ich natürlich gleich doppelt glücklich.

Frage: Sie haben richtig getippt? Haben Sie was gewonnen?

Aogo: (lacht) Das Spiel, das muss reichen. Zum Glück hat Klass-Jan Huntelaar am Ende noch vorbeigeschossen, sonst hätte mein Tipp nicht mehr gestimmt. Nein, Spaß beiseite: Ein 3:1 wäre natürlich erlösend gewesen. So gab es kurz vor dem Abpfiff noch ein, zwei lange Bälle der Dortmunder, bei denen wir zittern mussten.

"Nicht in große Euphorie verfallen"

Frage: Warum waren Sie schon vor dem Spiel ganz offenbar sehr optimistisch?

Aogo: Warum nicht? In 90 Minuten ist immer alles möglich, vor allem vor eigenem Publikum. Es war unglaublich, wie die Fans hinter uns standen und uns gepusht haben. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass Dortmund nicht in der allerbesten Verfassung ist zurzeit. Daher war das Spiel für mich im Vorfeld total ausgeglichen und für uns alles drin.

Frage: Sie haben die Fans angesprochen, die in den letzten 15 Minuten quasi alle gestanden und gesungen haben. Wie haben Sie das auf dem Platz empfunden?

Aogo: Die Unterstützung war das gesamte Spiel über fantastisch. Aber in der letzten Viertelstunde haben die Fans uns dann wirklich zum Derbysieg getragen. Die Beine waren extrem müde und man hat immer ein bisschen zum Spielfeldrand geschielt, ob nicht doch noch ein Wechsel kommt. Dann kamen immer wieder die Sprechchöre von der Tribüne. Das gibt einem Energie und motiviert einen, noch einmal Vollgas zu geben.

Frage: Bedeutet der Derbysieg jetzt die Trendwende für Schalke nach dem durchwachsenen Saisonstart?

Aogo: So weit würde ich noch nicht gehen. Jedes Spiel hat seinen eigenen Charakter. Wir haben gegen den BVB vor allem in der ersten Halbzeit ein sehr, sehr gutes Gesicht von uns gezeigt. Aber wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass wir auch immer mal wieder Halbzeiten dabei haben, die nicht so gut aussehen. Deshalb möchte ich jetzt nicht in große Euphorie verfallen. Wir freuen uns natürlich unglaublich, dass wir das Derby gewonnen haben. Wir freuen uns auch extrem für unsere Fans. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir für unseren Anspruch zu wenig Punkte haben.

"Wir waren unglaublich willig"

Frage: Was kann man aus dem Derby mitnehmen für die nächsten Spiele? Was war entscheidend für den Sieg?

Aogo: Wir waren unglaublich willig. Zumindest in der ersten Halbzeit haben wir auch die Räume zwischen den Linien gut genutzt, die wir vorher analysiert hatten. Wir haben es geschafft, viel Druck aufzubauen. Der Schlüssel war der gute Start ins Spiel. Wir sind früh in Führung gegangen, was uns für unsere Spielweise hilft. Auch wenn wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr den großen Fußball gespielt haben, ist es einfach wichtig und beruhigend für uns, wenn wir in Führung sind.

Frage: Dortmunds Kapitän Mats Hummels ist bei seiner Analyse zu dem Ergebnis gekommen, dass Schalke in der zweiten Halbzeit keinen Stich mehr gesehen hat (Stimmen: Die Reaktionen der Spieler).

Aogo: Genauso wenig hat Dortmund in der ersten Halbzeit einen Stich gesehen. Da konnten sie sogar froh sein, dass sie nur zwei Tore bekommen haben. Wir waren in der ersten Halbzeit ganz klar überlegen. Da habe ich trotz des einen Gegentreffers nichts von Dortmund gesehen. Und wenn man sich die 90 Minuten komplett anschaut, dann war es ein verdienter Sieg für uns (Galerie: Die besten Bilder vom Revierderby).

Frage: Sie selbst haben dieses Mal wieder hinten links in der Abwehr begonnen, sind erst später ins Mittelfeld aufgerückt. Freunden Sie sich mit dieser Rolle langsam an?

Aogo: Es war eine kurzfristige Entscheidung des Trainers. Aber ich bin jemand, der sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt. Für mich ist der Linksverteidiger auch keine ungewohnte Position, ich habe das schon oft gespielt. Ich denke, es hat gegen Dortmund auch gut geklappt. Was die nächsten Spiele dann bringen, werden wir sehen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte